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Nord-Schaumburger Spätlese

Mein Landleben Nord-Schaumburger Spätlese

Goldener Oktober! In diesem Jahr lässt das Wetter die Menschen in der Region wirklich schonend in den Winter gleiten. Die Sonne durchleuchtet die Blätter, auf der Gartenbank sitzt es sich noch locker im T-Shirt, und sogar die Gießkanne ist weiterhin im Einsatz.

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Trauben aus dem eigenen Garten – vielleicht wird ein Nord-Schaumburger Wein daraus.

Quelle: Anke Weber

Von Anke Weber

Da ist es fast ärgerlich, dass die Äpfel im Garten schon aufgesammelt und für ihren Transport in die Mosterei in Säcke verpackt sind.

 Welche Aufgabe könnte mich noch vom Schreibtisch loseisen? Den Hunde-Spaziergang habe ich bereits über alle Maßen ausgedehnt. Das Laub, das ich sonst gerne wegen vorherrschender Ungemütlichkeit im nasskalten Herbst einfach liegenlasse, ist längst zusammengeharkt. Rasenmähen? Keine Alternative. Das Motorengeräusch wäre nicht mit meiner romantischen Herbststimmung vereinbar. Wäre ich sportlich, könnte ich durch den Wald joggen und tief den herben Duft feuchter Erde und langsam vergehender Blätter einatmen. Doch ich bin kein Sportmensch und jogge nie. Also dann – wenigstens einmal kurz in der milden Luft durch den Garten wandern. Diese Atmosphäre aufsaugen und abspeichern, bevor Regen, Stürme und Kälte kommen. Das Licht der tiefstehenden Sonne umschmeichelt Bäume, Tische, Steine und Mauern. Alles leuchtet. Und das intensive Blau der Hortensie macht den reifen Trauben in ihrem Rubinrot und samtigen Blauviolett Konkurrenz.

 Trauben! Schwer hängen sie zwischen den Hauswänden, sodass sich die Rankhilfe in der Mitte beängstigend durchbiegt. Da kann eine Frau nur tun, was eine Frau tun muss. Egal, was auf dem Schreibtisch liegt. Die Weintrauben müssen geerntet werden. Wein aus eigener Ernte, beginne ich in Gedanken zu schwärmen. Das wäre ein echtes Highlight. Hatte ich nicht schon mehrfach von Wein aus dem Norden gehört? Die Mosterei, zu der ich auch die Äpfel bringen will, macht leider nur Saft aus den Trauben. Der nördlichste Weinberg in Deutschland liegt auf Sylt, erfahre ich im Internet. Hilft mir nicht weiter. Ich will meinen eigenen Wein. Nord-Schaumburger Spätlese. Oder so ähnlich. Doch ich finde sie, die ultimative Seite.

 Der Winzer der Winzergenossenschaft Wachmannstraße in Bremen verspricht kurze Zeit später am Telefon, sich die Trauben anzusehen und ihren Zuckergehalt zu messen. Komplett ohne schlechtes Gewissen verlasse ich den Schreibtisch wieder und schneide in der warmen Herbstsonne die schweren Trauben von den Reben. Ich muss schließlich Prioritäten setzen. Und eigener Wein ist auf jeden Fall eine. Zumal der Winzer den Wein ehrenamtlich herstellt und sämtliche Einnahmen einem Bremer Sozialprojekt zukommen lässt.

 Wenn alles gut läuft, dann trinke ich im Frühjahr Wein aus eigener Ernte. Und das noch für einen guten Zweck!

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.