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Staatsbesuch

Ungebetene Gäste im Garten Staatsbesuch

Meine Nachbarn hatten Staatsbesuch. Eine Königin. Und sie hatte ihr gesamtes Gefolge mitgebracht. Schnell war klar, dass sie einen längeren Aufenthalt geplant hatte.

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Ameisen-Umsiedlung: Ein letzter Blick über den Rand der Transport-Tonne.

Quelle: Weber

Ich glaube, dass meine Nachbarn recht gerne Besuch empfangen. Sie sind offen, hilfsbereit und herzlich. Aber die neuen Gäste breiteten sich immer mehr aus, richteten sich wohnlich ein und fingen nach einer Weile doch irgendwie an zu nerven. Abgesehen davon, schien sich die einst kleine Gruppe rasant zu vermehren. Das ist bei Waldameisen durchaus üblich.

 Tatsächlich können in einem Waldameisen-Nest mehr als eine Million Arbeiterinnen leben. So steht es im Flyer des Deutschen Ameisen-Erlebnis-Zentrums. Und den hatten auch meine Nachbarn gelesen. Nun fürchteten sie um die Substanz ihres Schuppens, neben dem sich die Ameisen niedergelassen hatten. Weil Waldameisen unter Artenschutz stehen, kam ein Ameisen-Experte mit der Mission, den Schuppen zu retten. Die Ameisen sollten umgesiedelt werden.

Bestes Wetter für Ameisen-Umsiedlung

Es hatte geregnet und war noch recht kühl an diesem Morgen. Der Ameisen-Heger meinte, das sei allerbestes Wetter für eine Ameisen-Umsiedlung. Seien ja alles Frauen, erklärte er. Und weil Frauen immer schnell frieren, trifft man sie an kühlen Tagen ziemlich sicher zu Hause an, während sie an warmen Tagen draußen unterwegs sind.

 Bei mildem Wetter ist es also schwierig, einen ganzen Staat zu Hause anzutreffen, und deshalb war dieser frische, feuchte Morgen ideal für den Ameisen-Fang. Ich hatte mich auf eine lange Prozedur eingestellt. Es war mir auch gar nicht klar, wie man so einen Ameisen-Staat umsiedelt. Aber es geht ganz einfach: Mit dem Spaten das Areal abstechen und ausheben. Die Erde wird dann mitsamt Ameisen in Behälter gefüllt und an geeigneter Stelle im Wald wieder angesiedelt. Wichtig ist, dass die Königin mit im Behälter ist.

 Gerade mal eine halbe Stunde hat es gedauert, das noch recht neue Ameisen-Nest in Behälter zu verpacken. Demnächst kommt der Ameisen-Experte nochmal wieder – um die Ameisen zu holen, die aus irgendwelchen Gründen den Transport verpasst haben.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.