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Mein Landleben Strick aus Hundewolle
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00:18 05.02.2018
Scheren bringt viel Material, aber zu Wolle kann nur ausgekämmtes Haar verarbeitet werden. Quelle: Anke Weber
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Ernsthaft verfolgt habe ich diesen Gedanken aber nie. Bis ich im Internet das Foto von einer Frau gesehen habe, die ihre Füße in die Kamera hielt. Sie trug dicke und sehr gemütlich aussehende Socken. Und unter den Fußsohlen stand „dog wool“, also Hundewolle. Sofort ging ich der Information im Internet nach. Ich hatte ja keine Ahnung. Aus Hundehaaren kann man tatsächlich Wolle spinnen. Das eröffnete mir einen ganz neuen Blick auf das Nutztier Hund.

Wie die Navajo

Ich bin eine eifrige Socken-Trägerin. Jedenfalls im Winter. Sie sind mein Hausschuh-Ersatz. Und ich mag sie lieber aus Naturwolle. Deshalb war ich höchst interessiert an der Hundewolle. Angeblich haben die Navajo-Indianer Nordamerikas schon vor langer Zeit Hundehaare zu Wolle versponnen. Mir selbst war die Verwertung von Hundehaar neu. Zuerst witterte ich sogar schon ein Geschäft. Der Hund meiner Schwester wird nämlich geschoren. Das ist nicht gerade üblich bei einem Briard und sollte ursprünglich auch eine einmalige Sommerfrisur sein. Doch der Rüde fühlt sich sichtlich wohler mit weniger Fellmasse. Und die abfallenden Fellhaufen, so dachte ich, könnten wir zu Socken verarbeiten. Meine Schwester winkte ab. Sie trägt keine Socken. Auch nicht im Winter. Sie ignoriert ihn und spielt einfach weiter Sommer. Deshalb darf ich alle Hundehaare für mich alleine haben.

Doch keine Geschäftsidee

Der nächste Hundefriseur-Termin – und damit auch die erste Lieferung – stand schon kurz bevor. Zur Sicherheit ging ich nochmal auf die Internet-Seite der Spinnerin, die aus den Hundehaaren Wolle macht, da ich nicht mehr sicher war, wieviel Gramm für ein paar Socken notwendig wären. Dort sah ich dann den Teil, den ich zuvor offenbar überlesen hatte. Geschorene Hundehaare lassen sich nicht verspinnen. Nur die ausgekämmte Unterwolle langhaariger Hunde ist geeignet. Meine Geschäftsidee, die Briard-Haare in großer Menge zu verkaufen, war also dahin. Aber an dem Plan, ein paar Socken zu erhalten, hielt ich fest. Seitdem kämme ich den Hund jedes Mal, wenn ich ihn sehe. Das ist mühsam. Ich mache das jetzt bereits seit Wochen bei jeder Begegnung. Für eine Socke braucht man etwa 100 Gramm Hundehaar. Aufgeben ist keine Option. Ich bleibe dran und bürste weiter. Vielleicht schenke ich die Socken auch eines Tages meiner Freundin. Die wollte schon immer einen Hund. Also dann hat sie auf jeden Fall einen an den Hacken. Von Anke Weber

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