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Ufos auf den Weiden

Mein Landleben Ufos auf den Weiden

Besuch von außerhalb lässt einen die eigene Umgebung manchmal mit ganz neuen Augen betrachten. Mir haben Freunde neulich nach einer Fahrradtour von merkwürdigen Objekten auf Pferdeweiden berichtet und wollten eine Erklärung.

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Skurrile Objekte auf Pferde-Weiden.

Quelle: Anke Weber

Ich hatte keine Ahnung. Sie sprachen von großen Kugeln, Trichtern und Gestänge. Und um diese Kugeln herum hänge ein Reif, von dem der Trichter oder Kegel sich nach oben erhebe. Staunend hörte ich zu und machte ich mir ein bisschen Sorgen um das Paar. Waren die beiden dehydriert? Immerhin waren sie stundenlang geradelt – da kann das schon mal passieren.

Oder hatten sie etwa Drogen genommen? Argwöhnisch betrachtete ich ihre Pupillen. Alles normal. Allerdings war die Flasche Rotwein, die ich zum Abendessen geöffnet hatte, schon fast leer. Möglicherweise hatte das zu Übertreibungen geführt. Jedenfalls behaupteten meine Freunde, dass diese Objekte auf fast jeder Pferdeweide zu sehen seien. Kugeln mit Reif um die Mitte – wahrscheinlich hatten die beiden zu viele Folgen Raumschiff Enterprise konsumiert und litten nun unter Wahnvorstellungen von Ufos. Was sonst sollte aussehen, wie eine Kugel mit einem Ring drumherum?

Mir waren entsprechende Objekte jedenfalls noch nie aufgefallen. Nachdem das Paar abgereist war, nahm ich jede Pferdeweide, an der ich vorbeikam, unter die Lupe. Weit und breit war kein ungewöhnliches Objekt.

Tage später stand ich auf dem Hof meiner Nachbarn. Und plötzlich sah ich eine große Kugel, um deren Mitte ein Reif hing. Über dem Reif erhob sich ein Kegel und das Ganze hing an einem Gestänge. Wirklich? Meine Nachbarn klärten mich auf. Das Ding war eine Bremsen-Falle. Die schwarze Gummi-Kugel erwärmt sich in der Sonne und die stechenden Plagegeister fliegen das Objekt intuitiv an, weil sie es mit dem Hintern eines Pferdes oder anderen warmblütigen Geschöpfs verwechseln.

Dann stechen sie erfolglos auf das Gummi ein, geben irgendwann auf und fliegen nach oben davon. Das ist ihr Schicksal, denn Bremsen können offenbar nur nach oben abfliegen. Dadurch landen sie unter dem trichterförmigen Netz und schließlich in einem Wasserbehälter, in dem sie ertrinken. Die Bremsen-Fallen, die man auch selbst bauen kann, sollen sehr effektiv sein und die Population der Stechfliegen auch in den Folgejahren reduzieren, weil Bremsen sich nur einmal im Jahr vermehren.

Was ich zuvor nicht wahrgenommen hatte, sehe ich nun dauernd auf den Pferdeweiden – große Kugeln mit Reif und Trichter an einem Gestänge. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass jeden Moment ein paar Außerirdische aus den Dingern steigen. Ganz klar mit der Mission, die Erde von einer Plage zu befreien.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.