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Unkonventionell

Mein Vater hat Rücken Unkonventionell

Seit einiger Zeit experimentiert er deshalb mit diversen Lösungen, die ihm nützlich erscheinen. Die alte Rotlichtlampe, von der meine Oma schon lange vor ihrem Tod befürchtete, dass sie kurz vor dem Durchschmoren und eine Gefahr für Leib und Leben sei, hat er zu diesem Zweck aus dem Keller geholt.

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Goldene Tage

Anke Weber

Quelle: Archiv

Ebenso die elektrische Heizdecke aus der Haushaltsauflösung einer Tante. Als die bequemen Lösungen nicht zum Ziel führten, fing er mit Turnübungen an.

Grundsätzlich sind mein Vater und ich uns in diesen Dingen ähnlich. Erst wenn alle eigenen Ansätze gescheitert sind, kriechen wir zum Arzt. Volle Wartezimmer, der Gedanke an Spritzen oder weitreichende Diagnosen behagen uns nicht. Insofern hatte ich für die Heilungs-Ideen meines Vaters eigentlich immer Verständnis. Bis er sich vor einigen Tagen vor meinen Augen mit spitzbübischem Grinsen die Tabletten des Hundes in den Mund schob. War es Verzweiflung, Naivität oder eine Art Alters-Gelassenheit, die ihn auf diesen Gedanken gebracht hatte?

Hunde-Tablette für starke Knochen

Die Tabletten gehörten ursprünglich dem Hund meiner Schwester, auf den mein Vater ein paar Tage aufpasste. Der Rüde hatte sich den Fuß vertreten und humpelte. Und weil das Tier durch das vom Tierarzt verschriebene Medikament nach kurzer Zeit wieder fröhlich über Gräben springen konnte, schlussfolgerte mein Vater, dass die Tabletten auch seine Knochen-Probleme beheben könnten. Jedenfalls schien ihn das Ergebnis – oder einfach die kleine revolutionäre Tat an sich – zu beflügeln. Möglicherweise war auch die Tatsache, dass er nun nicht extra zum Arzt musste, Grund für sein Stimmungshoch. Es gibt ja sogar Leute, die sich den mit der Axt verletzten Daumen lieber vom Tierarzt nähen lassen, als in die Notaufnahme zu fahren. Einen solchen Fall habe ich einmal Himmelfahrt erlebt. Wir wollten grillen. Mit dem Tierarzt. Dann ereignete sich der Axt-Unfall. Himmelfahrt in die Klinik? Da wartet man stundenlang. Aber der Tierarzt brachte Nadel und Faden mit, und in kürzester Zeit war der Daumen des Mannes geflickt.

Genetisch nicht weit vom Schwein

Eigentlich ist es ja auch keine schlechte Idee, sich vom Tierarzt behandeln zu lassen. Da kann man gleich gemeinsam mit Hund oder Katze hin. Und grundsätzlich müsste der Tierarzt mit dem menschlichen Körper auch gut klarkommen. Genetisch soll der Mensch ja nicht so weit vom Schwein entfernt sein. Vielleicht könnte man so auch den Ärztemangel auf dem Land in den Griff bekommen. Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.