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Vergnügliche Ablenkung

Wenn die Arbeit liegen bleibt Vergnügliche Ablenkung

Es war einer dieser Tage, an denen man mit einer großen Erledigungs-Liste im Kopf aufwacht und sich direkt davon erschlagen fühlt. Ich musste Rasen mähen, viel Unkraut jäten, einkaufen und einen Text schreiben. Weitere Baustellen fielen mir ins Auge, während ich mir einen Kaffee kochte.

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Vorsicht: Baby-Katzen können vom Rasenmähen abhalten.

Quelle: Weber

MEIN LANDLEBEN. Die Fronten der Küchenzeile mussten gereinigt werden – der Hund schüttelt sich einfach zu oft. Lustlos putzte ich an den Sabberflecken herum, beschloss dann jedoch, dass diese Aktion meinen Zeitplan zerstören würde und setzte mich mit dem kalt gewordenen Kaffee an den Schreibtisch. Dort änderte ich einzelne Worte in dem angefangenen Text, sah aus dem Fenster und hatte für einen winzigen Moment den Impuls, den Rasen zu mähen. Aber bei dem Wind? Die einzig vernünftige Chance, den Tag noch effektiv zu organisieren, war, mit dem Einkauf zu beginnen.

40 Minuten für den Spargelkauf

Ich war schon halb aus der Tür, als das Telefon klingelte. Eine Freundin. Wir quatschten ewig und es war wunderbar. Danach musste ich den Einkauf auf den Nachmittag verschieben, weil ich auf dem Spargelhof nicht die Mittagsruhe stören wollte. Rasenmähen war über Mittag auch nicht angesagt. Also blieb nur der Text. Aber erstmal einen Kaffee kochen. Ich presste drei Sätze aus mir heraus, bis es endlich Zeit für den Einkauf war. Auf dem Spargelhof entwickelte sich ein interessantes Gespräch, weshalb der Spargelkauf vierzig statt vier Minuten dauerte. Anschließend kaufte ich Eier auf einem anderen Hof. Dort mussten Baby-Katzen dringend gestreichelt werden. Eine Aktion, der ein Gespräch über Tierverhalten, Zecken und Hunde-Sabberflecken an Wänden folgte. Ach ja, Rasen und Text waren ja immer noch nicht bearbeitet. Aber nun musste ich erstmal mit dem Hund gehen. Und dann Spargel kochen. Ich war schon ganz ausgehungert, von dem langen Tag. So viele Erlebnisse und anregende Gespräche. Also Feierabend.

Gelassenheit leben

War ich faul? Ein Drückeberger? Entsprechend niederschmetternde Kommentare hätte ich früher von meiner Umwelt für die unerledigte Arbeit bekommen. Heute heißt es Prokrastination. Das klingt salonfähiger, bedeutet aber auch nur, dass man seine Arbeit nicht effektiv erledigt und stattdessen scheinbar unsinniges Zeug macht. Das Verschieben anstehender Arbeiten kann sehr quälen, weil man sich unfähig und nichtsnutzig fühlt. Die inneren Kritiker können echt gemein sein. Aber gegen all die fröhlichen Gespräche und lustigen Katzen-Babys hatten sie dann doch keine Chance. Und die Arbeiten habe ich einfach am nächsten Tag erledigt. Fazit: Es ist gar nicht nötig, kleine Aufschiebereien so negativ zu bewerten. Es gibt auch schönere Sichtweisen für diesen Zustand. Gelassenheit, zum Beispiel. Oder: Das Leben nehmen, wie es ist.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.