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Vom Abnehmen und Ausmisten

Neuanfang Vom Abnehmen und Ausmisten

Mein wahrer Jahreswechsel ist die Tannenbaum-Entsorgung. Den ersten Rappel bekomme ich, wenn der Tannenbaum abgeplündert wird. Dann wird alles saubergemacht, verpackt und weggeräumt. Allerdings bin ich dabei nur so halb konsequent. Alles landet in einem Zwischenlager – der Weihnachtsschmuck unter der Dachbodenluke und der Tannenbaum im Garten.

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Im Anblick entsorgter Tannenbäume liegt auch ein Neustart.

Quelle: Anke Weber

Mein Landleben. Es braucht erst noch eine Art Initialzündung, die mich endgültig aktiv werden lässt. Dieses Jahr war es der Anblick eines Tannenbaum-Massengrabes – dort, wo später das Osterfeuer stattfinden wird. Ich habe es beim Hundespaziergang entdeckt. Im selben Augenblick verspürte ich den Drang, die Weihnachtsreste endgültig wegzupacken, das Haus auszumisten, Überflüssiges zu entsorgen, alles zu putzen und befreit von Altlasten endgültig in das neue Jahr zu starten.

Schlank, fit und gesund

So gesehen bin ich ein Spätzünder, denn alle anderen erleben diesen Startschuss ja scheinbar schon mit den am Himmel leuchtenden Silvesterraketen. Bereits am Neujahrstag joggen sonst nie gesehene Menschen an meinem Haus vorbei. Eindeutig Opfer der guten Vorsätze. Ich habe das mit den guten Vorsätzen abgewählt. Aus Erfahrung. Aber ein bisschen bewundernd sehe ich diesen sportlich Aktiven doch hinterher. Schlank, fit und gesund – im Grunde hätte ich das auch alles ganz gerne. Und der Feiertags-Speck muss ebenfalls weg. Ist aber schwierig, für Sport-Verweigerer wie mich. Egal. Ich räume jetzt auf. Beste Voraussetzung, das Jahr in Schönschrift zu beginnen – wie früher meine neuen Schulhefte. Ich habe schon die Socken-Schublade ausgemistet und mich von ein paar angefangenen Handarbeiten verabschiedet, die ich in meinem Leben nie mehr fertiggestellt hätte.

Aufräumen ist gesund

Meine Aufräum-Euphorie wird allerdings von jedem Jogger, den ich beim Blick durchs Fenster sehe, unterbrochen. Wie war das mit meinem Weihnachts-Speck? Vielleicht erstmal mit einem Keks eine Pause am Computer und ein bisschen im Internet rumgucken. Kann ja nicht schaden. Und was lese ich da plötzlich auf so einer Schön-Haus-Seite? Aufräumen ist gesund. Einer Studie der Universität Kalifornien zufolge kann Chaos zu gesundheitlichen Problemen führen. Zum Beispiel: Stress, Depressionen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme. Das bringt natürlich einen ganz neuen Aspekt in meine Aufräum-Aktion. Im Umkehrschluss kann das ja nur heißen: Wer aufräumt, nimmt ab. Das geht also auch ohne Joggen. Ich bin gespannt, wie viele Kilo die Flur-Regale bringen.

Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.