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SNack Freie Wahl, aber früher!
Thema Specials Spezial SNack Freie Wahl, aber früher!
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20:36 27.02.2014
Nicht in allen Punkten einer meinung: Schüler der zehnten Klasse am WBG diskutieren über Vor- und Nachteile von G8. Quelle: Montage Harmening
Von Kirsten Elschner

Zumindest wird vom Ministerium gerade geprüft, ob in Niedersachsen nicht beide Modelle parallel angeboten werden könnten. Dann würden die Schüler selbst wählen können, ob sie nach der 12. oder 13. Klasse ihr Abi machen wollen. Für die Zehntklässler des Wilhelm-Busch-Gymnasiums in Stadthagen ist der Zug zwar längst abgefahren, denn sie beenden auf jeden Fall nach der 12. Klasse die Schule. Trotzdem haben auch sie jede Menge zum Thema zu sagen. SNack hat mit sieben Schülern diskutiert: Ist G8 oder G9 die bessere Option? Gar nicht so klar zu beantworten, stellte sich in der Diskussion heraus. Die Meinungen gingen in vielen Punkten auseinander. Einig waren sich die Jugendlichen aber darin, dass es nicht das eine absolut richtige System für alle gebe. Schließlich hängt vieles davon ab, wie leistungsstark man ist. „Es sollte auf jeden Fall eine Wahlmöglichkeit geben“, sagt Jan-Ruteger (15). Aber nicht erst zwei Jahre vor dem Abi, sondern bereits früher. Außerdem kritisiert er, dass es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regeln gibt.

 Für Niklas (16) als leistungsstarker Schüler ist G8 genau richtig. Er komme gut klar und möchte möglichst schnell durch die Schule kommen. Damit Schüler, die nicht zur Leistungsspitze gehörten, aber auch ihr Abi schafften, hält er es für sinnvoll, wählen zu können. Ein Jahr länger zu brauchen, sei für das Selbstwertgefühl auf jeden Fall besser als Sitzenbleiben.

 Vivian (15) blickt etwas besorgt auf die Zeit nach dem Abi. „Ich bin dann erst 17“, sagt sie. Da könne sie noch kein Autofahren und sich gar nicht richtig „von den Eltern abkapseln“. Nach der 13. Klasse erst Abi zu machen – „das würde auch schwächeren Schülern die Chance auf ein besseres Abi geben“, glaubt sie. G9 würde auf jeden Fall den Schulstress entzerren, das denkt auch Jendrik (16): Wissen, das man jetzt nur überfliege und dann schnell wieder vergesse, könnte bei einem zusätzlichen Jahr intensiver durchgenommen werden.

 Nico (16) macht sein Abi mit 18. Ein Jahr früher fertig zu sein, bedeutet für ihn: „Mehr Zeit fürs Leben“. Da er schon weiß, dass er beruflich in Richtung Raumfahrttechnologie gehen möchte, will er sein Ziel auch möglichst schnell verfolgen. Weiß man dagegen noch nicht, wohin die Reise gehen soll, könne ein zusätzliches Jahr zum Nachdenken sinnvoll sein, denkt Vivian.

 Jan-Ruteger findet es bei G8 gut, Zeit für ein Auslandsjahr oder andere Erfahrung abseits des Schreibtisches zu haben. Für ein Auslandsjahr während der Schulzeit sei G8 allerdings „abschreckend“. Jule (16) sieht es ähnlich: Wenn man Abi nach der 13. Klasse macht und dann noch ins Ausland reist, habe man im Vergleich zu jemandem, der G8 gewählt hat und direkt an die Uni geht, gleich zwei Jahre verloren – für sie nicht denkbar.

 Sophia (16) steht dem ganzen Thema zwiegespalten gegenüber, sieht sich zwar „jetzt schon unter Zeitdruck“, aber kann es trotzdem kaum abwarten, ihr Leben nach der Schule endlich in die Hand zu nehmen. Da sie in der 11. Klasse für ein Jahr nach Amerika geht und dann am WBG ein Jahr wiederholen muss, kommt sie am Ende sowieso auf 13 Jahre Schule.

 Einen Kritikpunkt, den viele Lehrer und Eltern äußern, können die Schüler gar nicht teilen: Durch die Belastung und den Zeitdruck der Schule bleibe die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen auf der Strecke. Wie reif man ist – „das hat doch nichts mit G8 oder G9 zu tun“, sagt Niklas. „Meinen Charakter bildet nicht die Schule“, ergänzt Jan-Ruteger, sondern die Freizeit, das Umfeld. Auch Jule meint: „Da geht es doch um eine innere Einstellung und was man vom Leben erwartet.“ Zeit für Freunde und hobbys finden alle sieben noch, extremen Lernstress gebe es nur phasenweise, wenn Klausuren anstünden.