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Im Fidget-Spinner-Fieber

Neuer Sommer-Hype Im Fidget-Spinner-Fieber

Sie sehen aus wie eine Mischung aus Propeller und Ninja-Wurfstern und drehen sich in der Hand. Die Spielwarenbranche ist elektrisiert und meint, Fidget Spinners haben das Zeug zu einem Sommermärchen. Hunderttausende der Handkreisel sind trotz Lieferengpässen deutschlandweit bereits verkauft worden.

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In aller Munde und in jeder Hand: Der Fidget Spinner.

Quelle: dpa

Stadthagen/Hannover. Bei Spielmit in Stadthagen hat es die erste Lieferung gar nicht erst bis ins Regal geschafft, weil der Ansturm so groß war. Eine Mitarbeiterin spricht von „einem neuen Sommerhype“ bei Kindern und Jugendlichen. „Auch mancher Erwachsener hat schon einen“, sagt sie. Täglich gehen die kleinen Fingerkreisel über die Stadthäger Ladentheke.

Auch beim Stand von Nadine Becker aus Bad Nenndorf auf dem Stadthäger Markt sind die Spinner zu haben. „Das ist wieder so ein Trend, den eigentlich keiner haben muss, aber jeder haben will“, sagt dort ein Verkäufer. Auf Youtube seien Videos der Hit, auf dem die Jugendlichen allerlei Tricks zeigen, etwa wie sie die Spinner auf der Nase balancieren. Und viele junge Käufer achteten mittlerweile darauf, wie laut die kleinen Spielzeuge sind – denn viele Lehrer im Unterricht sind schon genervt und verbieten die Dinger.

Aber was macht ihren Reiz aus? Pink ist in einem Geschäft in Hannover schon ausverkauft. Auch der letzte Fidget Spinner in Tarnfarben geht soeben über die Ladentheke. Kjell hat ihn ergattert.

Weniger quatschen, mehr spinnen

Der 15-Jährige aus Hambergen bei Bremen ist auf Klassenfahrt in Hannover und macht mit seinem Freund Michel einen Abstecher in die Spielwarenabteilung eines großen Kaufhauses. Warum er den Handkreisel kauft? „Es ist im Moment angesagt und wenn man im Unterricht sitzt, kann man damit rumspielen“, sagt Kjell. Klassenkamerad Michel ergänzt: „Manche Lehrer empfehlen es sogar, dann reden wir wenigstens nicht so viel miteinander.“

Das Fidget-Spinner-Fieber grassiert in Deutschland, seit der Trend vor wenigen Wochen aus den USA herübergeschwappt ist. Es gibt wohl keinen Schulhof, auf dem die handtellergroßen Spielzeuge nicht kreisen. Gibt man ihnen einmal einen Schwung, wirbeln die bunten Dinger je nach Qualität des Kugellagers teilweise minutenlang.

Der Wirbel sei derzeit größer als das Produktangebot, räumt Willy Fischel ein. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels geht von einem Umsatz von mindestens einer Million Euro seit März aus. Die meisten Fidget Spinner kosten zwischen vier und sechs Euro, es gibt aber auch teurere Modelle aus reinem Metall oder mit besonderer Ausstattung wie kleinen LED, die im Dunkeln leuchten und für die man bis zu 30 Euro blechen muss

Nachlieferung per Flugzeug gegen Engpässe

Im Moment lassen die Händler die kleinen Scheiben sogar per Flugzeug einfliegen, weil die Schiffsladungen so lange brauchen. „Wenn die Schiffe da sind, wird sich in Deutschland noch mehr drehen“, glaubt Fischel. „Im Vergleich zu Vorgängern wie Tamagotchi, Furby oder Slime entwickelte sich die Nachfrage bei Fidget Spinner in Lichtgeschwindigkeit.“

Im Kaufhaus in Hannover bildet sich eine Schlange. Manuela Dankenbrink sitzt an der Kasse lässt einen neongrünen Spinner aus Plastik und Metall auf der Kuppe ihres Zeigefingers kreisen. „Es soll ja auch bei kaputten Händen helfen“, sagt die Verkäuferin. Sie habe vor ein paar Tagen innerhalb von zwei Stunden 50 Stück verkauft.

Alexandra (11) wählt ein Exemplar in Altrosa. „Wenn unsere Lehrer die Fidget Spinners einsammeln, spielen sie selbst damit“, berichtet die Gymnasiastin aus Hannover. Ihre Mutter Kerstin Winkel hatte vergeblich versucht, die Anschaffung abzuwenden, denn schon viele ehemaligen Must-haves verstauben im Regal des Kinderzimmer. „Erst waren es die Filly Pferde, dann die Loombänder, da haben wir noch extra Sortierkästen gekauft.“

Auch der Sohn des US-Präsidenten, Barron Trump, spielt offensichtlich mit dem Fidget Spinner. Auf Fotos war zu sehen, wie der Elfjährige am Sonntag beim Aussteigen aus der Air Force One ein rotes Exemplar in der Hand hielt.

Tricks und Pflegetipps im Netz

Wie die Hersteller versichern, sind Fidget Spinners dazu geeignet, Hyperaktivität und ADHS zu lindern sowie Unruhe vorzubeugen. Sie könnten sogar dabei helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen, heißt es auf einer Verpackung. Fidget bedeutet so viel wie zappeln oder herumhampeln.

„Über angebliche therapeutische Zwecke kann ich nur müde lächeln“, sagt dazu Hans-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes.

„Nach meinem Eindruck sind die Fidget Spinners aber noch nicht das Hauptproblem an Schulen“, meint der Leiter des Robert-Koch-Gymnasiums im bayerischen Deggendorf. Die Handys der Schüler lösten größere Konflikte aus. „Ich bin durchaus ein Befürworter von analogen Spielen und finde es gut, wenn die Schüler sich in der Pause mit Fingerfertigkeit beschäftigen, statt auf ihr Smartphone zu starren“, meint Meidinger. dpa, kil, col

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