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SNack Plötzlich Abi
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17:40 20.12.2012
Karina, Annabell und Senem sehen das Turbo-Abitur in einigen Aspekten kritisch. Quelle: kil
Landkreis (kil)

Erst kürzlich hat es unter anderem zum achtjährigen Gymnasium – kurz G8 – eine Podiumsdiskussion im Wilhelm-Busch-Gymnasium (WBG) in Stadthagen gegeben, bei der sich Landtagskandidaten unterschiedlicher Parteien mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

 Einige befürworteten die verkürzte Schulzeit, andere kritisierten sie. Was sagen die Schüler des WBG dazu? SNAck hat einen Kurs des 12. Jahrgangs besucht und mit den künftigen Abiturienten über positive und negative Aspekte gesprochen. Die Erfahrungen der Schüler sind unterschiedlich, nicht zuletzt davon abhängig, wie leicht einem das Lernen fällt.

 Senem (18) findet es „nicht so gut“, dass nach zwölf Jahren Schluss ist. „Der Sprung in die elfte Klasse, in der man sonst viel vom Stoff wiederholen konnte, ist einfach extrem gewesen“, erzählt sie. Dass die Noten der elften Klasse bereits für das Abi zählten, sei plötzlich gekommen. „Das ging so schnell. Ich bin irgendwie noch gar nicht bereit, jetzt schon zu studieren und auf einmal alleine zu wohnen“, gibt sie zu. Ein Jahr länger, um sich vorzubereiten und intensiv über das Leben nach der Schule nachzudenken, würde sie sich wünschen. Auf die Berufswahl könne sie sich derzeit kaum konzentrieren.

 Lockerer sieht das ein 17-jähriger Mitschüler, der bereits eine Klasse übersprungen hat und noch nicht volljährig sein wird, wenn er sein Abi macht. Für die Schule müsse er nicht viel lernen, deshalb sieht er eine Chance im verkürzten Gymnasium: „So hat man ein Jahr mehr Zeit, um zu studieren oder ins Ausland zu gehen“, sagt er. Kritisch findet er aber, „dass das überstürzt eingeführt wurde“. Manche Bücher, mit denen die Schüler arbeiteten, seien zum Beispiel noch die, die ursprünglich zum 13. Jahrgang gehörten.

 Annabell (18) hat das Gefühl, dass das Lernen ihr viel von der Freizeit wegnimmt. „Klar kommt das auf den Schüler an und darauf, wie leicht einem die Schule fällt“, aber wenn man viel lernen müsse, um alles zu schaffen, sei das Turbo-Abi ein harter Brocken. Viele ihrer Freunde hätten kaum noch Zeit für Aktivitäten außerhalb der Schule.

 Das bestätigt auch Daniel (18). „Freizeit bleibt da nicht mehr viel.“ Vier mal in der Woche hat er lange (bis etwa 16 Uhr), einmal sogar bis 17.30 Uhr Schule. Wenn er nach Hause komme, gehe er vielleicht noch zum Training und dann Schlafen.

 Karina (18) findet es an sich nicht schlecht, ein Jahr früher fertig zu sein, spürt aber, dass der Stoff manchmal zu viel ist. Ihre Leistungskurse (Mathe, Chemie und Bio) seien sowieso schon echte Lernfächer.

 Ein Argument für das G8-Modell, nämlich im europäischen Vergleich konkurrenzfähig zu sein und früh Fachkräfte ausbilden zu können, überzeugt die Schüler zwar zum Teil, Senem gibt aber zu bedenken: Dann müsste man auch den Stoff anpassen und darauf achten, dass alle Abiturienten in Europa das gleiche lernten.