Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
SNack Schwieriger „guttenbergen“
Thema Specials Spezial SNack Schwieriger „guttenbergen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:35 14.02.2013
Landkreis (tbh/kil)

Mit einem Computerprogramm suchen einige Schulen nach Plagiaten in Seminararbeiten. Die Texte werden mithilfe des Programms gescannt und mit einer Datenbank verglichen. Wenn etwas aus Büchern oder dem Internet übernommen und nicht gekennzeichnet ist, schlägt das Programm Alarm. Mit welchen Methoden spüren Lehrer Plagiate in Schaumburg auf? Und welche Konsequenzen hat das für die Schüler?

 Das Gymnasium Bad Nenndorf (GBN) verfügt auch über eine Plagiats-Software, die aber nicht allen Lehrern eingesetzt wird, berichtet GBN-Lehrer Till Borcherding, der noch ohne Software arbeitet. „In manchen Fällen lassen sich von Guttenberg inspirierte Schüler aber auch so aufspüren“, sagt er. Zum Beispiel verwenden sie an manchen Textstellen eine auffallend hochgestochene Sprache, die in krassem Gegensatz zum restlichen Text stehe. „Wenn plötzlich jedes zweite Wort ein mir unbekannter Fachbegriff ist, kann dies auch darauf hindeuten, dass sich jemand ohne Quellenangabe an einem Fremdtext bedient hat“.

 Auch die Schüler am RGS Stadthagen werden seit den öffentlichen Plagiatsaffären „noch mehr darauf getrimmt“, wie fatal Plagiate sein können, vor allem mit Blick auf die Uni, erzählt Angelika Hasemann, stellvertretende Schulleiterin. Eine spezielle Software gibt es am RGS nicht, „aber auch bei uns recherchieren Kollegen aufmerksam im Internet“. Sie geben bei Google Sätze oder Teile von Facharbeiten ein, wenn sie den Verdacht haben, dass Teile oder sogar ganze Arbeiten aus dem Internet übernommen sind, sagt sie. Auch Letzteres sei schon einmal vorgekommen, wenn auch eher als Einzelfall. Dass einzelne Sätze oder Teile einer Arbeit „geklaut“ werden, komme hingegen „immer mal wieder vor – auch in Klassenarbeiten.“ Die entsprechende Arbeit werde dann – je nach Schwere des Vorfalls – teilweise oder insgesamt mit 0 Punkten bewertet.

 Nicht anders am WBG Stadthagen. Auch dort schauen Lehrer schärfer hin, während viele Schüler vorsichtiger geworden sind. Für eine Computersoftware hat Schulleiter Holger Wirtz, „bisher keine Notwendigkeit verspürt“. Die Lehrer suchen mit normalen Suchmaschinen, allerdings nicht so häufig mit „Schummel“-Ergebnis. „Spätestens seit Guttenberg wird dem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt“, sagt er.

 „Wenn bei Arbeiten von Schülern auffällt, dass sie in einem ganz anderen Stil geschrieben haben, als die Lehrer es aus dem sprachlichen Umgang gewohnt sind, schaut man schon mal genauer hin“, erklärt Ernst-Peter Blatt, stellvertretender Schulleiter der IGS Schaumburg. Es komme schon vor, dass Schüler bei Texten mit der sogenannten „Drag and Drop“-Methode arbeiten würden. Um Plagiaten vorzubeugen, werden die Schüler jedoch angeleitet, Texte aus dem Internet umzuformulieren. So sollen sie lernen, Themenkomplexe mit eigenen Worten zu beschreiben.

 „Die Kollegen aus der Oberstufe überprüfen einzelne Arbeiten bei Verdacht schon hin und wieder, aber es ist jetzt nicht täglich ein Thema, über das im Lehrerzimmer gesprochen werden muss“, sagt Blatt. Für Abiturprüfungen sei die Problematik auch nicht wirklich relevant, da die Schüler ihre Mobiltelefone in der Klausur abgeben müssten.

 „Eigentlich lernen alle Schüler, wie richtig zitiert wird und dass Quellen angegeben werden müssen“, betont Ulrike Rehn, Schulleiterin der Magister-Nothold-Schule in Lindhorst. Wurden komplette Sätze oder Passagen aus dem Internet übernommen ohne Quellenangabe, falle das eigentlich relativ schnell auf. Bei der Überprüfung sei „pädagogisches Fingerspitzengefühl“ gefragt. Unter Umständen werde eine Hausaufgabe oder ein Referat, bei dem Passagen von anderen kopiert wurden, auch mal mit einer Sechs quittiert, das sei aber selten der Fall.