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Wie demokratisch ist das System Schule?

Landkreis / Mitbestimmen Wie demokratisch ist das System Schule?

In Koblenz haben kürzlich Schüler mit einer Sprühaktion gegen die „undemokratische Schule“ protestiert. „Mit Betreten des Schulgeländes verlassen Sie den demokratischen Sektor der Bundesrepublik Deutschland,“ hieß es auf den Schildern der Mitglieder der Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz. Wie demokratisch ist Schule in Schaumburg? Wo können Schüler mitbestimmen? Ein Besuch bei der Schülervertretung (SV) des RGS Stadthagen:

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Beraten, planen, diskutieren: Wöchentliche Freitagsrunde im SV-Raum des RGS Stadthagen.

Quelle: kil

Landkreis (kil). Freitagnachmittag, der SV-Raum ist voll, Schüler aller Jahrgangsstufen sitzen auf Sofas, diskutieren, beraten, planen. So ähnlich läuft es jeden Freitag ab, beim wöchentlich Treffen der Schülervertretung, die in vielen Bereichen des Schullebens mitmischt – angefangen von der Gestaltung der Mülltonnen bis zur Übernachtungsaktion für Fünftklässler.

„Man wird wirklich erhört“, erzählt Marcel (18). Die Atmosphäre im Raum ist ausgelassen, Vertreter der Fachkonferenzen berichten von den vergangenen Sitzungen. Welche Bücher sollen angeschafft werden? Wie sieht es mit Hausaufgaben aus? Könnte man den Religionsunterricht nicht anders gestalten?

Am besagten Freitag beschäftigt vor allem das FachAuch das Fach Darstellendes Spiel. Wie kann man das Fach trotz mangelnder Lehrer am Leben halten? Nicht jeder will Musik oder Kunst wählen – „ein wichtiges Fach für uns Schüler“. Die Lösung? Der Wunsch nach neuen Theater-Lehrern flaut schnell wieder ab – „das kann nur das Kultusministerium entscheiden“. Also eine Kooperation mit dem Theater? Oder ein FSJler? – Andere Schulen haben so etwas doch auch. Die SV will die Idee an die Schulleitung weitertragen, möglicherweise den Schulvorstand einbeziehen. Dieser besteht aus vier Schülern, vier Elternvertretern und acht Lehrern. Jeder von ihnen hat eine Stimme. Nicht ganz ausgewogen, kritisiert wiederum der Landesschülerrat Niedersachsen.

Und wie sieht es mit den Investitionen der Schule aus? Können die Schülervertreter beeinflussen, wofür die Schule Geld ausgibt? – Über manche Dinge entscheidet der Landkreis als Schulträger, bei anderen Anschaffungen, habe die SV ein Mitspracherecht, erklärt Schulsprecherin und SV-Leiterin Victoria. Die letzte Entscheidung trifft dann aber doch meist die Schulleitung. Insgesamt habe die SV aber relativ viele Gestaltungsfreiheiten.

Wo die SV noch mitmischt: Schülervertreter sind in allen möglichen schulischen Gremien in und außerhalb der Schule vertreten; zum Beispiel im Kreis- und im Landesschülerrat. Dort haben sie eine Stimme und können selbst Themen anregen. Was Victoria schade findet: Die Vernetzung mit anderen Schulen und SVs in Stadthagen und Schaumburg insgesamt funktioniere bisher leider gar nicht.

 Im Kreistag ohne Stimme

Jenseits der Schulgrenzen setzt sich der Kreisschülerrat für die Interessen aller Schüler im Landkreis ein. Er setzt sich aus je zwei Vertretern aller allgemeinbildenden Schulen zusammen und ist unter anderem im Landesschülerrat vertreten.

Wo kann der Kreisschülerrat sonst noch mitentscheiden? Er ist zum Beispiel im Kreistag vertreten, wo er allerdings kein Stimmrecht hat. Anders ist das im Bildungsausschuss, dort kann sich der Schülerrat auch an Abstimmungen beteiligen. Zur Umsetzung von Projekten und Ideen bekommen die Jugendlichen im Jahr ungefähr 1200 bis 2000 Euro aus dem Finanzhaushalt des Landkreises. Wofür sich die Schüler einsetzen und welche Projekte sie umsetzen möchten – bei der Auswahl haben die Schülervertreter relativ freie Hand – vom Schülertransport bis zur Schulpolitik.

Was die Schüler denken

Vanessa (14) ist im Klassenrat der IGS Schaumburg und gehört auch zu den Konferenzvertretern. Der Klassenrat besteht aus drei Leuten jeder Klasse. Er kann mitentscheiden, wenn es zum Beispiel um die Planung eines Sportfestes oder das Jahrbuch geht. „Wenn Lehrer das alles alleine bestimmen, würden hinterher sowieso alle Schüler meckern“. Lehrer wüssten eben nicht immer, was Jugendlichen gefällt.

Ihre Aufgabe als Konferenzvertreter: Wenn Schüler zu oft Mist bauen, gibt es eine Konferenz aus Schulleitung, Elternrat, Lehrern und jugendlichen Konferenzvertretern, die mit ihrer Meinung die Entscheidung beeinflussen, wie es mit den Schülern weitergehen kann. Auch bei Zeugniskonferenzen sind einige Vertreter dabei. Sie können ihre Sicht darstellen, aber letzten Endes nicht mit abstimmen.

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