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Ein Alptraum alter Zeiten

Faszination Strumpfhose Ein Alptraum alter Zeiten

„Überall ist Wunderland. - Überall ist Leben. - Bei meiner Tante im Strumpfenband -  Wie irgendwo daneben.“ (Joachim Ringelnatz)  Aus vielerlei modischen Farben, Dichten und Dessins kann ich sie heute auswählen, die passende Strumpfhose zum Kleid, wenn ich denn ausnahmsweise eines tragen möchte.

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 Strumpfhalter aus den fünfziger Jahren.

Quelle: pr.

Von Renate Jeschke

Vor der Ära der praktischen Jeans auch für weibliche Träger sah die Beinlage deutlich schlechter aus.

 Es galt quasi Rockpflicht, wozu in der Nachkriegszeit die aus Amerika aufgekommenen kostbaren Perlonstrümpfe gehörten. Anfangs hatten sie hinten noch eine sichtbare Naht, die, weil häufig schief, oft eher abschreckend als streckend wirkte. Gehalten wurden die glänzenden aber empfindlichen Beinkleider durch zwei Strumpfhalter pro Bein. Diese hingen etwa handbreit an einem Hüfthalter oder –gürtel. Die Technik der Strumpfhalter bestand aus einem Knopf am Ende eines kurzen Bandes, der unter den Strumpfrand geschoben und von oben mit einer Metallschlinge festgezogen wurde. Bei engen oder feucht gewordenen Röcken zeichneten sich die Abdrücke seitlich und vorn peinlich deutlich am Schenkel ab.

 Nicht selten riss das Knopfstück, und die alarmierte Strumpfträgerin griff zum oft vorrätig vorhandenen Ersatzstück: meist eine Fünf-Pfennig-, notfalls auch die kleinere Ein-Pfennig-Münze. Wozu Kleingeld nicht alles gut war!

 Überhaupt verlangte die Mode der fünfziger und sechziger Jahre allerhand Improvisationstalent. Denn die zarten und teuren Strümpfe drohten immer grade zur unpassenden Gelegenheit mit einer der gefürchteten Laufmaschen, die zu einer buchstäblich langen Katastrophe werden konnte. Das einfachste aber nur kurzfristig wirksame Lauf-Stopp-Mittel war trockene Seife.

 Resoluter konnten Nagellack oder Uhu-Klebstoff aufgetragen werden, die allerdings die mögliche Laufmaschenreparatur unmöglich machten. In einer Strumpftasche, meist aus Plastikmaterial mit vielen Fächern, wurden die Perlonprodukte gesammelt. Laufmaschenstrümpfe konnten kostengünstig zum Aufnehmen gebracht werden, in Stadthagen zum Beispiel in die damalige Strickerei Schubmann.

 Alles in allem ein umständliches Unterfangen, die Sache mit den schönen Beinen! Zumal auch ein Tribut an Gesundheit und Wohlgefühl verlangt wurde. Denn der unbedeckte obere Schenkelteil fungierte in kühlen Jahreszeiten als unangenehme Kältebrücke. Anfang bis Mitte der sechziger Jahre nahte die Erlösung durch die Strumpfhose, fast eine Befreiung für gequälte Frauenseelen.

 Auf den erotischen Effekt der bewährten Verführungsmittel möchte die Männerwelt allerdings wohl noch immer nicht verzichten. Strapse und Strumpfbänder stehen hoch im Kurs, nicht nur bei Bräuten.

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