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Ein Leben ohne Bücher kaum denkbar

Spätlese Ein Leben ohne Bücher kaum denkbar

Im letzten Jahr feierten sie Goldene Hochzeit, Sylvelie (72) und Hans-Jürgen Schmidt (74). Sie blicken mit Recht auf ein langes erfülltes gemeinsames Leben zurück, wobei der Blick zurück nur ein Teil ihres aktiven Lebens ausmacht.

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Beruf und Hobby vereint: Sylvelie Schmidt bei ihrer Lieblingsbeschäftigung – dem Lesen.

Quelle: rj

Denn noch sind beide mit Elan in ihre Berufswelt eingebunden. Die Buchhandlung Schmidt am Markt in Stadthagen ist eine Institution, eine beliebte und unverzichtbare Anlaufstelle für alle Arten von Bücheranliegen.

Ein wenig wie im Roman hört sich die Lebensgeschichte des Ehepaares auch an. Die in der Mark Brandenburg geborene Sylvelie wuchs nach Kriegswirren in Hannover auf und absolvierte eine Buchhändlerlehre bei Weidemann. Dies war nun auch der geeignete Ausbildungsplatz für Hans-Jürgen aus Stadthagen, wo seine Mutter am Nikolaustag 1946 eine Buchhandlung eröffnet hatte, zunächst mit einem Schwerpunkt für Schreibwaren. Der später aus dem Krieg heimkommende Vater, ebenfalls Buchhändler, erweiterte das Geschäft. Und Sohn Hans-Jürgen brachte seine Braut Sylvelie praktischer- oder romantischerweise gleich mit nach Stadthagen, um mit ihr in das elterliche Haus und Geschäft einzusteigen.

Mit den Babys im Buchladen

Seitdem war die Juniorchefin ununterbrochen in der Buchhandlung berufstätig; auch mit den beiden kleinen Söhnen, die gelegentlich als Babys mit in den Laden mussten. Ein sicher anstrengendes aber auch bereicherndes Leben, wie sie nicht ohne Stolz erzählt. In den siebziger Jahren wurde das alte Haus am Markt abgerissen und ein Neubau errichtet, der in den Neunzigern bereits wieder umgebaut wurde.

Immer am Ball bleiben und sich orientieren, gehört natürlich zum Beruf. Und so ist ihr Hobby Lesen, das sie mit ihrem Mann teilt, zugleich berufliche Fortbildung. Abends sind immer mehrere Bücher auf Vorlage, und wenn sie zum Urlaub auf Sylt fahren, ist das gemeinsame Lesen unverzichtbarer Bestandteil ihrer Tage. Aktuell ist sie bis auf zweimal täglich für einige Stunden im Geschäft. Jahrelang übernahm sie an einem ‚freien Tag‘ die Betreuung ihrer drei Enkel. Sie ist dankbar und froh, noch arbeiten zu können; es hält sie fit und lebendig. Man kennt sie, und sie kennt die Menschen dieser Stadt, die längst ihre geworden ist.

Menschenkenntnis gefragt

Inzwischen habe sie zwei Chefs, berichtet sie lachend, neben ihrem Mann inzwischen ihren Sohn Martin, der die Familientradition fortsetzt, nicht erwartet, aber natürlich zur Freude seiner Eltern. Als „betreutes Arbeiten“ tituliert sie augenzwinkernd ihre Seniorentätigkeit. Ihre langjährige Erfahrung kommt ihr insbesondere bei Verkaufsgesprächen zugute, wo Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis gefragt sind. Am schwierigsten seien Kunden auf der Suche nach Geschenken, die selber kein Interesse an Büchern hätten.

In der Rückschau gibt es zahlreiche interessante Ereignisse: ein besonderes war sicherlich der Besuch Michail Gorbatschows mit seiner Frau 1996 in Stadthagen, wozu auch ein Besuch in der Buchhandlung Schmidt zum Signieren gehörte.

Gegenwärtig gibt es natürlich auch in dieser Sparte des Einzelhandels Sorgen, wie die bedrohliche Konkurrenz durch das Internet. Es bleibt zu hoffen, dass die sichtlichen Vorzüge der menschlichen Kontakte und Beratung weiterhin gesehen und gewürdigt werden. Ambiente und Klima einer Stadt leben etwa von Unternehmen wie der Buchhandlung Schmidt am Markt. Von Renate Jeschke

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