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Holger Schulz: Versorgung sichergestellt

Spätlese Holger Schulz: Versorgung sichergestellt

Wie stellen sich Einzelhandel und Gewerbe auf ältere Kunden ein? Mit dieser Frage befasste sich der Arbeitskreis Seniorinnen und Senioren der VHS in seiner November-Veranstaltung in der „Alten Polizei“ in Stadthagen.

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Günter Raabe vom Stadtmarketing Stadthagen.

Quelle: goe

Von Doris Goerges

Günter Raabe, stellvertretender Vorsitzender beim Stadtmarketing Stadthagen (SMS) referierte über die Zertifizierung der Einzelhandelsgeschäfte mit Bezug auf generationengerechtes Einkaufen. Nicht nur Senioren stehen im Fokus, sondern auch junge Familien mit Kinderwagen, Menschen an Krücken und Behinderte. „Man sollte den Begriff vom demografischen Wandel nicht überstrapazieren, sondern sensibel mit ihm umgehen; sonst erreicht man das Gegenteil. Wir sind in Stadthagen relativ gut aufgestellt. Viele Städte werden uns darum beneiden. Problematisch ist das platte Land, wo es deutlich anders aussieht.

 Für eine entsprechende Zertifizierung sind barrierefreie Eingänge, breite Verkehrswege im Laden, Beleuchtung, Preisauszeichnung, große Beschriftung, Freundlichkeit des Personals, Parkplätze und Lieferservice ausschlaggebend. Der Katalog umfasst 59 Fragen. Nicht jedes Geschäft kann sich eine Behindertentoilette leisten, aber wer 70 Prozent der geforderten Punktzahl erreicht, wird zertifiziert.

 „Auch uns Geschäftsleuten hat das am Anfang weh getan. Unsere Stadt ist alt, viele Geschäfte haben Stufen. Doch mit einer Rampe lassen sich Hindernisse beseitigen. Möglich ist auch eine Außenklingel, mit der man Personal nach draußen bitten kann. Als das Thema an uns herangetragen wurde, haben wir den Seniorenbeirat eingebunden, der von der Linga, der Landesinitiative Niedersachsen generationengerechter Alltag, entsprechend geschult wurde. Niedersachsen hat inzwischen mehr als tausend zertifizierte Geschäfte. Stadthagen liegt mit seinen 53 Geschäften auf Rang drei. Im Umkreis gibt es nichts Vergleichbares. Darauf können wir stolz sein und müssen uns auch beim Seniorenbeirat bedanken.“

 Auf Martin Heils Frage nach der Verlässlichkeit sagte Raabe, dass die Prüfer unangemeldet in die Geschäfte gehen und auch darauf achten, dass Mängel behoben werden. Die zertifizierten Geschäfte verteilen sich auf die ganze Stadt.

 Lebhaft wurden die unterschiedlichen Ladenöffnungszeiten diskutiert, die in der Bevölkerung wenig Verständnis finden. Feste Kernöffnungszeiten sind wünschenswert, da die Menschen aus den Ortsteilen auf die Verkehrsverbindungen angewiesen seien.

 „Man muss auf das stark veränderte Einkaufsverhalten und auf Branchenabhängigkeit eingehen,“ merkte Holger Schulz, Vorsitzender bei SMS, dazu an. „Alles hat sich nach hinten verschoben. Um 9 Uhr ist in der Obernstraße noch nichts los, ab 11 Uhr ist es voll. Wenn der Wochenmarkt um 13 Uhr schließt, treiben wir die Menschen aus der Stadt. Wer will sich schon auf den Marktplatz setzen, wenn er abgeräumt wird und die Kehrmaschine dröhnt? Eine Öffnung bis 14 Uhr wäre unser Traum.“

 Karl-Heinz Hansing, Vorsitzender im Seniorenbeirat Stadthagen, merkte an, dass sich die Menschen außerhalb der Stadt schlecht versorgt fühlen. Schulz wies auf den Bringdienst diverser Einzelhändler hin. „Das Ladensterben in den kleinen Orten ist nicht aufzuhalten. Die großen Einkäufe werden woanders gemacht. Auch die Wagen, die noch über Land fahren, rechnen sich nicht. Unser Service liefert auch in die umliegenden Orte. Ein Anruf genügt, und die Ware wird ins Haus gebracht. Allerdings ist das nicht umsonst, aber es ist auch nicht gerade witzig, eine Wasserkiste in den dritten Stock zu schleppen. Die Versorgung ist also sichergestellt“.

 „Durch die Veränderungen wird auch der Nahverkehr immer schlechter, und die Menschen kommen überhaupt nicht mehr aus ihren Dörfern. Wir haben dort immer mehr Menschen, die preiswert versorgt werden müssen. Wie viel können diese Menschen sich leisten,“ fragte Hansing.

 „In Stadthagen gibt es eine ungleichmäßig gewachsene Ladenstruktur. Hundert Prozent Kaufkraft stehen 160 Prozent Angebot gegenüber. Die Konkurrenz ist also überproportional groß,“ erläuterte Schulz abschließend die Situation im Einzelhandel. „In manchen Bereichen gibt es zu viel, in manchen zu wenig Läden.“

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