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Spätlese „Ich mache mein Hobby zum Beruf“
Thema Specials Spezial Spätlese „Ich mache mein Hobby zum Beruf“
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20:09 29.05.2009
Walter Zwingmann bei der Probenarbeit mit der Trompete in seinem Arbeitszimmer. Wedig

Zwingmann ist in der Landeshauptstadt geboren und besuchte dort auch bis zur mittleren Reife die Knaben-Mittelschule 1. Es war die große Zeit des Rock ’n’ Roll. Bill Haley und Elvis Presley waren seine großen Favoriten. Englisch war allerdings überhaupt nicht sein Fach. Die Sprache lag ihm nicht – und dafür zu büffeln, erst recht nicht. Trotzdem musste eine bessere Englisch-Zensur her. Der Lehrer bot an, etwas Besonderes in dem Fach zu präsentieren. Da packte den Schüler der Ehrgeiz. Er sang von Bill Haley „Rock around the Clock“ und begleitete sich dabei auf der Gitarre. Das hat gefruchtet, es brachte ihm eine bessere Note ein.


Musik war im Hause Zwingmann kein Fremdwort. Es gab dort ein Klavier, und der Vater war sehr musikalisch. Als es hieß „Walter, du nimmst jetzt Klavierstunden“, sperrte sich Zwingmann, denn er wollte lieber Gitarre spielen. Das hatte er sich schon selbst beigebracht, einfach nach Gehör. Das gleiche Talent entwickelte er auch am Klavier – erst ein wenig klimpern, dann klappte es.
Im letzten Schuljahr hörte Zwingmann bei einer Jugend-Veranstaltung zum ersten Mal live eine Dixieland-Band und hat Jazz dabei so richtig wahrgenommen. Am besten gefiel ihm der Trompeter in der Gruppe. Damit entstand auch gleich der Wunsch, Trompete spielen zu erlernen, um diese Art von Musik spielen zu können. Für fünf Mark erwarb er eine alte Fanfare und übte damit auf dem Dachboden des Elternhauses jeden Tag zwei Stunden, sehr zur „Freude“ der Nachbarn, denn beim Üben blieb immer das Fenster auf, damit auch alle sein Unterhaltungsprogramm mitbekommen konnten.

In den zwei Wochen zwischen Schulabschluss und Beginn der Lehre verdiente er sich in einem kleinen Job 50 Mark und kaufte dafür eine Trompete. Neun Monate hörten sich alle dieses Getröte an, bis der Vater dem Sohn den Unterricht für einen Trompetenlehrer bezahlte. Der Lehrer, ein ehemaliger Militärmusiker und Leiter von mehreren Posaunenchören, war sehr streng und wollte von den Jazz-Ideen seines Schülers nichts wissen. So wurden zunächst brav Choräle und Volkslieder geübt. Erst später lernte Zwingmann von seinem zweiten Lehrer, Edgar Westphal, Trompeter beim Rundfunkorchester Hannover, die notwendigen Techniken für Jazz-Trompete.

Doch nun begann erst einmal die Maschinenschlosserlehre. Dreieinhalb Jahre verbrachte Zwingmann bei der Firma Eisenwerk Wülfel. Es war Tradition: Der Vater arbeitete dort, also lernte der Sohn auch dort. Diese Lehre war für den jungen Mann genau das Richtige. Er hat dort sehr viel gelernt – durchlief alle Handwerksbetriebe im Haus und alle Abteilungen. Zwingmann sagt: „Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dort mein handwerkliches Geschick weiter entwickelt wurde und ich für mein Leben viel mitbekommen habe. Ich traue mich auch heute noch handwerklich an alles heran.“

Schon während der Lehre wurde mit einer Gruppe gleichaltriger Jungen zusammen Musik gemacht. Einmal die Woche probten die „Beale Street Jazz Youngsters“, alle zwischen 16 und 17 Jahre alt, in einem Kohlenkeller. Nach der Lehre gab es ein kurzes Debüt bei der Bundeswehr, bei den Panzer-Grenadieren in Evershorst. Noch in der Grundausbildung stellte man bei dem Soldaten ein zu großes Herz fest. Aus der Traum, denn hier wollte der junge Mann im Musikchor seine Trompete blasen. Aber etwas Gutes hatte dieser Abbruch auch, so konnte er sofort mit dem Maschinenbau-Studium beginnen. Nach sechs Semestern war er fertig und konnte sich Ingenieur nennen. Noch im sechsten Semester hat er geheiratet, um eine gemeinsame Wohnung zu bekommen. Mit seiner Ehefrau Hannelore (67) hat Zwingmann viele schöne Jahre verlebt. Tochter Dagmar hat sie inzwischen zu Großeltern gemacht. Ganz stolz sind sie auf die Enkelin Lucy.

Auch während des Studiums wurde Musik gemacht. Mit einer Vier-Mann-Besetzung, der „Blue March Combo“, spielten sie primär Tanzmusik wie zum Beispiel in den Maschsee-Gaststätten sowie bei Schulbällen und privaten Veranstaltungen. Das Repertoire reichte von Rock ’n’ Roll und Songs der „Beatles“ rauf und runter über Märsche und Walzer bis hin zu anderen gängigen Sachen, die gewünscht waren. Die Tanzflächen waren jedenfalls immer.

Nach beruflichen und musikalischen Stationen in Düsseldorf, Boston und Hannover suchte sich die Familie eine kleine Wohnung in Rodenberg und baute nebenbei überwiegend in Eigenleistung ein Haus. Mit 64 Jahren ging Zwingmann in Rente. Da gab es eine zünftige Abschiedsparty mit Kollegen, Familie und sehr vielen Musikerkollegen im Jazz-Club Hannover.

Hannelore Zwingmanns heimlicher Wunsch, jetzt einen Hausmann zu bekommen, ging nicht in Erfüllung. „Jetzt geht’s richtig los. Ich mache mein Hobby zum Beruf.“ Vor 35 Jahren war er gemeinsam mit seinem Schwager Felix Hartmann Mitbegründer der „Swingtown Jazzmen“ in Hannover. Diese Band gehört zu den Urgesteinen der hannoverschen Jazzszene und ist auf diversen Veranstaltungen im Raum Hannover zu hören. Um das Repertoire der Band zu ergänzen, wird alle sechs Wochen im JazzClub geprobt.

2006 hat Zwingmann sich noch einmal daran gewagt, eine weitere Band mit zugründen. Es ist das „The Lulu White Salon Orchestra“. Deren Musik ist ein Verschnitt aus Chris Barber und Max Raabe. Es spielen zwei Senioren über 60 und zwei Männer in den Vierzigern mit. Diese Band tritt in diesem Jahr zum dritten Mal bei „Swinging Hannover“ auf. Auch für private Auftritte lassen sich die Musiker buchen, so wie erst kürzlich auf der Geburtstagsfeier von Gerhard Schröder anlässlich seines 65. Geburtstags.

Zwingmanns Lieblingsinstrument ist und bleibt die Trompete, obwohl deren Spiel dem Musiker mit zunehmendem Alter viel abfordert. Um einen schönen Ton und gute Kondition zu erhalten, muss ständig trainiert werden. Es ist wie bei einem Leistungssportler, man muss die Muskulatur, in diesem Falle die Lippen- und Gesichtsmuskulatur, ständig trainieren, so Zwingmann.

In seiner Freizeit ist er gern in seinem Garten. Großeltern sind die Zwingmanns mit großer Hingabe. Die zurückliegenden Jahre war Fahrradfahren immer ein großes Thema. Die längste Tour führte vor 20 Jahren von Rodenberg bis Finnland und zurück – es wurde eine gute Bekannte besucht. Auch Passau, Wien und das Altmühltal gehörten schon zu ihren Tourzielen. Nach der Grenzöffnung fuhren die Eheleute auch schon einmal über Lüchow, Wismar bis an den Ratzeburger See. Für die Zukunft wünscht sich Zwingmann, noch lange gesund zu bleiben. Vera Wedig

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