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Spätlese Von Obernkirchen in die weite Welt hinaus
Thema Specials Spezial Spätlese Von Obernkirchen in die weite Welt hinaus
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00:30 26.02.2018
Der Chor 1953 vor dem Rathaus in Wales. Quelle: pr.
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Obernkirchen

Der Erfolg des Chores ist untrennbar mit der unvergessenen Edith Möller verbunden. Sie leitete nach dem Krieg gemeinsam mit Erna Pielsticker ein Kinderheim in Obernkirchen. Beide waren sehr sangesfreudig und hatten viel mit den Kindern gesungen. Das Singen und Musizieren fand so großen Anklang, dass bald ganze Schulklassen teilnahmen. Edith Möller trat mit den Kindern gern bei kleineren Anlässen auf und war dabei so erfolgreich, dass sie 1950 diesen Kinderchor gründete.

Internationaler Erfolg bringt Durchbruch

Der ganz große Durchbruch kam 1953. Auf Vermittlung eines englischen Offiziers, der auf dem damaligen britischen Militärflughafen in Achum stationiert war, reiste der Chor in jenem Jahr zu einem Wettbewerb nach Wales. Bei dem Llangollen International Musical Eisteddfod gewann er in der Kategorie „Kinderchöre“ überraschend den ersten Platz. Als Zugabe gab es das Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“. Dieser noch heute oft gesungene Chorklassiker war von Friedrich Wilhelm Möller, dem Bruder von Edith Möller, komponiert worden. Unter dem Titel „The Happy Wanderer“ eroberte das Volkslied die damalige englische Musikwelt. Es führte wochenlang die britische Hitparade an. Eine sogleich aufgenommene Schallplatte wurde in Großbritannien mehr als 300.000-mal verkauft.

Der Obernkirchner Jürgen Schütte erinnert sich noch gut daran, wie alles nach dem Kriege begann. Der spätere Richter beim Amtsgericht in Stadthagen kam 1953 als 16-Jähriger zum Kinderchor und begleitete ihn als Sänger und Klavierspieler bei vielen Auftritten.

Zweiwöchige Tournee durch die USA

„Das Besondere an diesem Chor war der frische Klang der Kinderstimmen und die Begeisterung, mit der die jungen Sänger ihre Lieder vortrugen“, erinnert sich Schütte. Nach dem Erfolg in Wales folgten viele Einladungen aus der ganzen Welt. Eine zweiwöchige Tournee durch die USA wurde zum rauschenden Erfolg. Sie begann mit einem großen Empfang in Washington und endete mit mehreren, immer ausverkauften Auftritten in New York. „Wir im Chor hatten eine wunderbare Zeit“, so schwärmt Schütte heute noch. „Wir hatten 70 bis 80 Konzerte im Jahr und haben auf unseren Reisen viele Länder besucht.“

1956 zog der Chor nach Bückeburg in die Räume der heutigen „Musikschule Schaumburger Märchensänger“. Für Obernkirchen war damit das Kapitel „Schaumburger Märchensänger“ beendet.

In Obernkirchen wird auch heute noch gesungen und musiziert. Es gibt den Kirchenchor der evangelisch-lutherischen Gemeinde und immer wieder großartige Konzerte in der Stiftskirche. Doch die glanzvollen Zeiten mit den Schaumburger Märchensängern in Obernkirchen gehören der Vergangenheit an. von Dietmar Kampe

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