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VW-Veteranentreffen Automobile Zeitreise

„Besser hätte es nicht laufen können“ – da sind sich Veranstalter, Besucher und Polizei einig. Das siebte VW-Veteranentreffen ist am Wochenende auf hohes internationales und mediales Interesse gestoßen und hat mit geschätzt mehr als 45.000 Besuchern  noch mehr Menschen als im Jahr 2013 auf die automobile Zeitreise mitgenommen.

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Quelle: Die Bullis trotzen dem Regen: Der letzte Tag des Treffens fällt zeitweise ins Wasser.

HESSISCH OLDENDORF. Durch die „exzellente Vorbereitung des Veranstalters“, gab es – abgesehen von kleineren Verkehrsstörungen – so gut wie keine Probleme, lobt die Polizei.

Von Australien bis Alaska

Käfer und Bullis soweit das Auge reichte – keine Übertreibung an diesem Wochenende. Alle Parkplätze in der Innenstadt und in den angrenzenden Straßen sind von VW-Oldtimern gesäumt. Manche von Beginn an in Liebhaberhänden, strahlend und perfekt lackiert, bei anderen erzählt die Rostschicht von jahrelangen Aufenthalten in der Scheune, bevor sie wiederentdeckt wurden. Ob schlicht, bunt verziert, mit vielen Aufklebern aus aller Welt oder kreativen Dachaufbauten – eines haben sie alle gemeinsam: Mindestens 50 Jahre sind sie alt. Dazwischen unterhielten Tanzeinlagen und internationale Kost die mehr als 45000 Besucher. Eine Weltkarte mit Stecknadeln zeigt, woher sie kommen: Australien ist ebenso vertreten wie Alaska und Südamerika. Am Abend verwandelte sich die Innenstadt zur Party-Meile. DJs und Bands brachten Besucher wie Aussteller aus aller Welt zum Tanzen.

Im Tauschfieber

Von kleinen Schrauben und Werkzeugen über Aschenbecher und Fensterkurbeln bis hin zu ganzen Motoren und Käfertüren: Auf der Tauschbörse hofften am Sonnabend und Sonntag VW-Fahrer aus aller Welt, genau das Teil zu finden, das ihnen fehlt – denn Oldtimer haben ein Problem: Ersatzteile sind rar. Ralf Weghorst aus Gütersloh freut sich: Er hat eine Bedienungsanleitung für einen Oettinger-Motor aus den Fünfzigern gefunden. „Für meinen Käfer habe ich so einen Motor aus Einzelteilen selbst zusammengebastelt. Eine Bedienungsanleitung hatte ich bisher nicht, die gibt es auch gar nicht mehr zu kaufen.“ Über Schaumburg bis nach Nordrhein-Westfalen führte die knapp 70 Kilometer lange Ausfahrt der Oldtimer.

Über Land und übers Wasser

Der Höhepunkt: Das Übersetzen mit der Großenwiedener Fähre. Dort kamen auch die Schwimmwagen an, die von Hameln über die Weser gefahren waren. Doch wie funktioniert das eigentlich? „Der Motor treibt auch einen Propeller an, der im Wasser heruntergefahren und an Land hochgeklappt wird. Und untenrum ist alles versiegelt“, erklärt Fahrer Phil Jarvis aus der Nähe von Birmingham. Nachdem die Wagen unter Beifall an Land gefahren waren, durften Besucher gegen eine Spende für den guten Zweck eine Runde mitfahren – eine schöne Entwicklung, wenn man die ursprüngliche Aufgabe der Autos bedenkt. „Die Schwimmwagen wurden im Zweiten Weltkrieg von der SS hergestellt“, weiß Jarvis, dessen Fahrzeug aus dem Jahr 1942 stammt.

Glücklicher Zufall

Dem Wunsch, sich zu erleichtern, ist zu verdanken, dass sich die malaysische Gruppe auf den Weg nach Hessisch Oldendorf gemacht hat. Bei einem Uraltkäfertreffen in Indonesien musste einer aus der Crew bei Yanto Widodo, der 2013 mit drei Oldtimern zu Gast in der Kernstadt war, die Toilette aufsuchen. Dort hing ein Plakat, auf dem das siebte VW-Veteranentreffen beworben wurde. Im März brachen Terence Moses, Stephen Pang, Cliften Nathaniel, Monica Xavier und Udhaya Kumar mit drei VW-Bussen und einem gelben VW-Käfer auf dem Landweg auf. Es gab so manche Probleme zu bewältigen, aber sie erfuhren auch in allen Länder großzügige Gastfreundschaft. Gestern verewigten sie sich im Goldenen Buch der Stadt, erhielten von Bürgermeister Harald Krüger eine Plakette und von Traugott Grundmann eine HO17-Statuette. Vom Markenvorstand Volkswagen Nutzfahrzeuge bekamen sie zudem fünf originale Pressplatten von der VW-Fertigungsstraße. Moses überreichte dem Grundmann-Team zum Dank seinen Geschwindigkeitsmesser – Stand: 98132 Kilometer. „Ich kann mir hier auf dem Teilemarkt ja einen neuen suchen“, scherzt er. Und wie geht es nach Hessisch Oldendorf weiter? „Eigentlich hatten wir geplant, uns noch ein bisschen Deutschland und Europa anzusehen, dann in die Türkei zu fahren und die Autos von dort nach Malaysia zu schiffen“, sagt Nathaniel. „Aber vielleicht bleiben wir auch noch länger hier und fahren doch die ganze Strecke zurück – verschiffen wäre zwar billiger, aber wir wollen fahren!“

Pechvogel

Der Sonntag begann mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Marienkirche, wo auch zwei Käfer-Fahrgestelle ausgestellt waren. Dabei erklärten die Bibelworte „Schwerter zu Pflugscharen“, wie die zu Kriegszeiten gebauten Chassis heute dafür sorgen, dass Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen und in Hessisch Oldendorf ein friedliches Fest feiern. Zum Abschluss des VW-Veteranentreffens zeichnete Organisator Traugott Grundmann – hörbar heiser – Fahrzeugtypen aus, die durch Originalität bestachen. Dazu gehörte ein Käfer Cabrio, laut Geburtstagskind Grundmann „nicht das schönste, aber das lustigste mit den Bierkisten vorne und hinten“. Die mit der HO17-Statuette Prämierten kamen aus Norwegen, Schweden, Dänemark, England, Tschechien, Spanien, Deutschland und der Schweiz. Ausgezeichnet für die weiteste Anreise wurden nicht zum ersten Mal die „Kiwis“, eine fröhliche Gruppe aus Neuseeland, die versprach, auch 2021 wieder nach Hessisch Oldendorf zu kommen. Rodrigo Kurmen und seine Familie aus Bogota erhielten einen Preis als „Pechvogel des Events“: Sie kamen erst am Sonnabend um 22 Uhr, statt – wie geplant – schon am Dienstag, in Hessisch Oldendorf an. Anfangs gab es Probleme, weil das Visum der Ehefrau für die USA abgelaufen war. Also flogen alle über Istanbul nach Berlin, wo ein Wagen gemietet, aber leider nicht aufzutreiben war. Daher mussten die Kolumbianer die letzte Etappe ins Weserbergland mit dem Zug überwinden.  jli, ah

Greta-Therese Krönke (6), und Bruder Ludwig-Leopold (4) Grundmanns enkelkinder

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