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Busch-Originale aus privater Hand

Sonderausstellung im Busch-Haus Busch-Originale aus privater Hand

Es ist immer wieder ein Besuch wert: Das Wilhelm-Busch-Geburtshaus in Wiedensahl hält den großen Meister in Ehren und erinnert in regelmäßigen Abständen mit Sonderausstellungen von Originalgemälden und -zeichnungen an das Lebenswerk des berühmten Künstlers. Derzeit setzt sich die Sonderschau aus zehn Ölbildern und einer Bleistiftzeichnung zusammen.

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Leidenschaftlich gern malte Busch Kühe auf der Weide; das Bild „Kühe vor dem Wald“ (Öl auf Pappe, 24 x 38,3 cm) entstand um 1868.

Quelle: REPRO: KP

WIEDENSAHL. Das Besondere daran ist, dass die Bilder aus privater Sammlung stammen, damit der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt waren. In früheren Zeiten hatte das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover aus seinem reichen Fundus entsprechende Exponate zur Verfügung gestellt. Jetzt trat ein eifriger Busch-Sammler und Förderer des Wiedensahler Museums in Aktion und stellte eine Reihe von Bildern leihweise zur Verfügung.

Wilhelm Busch, wo sein Name fällt, wo über ihn geredet wird, da tauchen automatisch zwei Figuren auf: die Lausbuben Max und Moritz, deren Streiche und unrühmliches Ende Busch in seiner wohl berühmtesten Zeichengeschichte festgehalten hat. Ein anderer Busch war der, der vortrefflich Geschichten erzählen konnte und in Versen Lebensweisheiten von sich gab, die längst den Alltag erobert haben und zu geflügelten Worten geworden sind.

Besonders Tiere hatten es ihm angetan

Busch war aber auch ein leidenschaftlicher Maler, der sich — insbesondere in der dörflichen Umgebung seines Heimatortes Wiedensahl — mit Skizzenblock und Malutensilien auf die Suche nach Motiven machte, dabei gern durch die umliegende Landschaft zog. Am Rande des Schaumburger Waldes, auf den angrenzenden Wiesen und Feldern fand er das, was er für wichtig hielt, im Bild festgehalten zu werden. Besonders Tiere hatten es ihm angetan. Immer wieder malte er Kühe am Waldesrand, zeichnete Pferde, Katzen und Hunde. Auf den landwirtschaftlichen Höfen und in den Gaststuben entdeckte er schrullige Typen, von Arbeit gezeichnete Bauern, typische Charaktere, Menschen von nebenan, die ihm freiwillig oder auch unfreiwillig als Modell dienten. In Kneipenszenen malte er Trinker und Skatspieler. In den Gaststätten kannte er sich aus, hielt der Junggeselle sich doch selbst dort gerne auf, um in fröhlicher Runde den Bierkrug zu stemmen.

Als Erfinder des Comics, als Zeichner, Dichter und Geschichtenerzähler wurde er weltberühmt. Allein seine Geschichte von Max und Moritz ging um die ganze Welt. Dabei war er auch ein arbeitswütiger Maler. Nahezu 1000 Gemälde und Skizzen werden ihm zugeschrieben, die hauptsächlich das ländliche Leben in Wiedensahl und in dem kleinen Dorf Lüthorst, in dem er bei seinem Onkel Pastor Georg Kleine einige Jugendjahre verbrachte, wiedergeben.

Immer wider tauchen unbekannte Werke auf

Als vor Jahren das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover anlässlich eines Jubiläums in einer Sonderausstellung Gemälde vorstellte, staunten die Besucher über die Vielzahl der Bilder. Hatte man Busch doch mehr als Comiczeichner und Dichter angesehen. Wenn ihm heute fast 1000 Gemälde zugeschrieben werden, hat man das Gefühl, das kann noch nicht alles gewesen sein. Tatsächlich tauchen immer wieder bisher unbekannte Bilder auf, die von Privatsammlern im stillen Kämmerlein liebevoll gehortet werden.

Die derzeitige Ausstellung im Busch-Geburtshaus in Wiedensahl geht auf eine solche Sammlung zurück. Im vergangenen Herbst versteigerte das Auktionshaus Karl & Farber in München fast 50 Busch-Originale aus dem Nachlass eines verstorbenen Busch-Sammlers aus Eisbergen/Porta Westfalica. Ein dem Geburtshaus sehr zugetaner Förderer erwarb bei der Auktion zehn dieser Gemälde, die er jetzt dem Museum für die Ausstellung zur Verfügung stellte.

Ein Überblick über Buschs Schaffen

Die Bilder — so ist in einer der Ausstellung begleitenden Informationsschrift zu lesen — „geben einen repräsentativen Überblick über Wilhelm Buschs Schaffen, und zwar nicht nur in der Themenwahl, sondern auch in seiner künstlerischen Entwicklung über fast 45 Jahre“. Das älteste Bild, die Darstellung eines Frauenkopfes, stammt aus dem Jahre 1852, als Busch als Student an der Königlichen Akademie für Schöne Künste in Antwerpen wirkte. Damals zweifelte Busch an seinen Malkünsten, nachdem er mit Werken alter Meister wie Rubens konfrontiert worden war. In seiner Kurzbiografie „Was mich betrifft“ schreibt er, dass ihre „göttliche Leichtigkeit ihrer Darstellung“ für immer seine Liebe und Bewunderung gewonnen haben, „gern verzeih ich´s ihnen, dass sie mich zu sehr geduckt haben, als dass ich´s je recht gewagt hätte, mein Brot mit Malen zu verdienen wie manch anderer auch“.

Das jüngste Bild der Ausstellung, ein Selbstbildnis mit Schlapphut, soll 1895 entstanden sein, als Busch im Kreise der Familie seiner Schwester Fanny im Pfarrwitwenhaus in Wiedensahl wohnte. Drei Jahre später zog er mit der Schwester zum Neffen Pastor Otto Nöldeke nach Mechtshausen am Harz, wo er zehn Jahre bis zu seinem Tod am 9. Januar 1908 verbrachte. Wilhelm Busch fand auf dem dortigen Friedhof seine letzte Ruhestätte.

Kräftige Striche, dunkle Farbtöne

Die derzeitige Galerie gibt tatsächlich einen Überblick über Buschs Schaffen. Gezeigt werden die von ihm sehr oft dargestellten Kühe auf der Weide, Landschaftsbilder mit Bauernhaus, Mühle oder Findling, zur Herbstzeit und bei Gewitter, Porträts von Frauen, Trinker und Jungen und schließlich das mit groben Farbstrichen ausgeführte Selbstbildnis. Alle mit kräftigen Strichen und mit für Busch typischen dunklen Farbtönen gemalt. Neben den Ölbildern auf Leinwand, Holz, Karton und Papier bildet eine Bleistiftzeichnung von Buschs Schreibpult in Wiedensahl eine Ausnahme.

Die Ausstellung „Zum Schauen gegeben III“ im Wilhelm-Busch-Geburtshaus in Wiedensahl, Hauptstraße 78 dauert bis zum 25. Oktober. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, sonnabends, sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.wilhelm-busch-geburtshaus.de. kp

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