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Coole Nummer

Thema des Tages Coole Nummer

Wer im Februar dieses Jahres in Los Angeles die Grammys gewonnen hat, ist längst vergessen, aber ein wackliges Handy-Video aus diesen Tagen wird die Zeit überdauern. Am 16. Februar wird Paul McCartney höchstpersönlich am Hintereingang von Rapper Tyga's Grammy- Aftershow-Party abgewiesen. Der Ex-Beatle nimmt es mit Humor. Wie VIP müssten sie wohl sein?, scherzt der Star. Und kommt zur Erkenntnis: „Wir brauchen einen weiteren Hit“, hört man den Grammy-Preisträger im Video sagen. Nach wenigen Minuten zieht die Gruppe ab.

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Quelle: pr

Von Frank Westermann. Und manchmal geht es dann eben doch schneller als gedacht, denn nur knapp zehn Monate später findet sich die bei Virgin Records erschienene Nummer „Nineteen Hundred And Eighty Five“ von Paul McCartney & Wings im Remix von Timo Maas und James Teej unter den Grammy-Nominierungen 2017 wieder.

„Tja“, sagt Maas, „das ist schon recht witzig.“ Und so ist es im Leben ja oft: Man weiß halt nicht, was so kommt, aber mit den Jahren entwickelt man ein gutes Gespür dafür, wie man nehmen muss, was das Leben einem so auftischt. Für Maas hatte es in diesem Jahr zweierlei dabei: einen Hit – und zum zweiten Mal wird er Vater. Für den Bückeburger war es ein gutes Jahr. Eher zufällig kam er vor sieben Jahren an die Originalstimme von Paul McCartneys Wings-Klassiker „Nineteen Hundred And Eighty Five“. Sechs Jahre lang wusste er nicht so recht, wie eine moderne (und vor allem respektvolle) Version klingen sollte, bis er sich in Kooperation mit dem kanadischen Produzenten James Teej den Song noch einmal vornahm. Die Vocals durften erstmals in der Geschichte offiziell für einen Remix genutzt werden, welchen Sir Paul dann auch selbst freigab und auf seinen Social-Media-Kanälen teilte. Das Projekt sorgte bereits zu Beginn für Furore, da zunächst nicht öffentlich gemacht wurde, von wem der Remix überhaupt ist und er nur in geringer Auflage in England erschien.

Das Rätselraten trieb im Netz die Schwarzmarkpreise für die Vinyl-Version auf bis zu 400 Dollar. Das US-Magazin Billboard lüftete dann das Geheimnis um Maas & Teej, und drei Minuten später schickte Maas, der weiß, was eine gute Geschichte ist, unserer Zeitung einen lapidaren Hinweis auf den Billboard-Artikel: „Guck mal.“

Nicht so glamourös wie man es sich vorstellt

Am 12. Februar 2017 wird Maas bei der Verleihung der Grammys in Los Angeles anwesend sein. Ganz so neu sollte diese Situation für ihn jedoch nicht sein, erhielt er doch 2003 bereits eine Grammy-Nominierung für einen Tori- Amos-Remix. Und ganz so glamourös, wie der kleine Moritz sich so eine Verleihung vorstelle, sei es dann doch nicht, erzählt Maas. Zwar gilt der Grammy als Oscar der Musikindustrie und zweifelsfrei als die prestigeträchtigste Auszeichnung, aber es werden eben auch 84 in diesem Jahr verliehen – vom besten Song und Album im Pop-, Rock-, Classic- und Country-Bereich, um mal ein paar zu nennen, bis hin zum besten eingesprochen Hörbuch für Kinder. Soll heißen: Die Veranstaltung dauert ein paar Stunden, die aufwendige dreistündige Fernsehshow am Abend beschränkt sich indes auf die Hauptkategorien, wenn die Superstars sich ihre Trophäen abholen – oder eben nicht.

Maas und der Schreiber dieser Zeilen kennen sich seit 15 Jahren, seit dem sensationellen Debüt „Loud“ des DJs und Produzenten, es ist das insgesamt sechste Treffen über die Jahre und das dritte in diesem Jahr, weil jede Geschichte eine weitere nach sich zog, erst der Remix, der offiziell eine Single ist, weil die Eingriffe so stark sind, dass es sich um ein neues und eigenständiges Werk handelt, danach das Treffen mit Sir Paul McCartney im Rahmen der Welt-Tournee des Ex-Beatle, und nun noch eine Grammy-Nominierung obendrauf. Eine Frage: War „Nineteen Hundred And Eighty Five“ nun der erhoffte größte Hit in seiner Karriere? „Nein“, sagt Maas und schiebt eine Frage hinterher: „Wie misst man im Jahre 2016 einen Hit? An den Plattenverkäufen?“ Aber, so erklärt er, für das Tagesprogramm der Radiosender sei der Song dann doch ein bisschen zu sperrig gewesen und viel zu cool, aber das ganze Jahr habe er sich in den alternativen Charts und Spartensendern (doch, die gibt es noch) gehalten. „Und zuweilen lief der Song mit ,Radiohead' in der gleichen Sendung, was mir einen gewissen Coolness-Faktor verliehen hat“, meint Maas und kann darüber lauthals lachen. Eine Million Klicks bei Spotify, sagt er, das sei nett und auch eine schöne Anerkennung, aber auch nicht mehr als ein Achtungserfolg: „Ein Hit hat eine Million Clicks in der Stunde.“

Türenöffner

Die Frage, ob er enttäuscht ist, stellt sich nicht, schließlich hatte er keinerlei Erwartung. Sein „Herzblutdings“ war nicht mehr und nicht weniger als ein Zufallsprodukt: ein Lied, zwei Mann, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Doch natürlich hat es neue Türen geöffnet, sagt Maas, und „die Aufmerksamkeit der höchsten Gremien der Musikindustrie“ hat er sich ebenfalls erneut verdient. Ob er sich in Los Angeles Chancen ausrechnet? Statt einer windelweichen Antwort gibt es eine klare Analyse: „Sechs Lieder sind nominiert, zwei sind handwerklich gut, guter Durchschnitt, einer ist richtig, richtig gut, und zwei sind schlicht sensationell“, erklärt Maas. Soll heißen? „Wir sind weit weg davon, zu sagen, das tüten wir mal locker ein.“

Eine halbe Stunde später hocken Musikproduzent und Lokalredakteur vor dem Mischpult, Maas spielt einen Remix vor, der in der Woche der Grammy-Verleihung auf den Markt kommen wird. Das Lied kennt die Welt seit 16 Jahren, „Porcelain“ von Moby, eine leicht sentimentale Hymne an eine gescheiterte Liebe, und Maas hat mit James Teej aus dem melancholischen Werk ein zehnminütiges Beat-Monster gebastelt.

Sein generelles Fazit fällt kurz und knackig aus: „Es war ein gutes Jahr.“ Er hat auf allen Kontinenten aufgelegt, er wird Vater, er fliegt nach Los Angeles, und wenn es gut läuft, darf er sich am 12. Februar einreihen in die Liste der deutschen Grammy-Preisträger, auf der sich illustre Namen finden wie Otto Klemperer, Dietrich Fischer-Dieskau, Fritz Wunderlich, Klaus Voormann (Best Album Cover, „Revolver“ von den Beatles) oder auch Silver Convention (Best R&B Instrumental Performance: „Fly, Robin, Fly“) sowie Anne-Sophie Mutter und die Berliner Philharmoniker. Und so kann man im Februar für Timo Maas und James Teej die Daumen drücken, und natürlich auch dafür, dass Sir Paul diesmal nicht wieder an der Tür abgewiesen wird.

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