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„Das ist eine Katastrophe“

Thema des Tages: Schaumburger über Bischof Tebartz-van Elst „Das ist eine Katastrophe“

Die Umbaukosten für den Sitz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst sorgen für Diskussionsstoff. Auch Vertreter der katholischen Kirche in Schaumburg sehen in ihm ein großes Problem. Sie befürchten, dass das Verhalten des Limburger Bischofs die Kirche insgesamt in ein schlechtes Licht rückt, auch wenn sie das Verhalten von Tebartz-van Elst differenziert betrachten.

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Von allen guten Geistern verlassen? Um den Limburger Bischof Josef-Peter Tebartz-van Elst tobt ein erbitterter Konflikt.

Quelle: pr.

Von Stefan Rothe

Die Umbaukosten für den Sitz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst sorgen für Diskussionsstoff. Statt der ursprünglich veranschlagten fünf Millionen Euro wird der Umbau nach jüngsten Schätzungen mindestens 31 Millionen Euro
verschlingen. Immer lauter werden die Stimmen, die einen Rückzug des Bischofs fordern. Auch Vertreter der katholischen Kirche in Schaumburg sehen in ihm ein großes Problem. Sie befürchten, dass das Verhalten des Limburger Bischofs die Kirche insgesamt in ein schlechtes Licht rückt, auch wenn sie das Verhalten von Tebartz-van Elst differenziert betrachten. Austritte gab es im Landkreis bislang nicht, doch die ausufernden Kosten haben auch in Schaumburg eine
Diskussion in Gang gesetzt.

Ein „unerquicklicher Vorgang“ ist das Geschehen um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für Stephan Uchtmann, Pfarrer an der katholischen St.-Joseph-Gemeinde in Stadthagen. Das Verhalten des Limburger Bischofs und der daraus resultierende innerkirchliche Konflikt „stellt die katholische Kirche in kein gutes Licht“. Insgesamt sei „Schaden für die katholische Kirche zu befürchten“, meint Uchtmann, der auch Vize-Dechant des Dekanats Weserbergland ist.

Aus seiner Sicht sei das Verhalten des Limburger Bischofs differenziert zu betrachten, bemerkt Uchtmann: „Er hat sich ja kein Schloss für sich selbst bauen wollen, sondern es geht um ein Diözesan-Zentrum.“ Dass  aber „Kosten so aus dem Ruder laufen können, das ist nicht nachvollziehbar“. Tragisch seien die Vorgänge um das 31-Millionen-Projekt nach Einschätzung von Uchtmann auch deswegen, „weil Papst Franziskus ganz im Gegenteil einen auf Armut ausgerichteten Stil predigt und vorlebt“.
Vor Ort in Stadthagen sind nach Angaben des Pfarrers freilich bislang noch keine Austritte zu verzeichnen. Das sei anders als nach den Missbrauchsfällen vor etwa eineinhalb Jahren, „damals hatte es hier durchaus einige Austritte gegeben“.

„Viele Gemeindemitglieder lassen ihrem Ärger freien Lauf“, hat Johannes Tuschoff-Cicigoi beobachtet, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Joseph in Stadthagen: „Sie regen sich sehr darüber auf, dass es solche Dinge gibt.“ Zu Austritten führe das aber nicht, „diese sind seit einiger Zeit sowieso auf einem Minimum“. Der Ortsgemeinde werde vertraut, auch dem Bistum Hildesheim, „das in Sachen Finanz-Tranzparenz nachweislich ein Musterschüler ist“. Das Vertrauen in die eigene Gemeinde, in der autoritäre Strukturen überwunden sind, sei für die Mitglieder „weit wichtiger als das, was katholische Großkopferte anderswo tun“.

Trotzdem schwant Tuschoff-Cicigoi auf längere Sicht Ungemach: „Ich befürchte, dass es, wie nach der Missbrauchsdebatte, zu einem allgemeinen Vertrauensverlust gegenüber der katholischen Kirche kommt, der langfristig auch hier an der kirchlichen Basis ankommt.“ Er rechne mit einen „schleichenden Prozess“.

Persönlich ist Tuschoff-Cicigoi auf den Limburger Bischof gar nicht gut zu sprechen. „Schon vor den jetzigen Vorgängen hat mir sein merkwürdig autoritäres Gebaren überhaupt nicht gefallen.“

Kräftige Worte wählt Rudolf Krewer, der viele Jahre Vorsitzender des Gemeindekirchenrates in St. Joseph war. „Das ist eine Katastrophe“, stöhnt er: „Was zunächst nur ein lokaler Streit zu sein schien, wirkt sich nun wie ein Tsunami auf die ganze katholische Kirche aus, das ist ein immenser Schaden.“
Krewer hat nach eigenen Angaben bereits persönliche Erfahrungen mit Tebartz-van Elst gemacht. Drei Briefe habe er in den vergangenen drei Jahren als Mitglied des Diözesan-Rates im Bistum Hildesheim an Tebartz-van Elst geschrieben, „durchaus kritischen Inhalts, was dessen Führungsstil betrifft“. Keine Antwort habe er erhalten, „noch nicht mal eine Empfangsbestätigung“. Das erachte er als „ein Beispiel für den großen Mangel an Kommunikationsfähigkeit“ des Limburger Bischofs.

Was Krewer überhaupt nicht verstehen kann: „Wie kann man jemanden, der für dieses Amt offensichtlich nicht geeignet ist, zum Bischof machen? Die das getan haben, die mache ich mit verantwortlich für das, was jetzt geschieht.“

Geißler: Limburgs Bischof soll nach Afrika

Es mag zwischen dem Papst und dem umstrittenen Limburger Bischof klärende Worte gegeben haben. Doch die Zukunft von Franz-Peter Tebartz-van Elst bleibt ungewiss. Erste Vorschläge für neue Jobs gibt es bereits.

Nach den heftigen Vorwürfen um Verschwendung und Verschleierung im Bistum Limburg hat der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler eine Versetzung von Bischof Tebartz-van Elst nach Afrika ins Gespräch gebracht. „Möglicherweise kann man dem Bischof empfehlen, dass er vielleicht mal ein Bistum in Afrika übernimmt“, sagte Geißler – ein engagierte Katholik – am Dienstag in der ARD. Dieser könne dort versuchen, seine Glaubwürdigkeit wieder zurückzubekommen. „Er ist und bleibt ja Bischof“, sagte Geißler, der ein erfahrener Schlichter ist. „Deswegen glaube ich, wird er im Bistum nicht mehr akzeptiert werden.“

Auch zwei Tage nach einem mit Spannung erwarteten Treffen mit Papst Franziskus ist unklar, ob Tebartz-van Elst im Amt bleiben wird. Weder aus Rom noch aus Limburg drangen am Dienstag Details über die möglichen nächsten Schritte. Nach gut einer Woche Wartezeit hatte der Papst den Limburger Oberhirten am Montag zu einer kurzen Audienz empfangen. Über das Gespräch wurden zunächst keine Einzelheiten bekannt.

Ein Sprecher der Diözese konnte zunächst keine Angaben zum aktuellen Aufenthaltsort des Bischofs machen. Er teilte auch nicht mit, wann – und ob – Tebartz-van Elst nach Limburg zurückkommt. Medienberichte, wonach er für Dienstag einen Rückflug nach Deutschland gebucht haben soll, wurden von dem Sprecher weder bestätigt noch dementiert.

Der katholische Oberhirte kommt seit Wochen wegen seiner umstrittenen Amtsführung und der mindestens 31 Millionen Euro teuren Bischofsresidenz nicht aus den Schlagzeilen. Der Vorgang stürzte die katholische Kirche in Deutschland in eine neue Krise. Im Internet erntete Tebartz-van Elst viel Kritik und Spott. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist seit knapp zwei Wochen ein „Bischof“ mit dem Nutzernamen @tebartz_vanelst unterwegs, der allerlei Lustiges aus seinem vermeintlichen Bischofsleben preisgibt. „Erst mal in die Badewanne“, schreibt der falsche „Bischof“ da. „Keine Angst, ich tauche wieder auf“ – eine Anspielung auf die hohen Kosten für die Privatwohnung des echten Limburger Bischofs. In einer der neuesten Kurznachrichten sucht er angeblich eine neue Wohnung, „möglichst weit weg von Limburg. Ruhig, gern christl. Nachbarschaft“.

„Tebartz-van Elst wird neuer Chef des BER“, twittert unterdessen das Onlinemagazin „Politecho“, und SN-Leserin Ruth Harmening stößt bei Facebook ins gleiche Horn: „Berlin hat seinen Flughafen, Hamburg hat die Elbphilharmonie und die kath.Kirche hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ;-).“ Aber auch Kritik an der Berichterstattung selbst wird vereinzelt laut – andere Themen seien bedeutend wichtiger, so der Tenor.

Medienberichten zufolge sorgt die lange Abwesenheit des Bischofs in Limburg für Probleme im Bistums-Alltag, da zum Beispiel wichtige Unterschriften fehlen. Der Sprecher der Diözese erklärte dazu: „Es greifen jetzt wie sonst auch die Regularien, wenn sich der Bischof nicht im Bistum aufhält.“ dpa, aw

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