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Erlaubt ist, was schmeckt

Thema des Tages: Ernährung für Babys Erlaubt ist, was schmeckt

Kuhmilch ist tabu, Erdbeeren und Tomaten können Allergien auslösen, glutenhaltiges Getreide ist schlecht für die Verdauung? Viele starre Regeln und Grundsätze für die Ernährung von Babys im ersten Lebensjahr sind längst überholt. Hebammen und Kinderärzte empfehlen: Es darf alles auf den Löffel, was schmeckt.

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Gesung groß und stark werden: Strenge Regeln bei der Beikosteinführung sind längst überholt, erlaubt ist, was schmeckt.

Quelle: kcg

Von Katharina Grimpe

Satt, gesund und glücklich – so wünschen sich Eltern ihre Babys. Sind die Kinder noch ganz jung, ist die Sache mit der gesunden Ernährung noch leicht: Muttermilch oder Säuglingsnahrung sorgen für einen optimalen Start ins Leben. Irgendwann reichen Still- oder Flaschenmahlzeiten jedoch nicht mehr aus, um den Babyhunger zu stillen. Was dürfen Babys essen? Und wie geht man bei der sogenannten Beikosteinführung vor? Strenge Regeln vor allem zur Allergieprävention, nach denen Eltern ihre Kinder noch vor wenigen Jahren an feste Nahrung gewöhnen sollten, sind mittlerweile überholt. Straffe Zeitpläne und fade Breirezepte waren gestern.

Was die Ernährung von Kindern im Beikostalter angeht, gibt es keine strengen Vorgaben mehr, erklärt Simone Könemann. Die Hebamme arbeitet auf der Entbindungsstation des Bückeburger Krankenhauses Bethel und berät Familien bei der Einführung der Beikost. Dabei orientiert sich die als „babyfreundlich“ ausgezeichnete Klinik an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

„Kinder im Beikostalter dürfen alles essen, solange es nicht zu stark gewürzt ist“, betont die Hebamme. Tabus bei der schrittweisen Einführung von Nahrungsmitteln gebe es nicht mehr, Eltern müssten nicht befürchten, dass bestimmte Lebensmittel frühzeitige Allergien auslösen können. Viel mehr laute die Devise: Je früher sich Kinder vielfältig ernähren, desto geringer das Allergierisiko und desto größer die spätere Akzeptanz von neuen, bis dahin unbekannten Lebensmitteln. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weist darauf hin, dass Lebensmittel, die im Ruf stehen, Allergien auszulösen, nicht gemieden werden sollten. Vielmehr gebe es Hinweise, dass sich dies sogar nachteilig auf eine Toleranzentwicklung auswirken kann.

Damit Eltern das Thema Beikost sorgenfrei und spielerisch angehen können, sollten allerdings zwei Voraussetzungen beachtet werden: Zum einen nicht zu früh mit dem Zufüttern zu beginnen und zum anderen parallel zur Beikost weiter zu stillen. Als optimaler Schutz vor Allergien sollte die ersten sechs Lebensmonate lang ausschließlich Muttermilch auf dem Speiseplan stehen, erklärt Könemann. Wird auch zusätzlich zu den Breimahlzeiten gestillt, können die Babys die unterschiedlichen Lebensmittel besser vertragen. Dazu rät die WHO: „Die Einführung von Beikost sollte unter dem Schutz der Muttermilch-Ernährung stattfinden und nicht der Beginn des Abstillens sein.“ Flaschenkinder können schon nach dem vierten Lebensmonat zum ersten Mal Brei löffeln, aber auch dann gilt: „Die Kinder sollten weiterhin begleitend Pre-Nahrung bekommen“, empfiehlt Kinderkrankenschwester Simone Möller.

Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch und Fisch: Auf den Löffel darf, was schmeckt und was das Kind gut verträgt. Auch Kuhmilch im Getreidebrei ist erlaubt, als Getränk sollte Milch jedoch erst nach dem ersten Lebensjahr gegeben werden. Fleisch sollte etwa dreimal wöchentlich als Breizutat gefüttert werden, damit die Kinder ausreichend mit Eisen versorgt werden. Tabu sind in den ersten zwölf Monaten lediglich rohe Produkte wie ungekochtes Fleisch, Rohmilchkäse oder Honig. In ihnen könnten gefährliche Keime stecken, die die Kinder krank machen. Auch auf zu viel Salz und Zucker sollte verzichtet werden.

Wann genau der richtige Zeitpunkt für den ersten Löffel Brei gekommen ist, merken Eltern meist ganz leicht: Die Babyaugen verfolgen jeden Bissen seiner Eltern ganz genau, das Interesse für das Essen der „Großen“ ist nicht mehr zu übersehen. Wichtige Voraussetzung ist außerdem, dass das Kind gestützt aufrecht sitzen und die Hand zum Mund führen kann.

Dann kann sich das Baby Löffel für Löffel die Welt der Geschmacksrichtungen erobern. „Essen-Lernen“ braucht Zeit, Eltern sollten ihre Kinder auf keinen Fall abfüttern, sondern das Kind selbst entscheiden lassen, wie viel es essen möchte, sagt Möller.

Besonders schön für Kinder ist es nach Ansicht Könemanns und Möllers, gemeinsam mit Eltern und Geschwistern am Familientisch zu sitzen. Dabei dürften die Kleinsten auch ruhig mit den Lebensmitteln experimentieren. „Essen ist ein kommunikatives und sinnliches Erlebnis, es gehört dazu, im Brei zu matschen“, meint Möller. Das Essen mit den Händen schule zudem die Motorik und die Hand-Augen-Koordination.

Und es muss nicht bei Brei bleiben. Durch kleine Häppchen und sogenanntes Fingerfood würden Kinder lernen, auch mit festerer Nahrung umzugehen. Statt das Gemüse zu pürieren, könne es weich gekocht und in mundgerechten Stücken angeboten werden, auch Brot oder Zwieback eignen sich gut für die ersten Kauversuche. Denn obwohl die meisten Babys im Beikostalter nur wenige oder keine Zähne haben, sind sie sehr wohl in der Lage, kleine Stücke mit ihrem Ober- und Unterkiefer zu zerdrücken oder mit ihrem Speichel aufzuweichen. Auch bei Fingerfood gilt: Eltern sollten ihren Kindern ermöglichen, spielerisch Erfahrungen mit den unterschiedlichen Texturen und Geschmäckern zu machen.

Werden mehrere Mahlzeiten pro Tag durch Beikost ersetzt, wächst der Durst. „Tee aus Beuteln oder abgekochtes Leitungswasser sind optimale Getränke“, erklärt Hebamme Simone Könemann. Instant-Tee sei weniger zu empfehlen, im Granulat stecke meist zu viel Zucker. Auch bei Säften ist Vorsicht geboten. Wegen ihres Zuckergehaltes sollten sie nur verdünnt und nicht ausschließlich angeboten werden.

Es gibt viele Wege, sein Baby gesund an feste Nahrung heranzuführen, machen Könemann und Möller klar. Sollten dabei Unsicherheiten auftauchen, haben Eltern immer die Möglichkeit, ihre Nachsorge-Hebamme anzusprechen und um Rat zu fragen.

Essen mit den Fingern

Baby-Led Weaning (BLW) bezeichnet direkt übersetzt die vom Baby selbst gesteuerte Entwöhnung von der Brust. Bei der spielerischen Alternative zur Beikosteinführung wird ganz auf Brei verzichtet – stattdessen gibt es unpüriertes, weichgekochtes Essen in Häppchen, die das Baby mit seinen kleinen Händen gut halten und zum Mund führen kann. Publiziert wurde die Methode von der britischen Kinderkrankenschwester Gill Rapley. BLW basiert auf der Beobachtung, dass Babys mit sechs Monaten in der Regel von sich aus Interesse am Essen zeigen und dieses entdecken wollen. Wie beim Stillen, bei dem Babys die Nahrungsaufnahme selbst regulieren können, bestimmen die Kinder selbst, wieviel sie essen möchten und in welcher Geschwindigkeit. Wichtig ist, dass das Kind die Häppchen selbst in den Mund nimmt und nicht gefüttert wird, anschließend gibt es weiterhin nach Bedarf Muttermilch. Voraussetzung für BLW ist, dass das Kind aufrecht sitzen kann – entweder auf dem Schoß oder im Hochstuhl.  

Was sollte man besser vermeiden?

>> Kleine, harte Lebensmittel wie Nüsse sowie glatte, runde Produkte wie Johannisbeeren. Sie können beim Verschlucken in die Luftröhre gelangen.

>> Stark gesalzene und stark gewürzte Speisen.

>> Rohes Getreide, da es schwer verdaulich ist und unerwünschte Keime enthalten kann.

>> Rohe, ungegarte Produkte und reiner Bienenhonig. Auf sie sollte im ersten Lebensjahr verzichtet werden, da sie unter Umständen Bakterien enthalten, die dem Baby schaden können.

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