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„Es wird wohl etwas teurer“

Thema des Tages / Autoreparatur „Es wird wohl etwas teurer“

„Tut uns leid.“ So eine Rückmeldung aus der Autowerkstatt bedeutet meistens, dass die Reparaturrechnung für das heiß geliebte Auto gleich erheblich höher ausfällt. Heißt es dann zur Begründung, während der Arbeit sei ein unvermeidbarer neuer Schaden am Auto entstanden, mag sich der Kunde fragen, ob wirklich er die Rechnung übernehmen muss. „Was kann ich dafür, wenn bei Ihnen etwas schief geht?“

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Landkreis.. Tatsächlich gibt es allerlei Situationen, in denen die Werkstatt die Verantwortung dafür trägt, wenn während der Reparatur ein Malheuer passiert. Manchmal übernimmt die Betriebshaftpflichtversicherung den Schaden, etwa wenn ein zunächst wieder funktionierender Motor während einer Probefahrt unrettbar den Geist aufgibt, oder aber der Betrieb muss zahlen, sollte einem Mitarbeiter ein grober Fehler unterlaufen: Eine eigene Haftpflichtversicherung für den Fall, dass nachlässigerweise Autoteile beschädigt oder zerstört werden, die schließen die wenigstens Werkstätten ab. „Das wäre unbezahlbar“, meint Michael Rennen vom Hamelner Kfz-Betrieb „Die Werkstatt“. Wirklich absichern könne man sich kaum.
 Was ich nun höre, als es um die TÜV-Vorbereitung meines alten Audis, einem A 4, geht, scheint mir so gar nicht in Ordnung zu sein. Erst erhalte ich die frohe Botschaft, dass weniger als 200 Euro reichen würden, um das Prüfsiegel zu erhalten, und dann kommt der ärgerliche Anruf, ich müsse leider mindestens 500 Euro drauflegen, weil eine festgefressene Schraube in der Querlenkung abgerissen sei. „Da war nichts zu machen“, erklärt mir der Meister eines Rintelner Autohauses, ein von mir durchaus geschätzter Mann, dem ich den Wagen schon mehrmals anvertraut hatte. „Der A4 hat nun mal diese Macke mit den Querlenkerschrauben.“ Er habe das von Audi entwickelte Spezialwerkzeug eingesetzt, doch trotzdem sei es nun mal schlecht gelaufen.

Ich erbitte mir Bedenkzeit. Es erscheint mir so ungerecht zu sein, dass ich zahlen soll, weil jemand eine Schraube mit Gewalt zu lösen versuchte. Ist das denn nicht eine Art Kunstfehler, von der Werkstatt verantwortet und daher ihre Sache? Freunde, die ich befrage, erzählen allerlei Anekdoten rund um böse Rechnungs-Überraschungen aus ihren Autowerkstätten, aber guten Rat hat trotzdem keiner. Dafür aber ergibt eine Suche im Internet, dass sich unzählige Seiten von Autoforen auflisten, wenn man die Stichworte: „Audi - Schraube - abgerissen“ eingibt. Offensichtlich kennen speziell Audibesitzer das Problem mit der verdammten Schraube und ihrer Neigung, sich einer Loslösung zu verweigern.
„Kommunikation
ist alles“
Während die einen Internetnutzer einfach nur fluchen oder schreiben: „Pech gehabt, muss man halt das ganze Radlagergehäuse austauschen“, brüsten andere sich damit, wie man die horizontale Schraube eben doch herausbekommt, sei es mit einer geduldigen Schmierölbehandlung, durch vorsichtige Erwärmung des Gewindes oder mit sanften Hammerschlägen. Die Einzelheiten verstehe ich nicht recht, wohl aber, dass man in einer Kfz-Werkstatt offensichtlich von diesem Schraubenproblem wissen und entsprechend umsichtig vorgehen muss.

Hätte mich der Meister nicht wenigstens vorab fragen müssen, ob ich die Risiko-Reparatur überhaupt durchführen lassen will? Immerhin hatte ich mit dem Gedanken gespielt, den Wagen, den ich nur selten brauche, bei eventuell zu hohen Werkstattkosten zu verkaufen.

„Zwischen Werkstatt und Kunde ist Kommunikation alles“, sagt dazu Kfz-Meister Michael Rennen. „Ohne Vertrauen in beide Richtungen kommt man nicht weit.“ Nicht nur der Kunde müsse zu seiner Werkstatt ein Verhältnis haben, dass ein bisschen demjenigen zwischen Patient und Arzt ähnele, auch er als Werkstattinhaber nehme durchaus wahr, wenn, selten mal, ein Kunde darauf aus ist, sich vor der angemessenen Bezahlung einer Rechnung zu drücken. „Denen geht man lieber aus dem Weg.“

So ein Kunde will ich nun gewiss nicht sein. Andererseits schmerzen mich die zusätzlichen 500 Euro. So befrage ich den Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell, immerhin Fachanwalt für Versicherungsrecht, zur Sache: Kennt er ähnliche Streitfälle rund um die Autoreparatur? „Kaum“, sagt er. Aktuell Zeit fällt ihm nur ein Fall ein, wo eine Werkstatt ihren Kunden auf ein hohes Risiko hinwies, das Okay für die Durchführung der Reparatur bekam, die nicht gelang, und schließlich damit konfrontiert wurde, dass der Kunde nicht zahlen wollte. „Wie meistens in Kfz-Werkstätten hatten die beiden Parteien alles nur mündlich besprochen und nun stand quasi Aussage gegen Aussage“, sagt der Anwalt. „Wer sichergehen will, sollte sich solche Abmachungen, einen Haftungsausschluss etwa, schriftlich bestätigen lassen.“
„Fehler ehrlich
eingestehen“
In meinem Fall kommt er zu dem vorsichtigen Schluss, dass ich über das Risiko beim Versuch, die riskante Schraube zu lösen, vorher hätte informiert werden müssen, und nicht erst dann von der Werkstatt hätte hören sollen, als es nur noch darum ging, ob das teure Ersatzteil gekauft oder alternativ der nicht mehr fahrfähige Audi wie auch immer vom Werkstattgelände zu entfernen sei. Wenn ich meinen Wagen wiederhaben wolle, sollte ich die Rechnung nur unter Vorbehalt bezahlen, um dann eventuell nachträglich einen Anteil erstattet zu bekommen. „Aber bedenken Sie: Das Auto ist nun wieder in Ordnung. Einen Gutachter zu bestellen kostet auch Geld, und ein Rechtsstreit um solche Dinge wäre in jedem Fall unerquicklich.“

Andreas Nordmann, der im Hamelner Ortsteil Rohrsen eine Werkstatt führt, die sich auf Oldtimer spezialisiert hat, er lacht, als ich ihn frage, wie er es mit seinen Kunden hält, die bei ihren Liebhaberstücken bestimmt besonders empfindlich sind. Zumal Oldtimerreparaturen ja sicher auch oft nicht so umstandslos verlaufen wie gewünscht.

„Wir reden über alles“, sagt er. „Im Grunde gibt es keine Schwierigkeiten.“ Seine Kunden ließen ihre Wagen sowieso nicht leicht aus den Augen und würden immer in alle einzelnen Schritte einbezogen. „Allerdings: Es gibt Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Das muss man dann glaubhaft vermitteln oder auch ehrlich Fehler eingestehen. Ich habe ja auch nichts davon, wenn sich ein schlechter Ruf herumsprechen würde.“

So viele Informationen, und ich weiß trotzdem nicht, was ich tun werde, wenn ich meinen inzwischen fertig reparierten Audi wieder entgegennehme (daran, ihn fahrbereit machen zu lassen, führte ja kein Weg vorbei). Zu Fuß unterwegs in die Werkstatt führe ich Selbstgespräche und probe verschiedene Versionen der anstehenden Kommunikation. „Hören Sie, ich zahle nicht!“ Oder: „Sie wussten doch, dass die Schraube gefährlich ist, warum haben Sie sich nicht viel mehr Zeit mit ihr gelassen?“ Oder: „Na gut, ich nehme den Wagen mit, aber mich als Kunde sind Sie los!“ Schließlich, durchaus mit klopfendem Herzen, stehe ich vorm Meister, der mir schon entgegengekommen ist. „Ähm, also, ich finde, wir sollten hier einen...“ Er fällt mir gleich ins Wort: „Ja, einen Kompromiss eingehen, ich habe mir schon was überlegt.“

Er werde mir nur die Ersatzteile berechnen, nicht aber die vielen Stunden Arbeitszeit, die nötig waren, um die Teile auszutauschen. „Die Schraube war mit dem umliegenden Stahl wie verschmolzen“, erklärt er. „Kommen Sie, ich zeige es Ihnen.“ Er führt mich in die Werkstatt zu seinem Kollegen, der mir die abgerissene Schraube zeigt und das schwere Lenkungsteil, in dem der Rest der Schraube steckt. „Von außen, gucken Sie, konnte man nicht ahnen, dass die Schraube festgebissen war. Wir wollten sie dann rausschlagen, aber das klappt von der Konstruktion her einfach nicht, ohne etwas zu zerstören.“

Das klingt einleuchtend, und außerdem, das wird mir klar: Ich hätte ja doch zugestimmt, wäre ich vorher gefragt worden, und dann wäre insgesamt genau dasselbe passiert. Also wird die Kreditkarte gezückt – Autos bekommt man nur gegen Sofortzahlung ausgehändigt – wir geben uns versöhnlich die Hand, und als ich vor meinem alten Audi stehe, da fällt mir auf, wie er glänzt und strahlt. Man hat ihn durch die Waschanlage geschickt, vielleicht, um mich zu trösten. Und auf jeden Fall, ohne es auf die Rechnung zu setzen.

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