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19:17 22.07.2014
Schüler der Klassen 5 b, 6 b und 7 b der IGS Schaumburg. Quelle: pr.

Alle reden von Inklusion, aber was heißt das eigentlich? Dieser Frage sind die Schüler der Klassen 5 b, 6 b und 7 b der IGS Schaumburg in Stadthagen während eines Schulprojektes auf den Grund gegangen. Hintergrund: Seit Anfang des nun zu Ende gehenden Schuljahres arbeitet auch die IGS inklusiv. Elf Kinder mit körperlichen und emotional-sozialen Handicaps lernen im 5. Jahrgang gemeinsam mit nicht-behinderten Schülern.
Mit dem altersübergreifenden Projekt „Leben mit Behinderungen – Diakonie“ für die Jahrgänge fünf bis sieben sollten möglichst viele Schüler für das Thema Inklusion sensibilisiert werden. Ziel war, dass sich die Schüler mit dem Leben von Behinderten konkret auseinandersetzen. Sie sollten herausfinden, wie Inklusion in Stadthagen umgesetzt wird, haben dazu Kontakte mit unterschiedlichen Einrichtungen geknüpft und sich vor Ort informiert. In Erfahrungsberichten verarbeiteten sie anschließend ihre Erlebnisse und Informationen.
Aber was heißt das konkret? Die Gruppe aus der 5 b, 6 b und 7 b unter der Leitung von Lehrerin Roswitha Blume – darunter ein Junge im Rollstuhl und Kinder mit Unterstützungsbedarf im Bereich emotional-soziale Entwicklung – hat unter anderem untersucht, wie Inklusion in Stadthagen gelebt wird. Dafür haben sie zum Beispiel den Kindergarten Jägerhof, die Schule am Bürgerwald, die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg Weserbergland (PLSW) und das Seniorenheim Rosenhof besucht und Kontakt zu den Menschen mit Handicap aufgenommen. Bei zahlreichen Unternehmen und Geschäften in der Kreisstadt haben sie außerdem nachgefragt, wie sich diese in Sachen Barrierefreiheit auf Menschen mit Behinderungen eingestellt haben.
Das Fazit der Kinder: „Jeder Mensch mit Behinderungen hat das Recht, mit anderen Menschen zusammen zu lernen. Keine Schule darf sagen, dass ein Kind wegen einer Behinderung nicht dort lernen darf.“  kcg

Alt und Jung profitieren voneinander

Es hat mir einfach Spaß gemacht und mich weitergebracht.“ Mit diesen Worten beschreibt Nico Goldscheck seine Motivation, sich nun mehr als ein Jahr lang in seiner Freizeit um die Bewohner des Kreisaltenzentrums in Stadthagen zu kümmern.
Der 16-Jährige ist im neunten Jahrgang der Schule am Schlosspark in Stadthagen. Auf die Idee, regelmäßig alte Menschen im Seniorenheim zu besuchen, ist der Jugendliche im Unterricht gekommen. Die Schüler haben darüber gesprochen, dass die Senioren oft einsam sind und sich über etwas Unterhaltung von jüngeren Menschen freuen würden. Im Oktober 2012 hat sich Nico nach Auskunft seines Lehrers Dirk Bornemann erstmals im Kreisaltenzentrum vorgestellt und ist dem Pflegeheim bis heute verbunden geblieben.
Nico hilft den Heimmitarbeitern in der Nachmittagsbetreuung und hat dabei vor allem mit einem Bewohner Freundschaft geschlossen. Während seiner wöchentlichen Besuche spielte er mit ihm Brettspiele, begleitete ihn auf Spaziergängen und hatte immer ein offenes Ohr für Berichte über die alten Zeiten. „Wir haben uns viel unterhalten, ich habe von mir erzählt und die Senioren von sich.“ Dabei habe er viel von den Ratschlägen zu seiner schulischen und beruflichen Zukunft profitiert. „Zum Beispiel, dass ich das machen soll, was ich wirklich will, und nicht das, was mir vorgeschrieben wird“, erklärt Nico.
Nico engagiert sich aber nicht nur in seiner Freizeit ehrenamtlich, auch im Schulalltag zeige er sein soziales Engagement, berichtet sein Lehrer. Er ist in der Fußball-Schulmannschaft aktiv und versucht dort die Lehrkraft zu unterstützen. „Nico stellt sich in den Dienst der Gesellschaft und verfolgt dabei keine eigenen materiellen Vorteile“, erklärt Bornemann. Sein Einsatz sei vorbildlich.

Nico selbst hofft, nach den Ferien – als Schüler der Abschlussklasse – neben den schulischen Belastungen noch Zeit für die alten Menschen zu finden. kcg

Fair gehandelt

Sie sind gegen Ausbeutung – sowohl von Menschen als auch der Umwelt. Sie wollen, dass Arbeiter in der Textilindustrie fair bezahlt werden und dass das Ökosystem nicht unter dem Anbau von Baumwolle leidet.
Sie, das sind Amani, Celina, Niclas und Yannik. Die vier Fünft- und Sechstklässler des Wilhelm-Busch-Gymnasiums in Stadthagen (WBG) engagieren sich seit Beginn des Schuljahres in der neu gegründeten Umwelt-AG. Und zwar freiwillig nach ihrem Unterricht. Betreut werden sie dabei von ihrer Lehrerin Beate Antonczyk.
Das Projekt der Kinder im Alter zwischen zehn bis zwölf Jahren ist vor allem der Schul-Shop, den sie als Umweltladen etablieren wollen. Im Angebot haben sie aktuell eine Kollektion an T-Shirts, Poloshirts und Kapuzenpullis, alle mit dem WBG-Logo bedruckt. Das Besondere: Die Kleidung ist fair produziert und fair gehandelt und besteht zum größten Teil aus Bio-Baumwolle. Verkauft wird derzeit zweimal in der Woche in einem Klassenraum, nach den Ferien wollen die Schüler ihren Laden im ehemaligen Hausmeister-Kiosk in der Aula wiedereröffnen und das Angebot erweitern. Dann soll es dort auch ökologische und fair gehandelte Büromaterialien wie Hefte und Stifte geben. Werden diese nämlich direkt in der Schule verkauft, müssten die Schüler, die auf dem Land wohnen, keine weiten Wege zum nächsten Fachgeschäft auf sich nehmen. Was wiederum gut für die Umwelt ist, erklären die vier Kinder.
„Mit den Bioprodukten müssen wir als Verkäufer kein schlechtes Gewissen haben, weil diejenigen, die die Waren produziert haben, keine unterbezahlten Kinder sind“, sagt Amani stolz. Und Yannik findet gut, dass „wir nicht mehr Geld für die Sachen verlangen, als wir für sie ausgegeben haben“.
Zusätzlich zum Umweltladen kümmern sich die Kinder um zwei Blumenbeete auf dem Schulhof und beschäftigen sich mit Umwelt-Themen wie Stifterecycling oder Umweltgütesiegel. kcg

Bühnenreife Partnerschaft

Fast zehn Jahre währt es bereits und ist mittlerweile zu einem Dauerbrenner geworden – das gemeinsame Theaterprojekt des Ratsgymnasiums Stadthagen (RGS) mit der polnischen Partnerschule, dem Lyceum in Slupca. In diesem Zeitraum haben sich zahlreiche Schüler für Völkerverständigung und kulturelle Vielfalt engagiert. Die gemeinsame Lust am Theater wurde als Vehikel zum Austausch und zur Annäherung der Jugendlichen genutzt.
Gestartet ist das Projekt als Aktion des Schauspielhauses Hannover, das in den Folgejahren in Eigenregie von RGS und Lyceum fortgeführt wurde. Niedersachsenweit dürfte es sich bei dieser Kooperation um ein Unicum handeln, schreibt Koordinator Andreas Kraus. „Es resultiert im Wesentlichen aus der Tatsache, dass es auf bestehende, langfristige Kontakte und Kooperationen mit dem Lyceum in Slupca zurückgreifen kann, dass am Ratsgymnasium eine engagierte Theaterarbeit betrieben wird, die quasi nebenbei noch in der Lage ist, derartige bilaterale Projekte zu betreiben, und dass es in Gestalt der Bürgerstiftung Schaumburg und der Schaumburger Landschaft Finanzierungsmöglichkeiten gibt.“
Mehr als fünf Theaterstücke haben die Schüler unterschiedlicher Jahrgänge gemeinsam erarbeitet – geprobt wurde dabei zunächst jeweils in Polen und Deutschland, bei gegenseitigen Besuchen und gemeinsamer intensiver Probenarbeit konnten die jungen Darsteller ihre Komödien und Szenencollagen dann in Slupca und in Stadthagen aufführen.
In ihren Stücken setzten sich die Jungen und Mädchen mit ihrem Begriff von Heimat auseinander, mit Liebe, Freundschaft und Familie, mit Vorurteilen und Poesie. Einen Höhepunkt erlebte das Projekt 2011 und 2012. Die Schüler beeindruckten mit ihrer Interpretation von „Der Prozess von Shamgorod“, ein Drama über den Holocaust, das sie unter anderem vor großem Medienaufgebot in der Gedenkstätte Bergen-Belsen aufführten. kcg