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Thema des Tages In Rom traf er Campino
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00:16 11.09.2013
Glücklich mit Felix: Sebastian Edathy ist auf den Hund gekommen. Quelle: fwi

Wenn Sebastian Edathy im Land unterwegs ist, auf Parteiveranstaltungen, im Wahlkreisbüro oder am Info-Stand, dann reist er eigentlich nie allein. Felix ist immer mit dabei, wenn es geht, und er hat bei Facebook schon eine richtige Fangemeinde. Jetzt, zum Interview bei Edathy zu Hause in Rehburg, liegt er in seinem Körbchen und schläft. Nur zum Fototermin kommt er kurz nach draußen. Ein echter Langschläfer.

 Felix, ein Jagdhundmischling, ist eine „Urlaubsbekanntschaft“, sagt Edathy. Früher hieß er mal Oskar, aber der Name scheint in der SPD nicht mehr sehr beliebt zu sein. 2008 lernte Edathy Felix in Südfrankreich kennen, als er zu Besuch bei seiner früheren Arbeitgeberin war, der damaligen Landtagsabgeordneten Bärbel Tewes. „Wir haben uns gut verstanden“, erinnert sich Edathy, drei Wochen später fuhr er wieder hin, um Felix zu sich zu holen. „Seitdem ist er Niedersachse“, sagt Edathy und fügt hinzu: „Ein sehr angenehmer Zeitgenosse.“

 Seit zehn Jahren lebt Sebastian Edathy nun schon in Rehburg. Vorher war er in Marklohe zu Hause, „aber da habe ich festgestellt, dass ich ziemlich an der Peripherie lebe“. Rehburg dagegen sei ein zentraler Ort, von dem aus er alle Fahrziele im Wahlkreis in kürzester Zeit erreichen kann und bei den Terminen mehr Zeit hat. Edathy fährt selbst.

 Leben zwischen Berlin und Wahlkreis

 „Mein Arbeitsleben teilt sich ungefähr hälftig auf“, sagt der 44-Jährige. Will heißen: die Hälfte der Zeit ist er als Bundestagsabgeordneter in Berlin, die andere Hälfte verbringt er zu Hause in Rehburg, in seinem „Basislager“, wie er es nennt. Aufgewachsen ist Edathy in Hannover als Sohn einer Deutschen und eines aus Indien stammenden evangelischen Pastors. „Als er Mitte 50 und ich 14 war, hatte er die Idee, dass er die letzten Amtsjahre in einer ländlichen Gemeinde tätig sein wollte.“ So zog die Familie nach Steyerberg. 1989 machte Edathy am Gymnasium Stolzenau sein Abitur, absolvierte den Zivildienst in Bad Rehburg und studierte anschließend Soziologie und deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Hannover. In dieser Zeit begann er auch, für die Jusos in Nienburg zu arbeiten und jobbte nebenher beim Nienburger „Wochenblatt“.

 1990 trat Edathy in die SPD ein und wurde studentischer Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten Bärbel Tewes. Er organisierte für sie die Pressearbeit und die Termine. 1993 kündigte Tewes an, im kommenden Jahr nicht mehr für den Landtag zu kandidieren. Ihren Mitarbeiter Edathy empfahl sie dem Bundestagsabgeordneten Ernst Kastning, der in Schaumburg quasi Edathys Vorgänger war, zudem von 1968 bis 1983 Mitglied des Kreistages und 1978/79 sogar stellvertretender Landrat.

 Edathy wurde 1993 sein persönlicher Referent und Büroleiter, und er blieb es bis 1998, als Kastning ausschied. Und danach? „Zu meiner großen Überraschung bin ich dann gefragt worden, vor 16 Jahren“, erinnert sich Edathy an seine erste eigene Kandidatur für einen Wahlkreis, den SPD-Direktkandidaten seit 1949 nur zweimal verloren hatten – 1983 und 1990 an Helmut Rode (CDU).

 Seit 1998 vertritt Edathy nun den Wahlkreis Nienburg II - Schaumburg in Berlin. „Und ich mache es nach wie vor gerne“, fügt er hinzu. „Das sieht man auch ein bisschen der Wohnung an, fürchte ich.“

 Viel Zeit hat Edathy zu Hause nicht, sein Kalender ist voll mit Terminen, gerade jetzt, während des Wahlkampfes. Parteiveranstaltungen, Jubiläumsfeiern und Info-Stände gilt es zu besuchen. Dort steht er den Wählern direkt Rede und Antwort, zu sozialen Fragen, Sicherheit im Arbeitsleben und zahlreichen weiteren Themen. „Routine ist das nicht“, sagt der 44-Jährige, auch im inzwischen fünften Wahlkampf nicht.

 Auch in der Kinder- und Jugendarbeit in Stolzenau engagiert sich der 44-Jährige, bei Verdi und in der Arbeiterwohlfahrt – mehr aber bewusst nicht. Er wolle keine Mitgliedschaften sammeln, erklärt Edathy, wie das andere Politiker tun. Stattdessen will er lieber bei einigen wenigen Initiativen richtig dabei sein. „Von einer symbolischen Mitgliedschaft hat kein Verein etwas.“

 Wenig Zeit für Privates

 Die Arbeit in Berlin – vor allem der Gorleben- und der NSU-Untersuchungsausschuss, die Edathy beide leitete –haben dem Rehburger nicht nur Aufmerksamkeit, Anerkennung und Kritik, sondern auch Feindseligkeit eingebracht. Gerade Rechtsextremen ist Edathy ein Dorn im Auge. Er selbst scheint es einigermaßen gelassen zu sehen. Bei mehr als 80 Millionen Einwohnern müsse es wohl auch „ein paar Tausend Idioten“ geben. „Damit umzugehen, gehört halt zu meiner Arbeit dazu.“ Bislang hat er keinen Personenschutz nötig. Eine Frage wird dem Rehburger immer wieder gestellt, vor allem von Schülern: Was muss man können, um Bundestagsabgeordneter zu sein? „Man muss Menschen mögen, gerne mit ihnen arbeiten“, sagt Edathy. Und man müsse bereit sein, eigene Standpunkte in Frage zu stellen, dazuzulernen, nicht abzuheben. „Ich bin gerne in Berlin“, gibt er offen zu, „eine ganz spannende Stadt.“ Er achtet aber darauf, dass er mindestens die Hälfte seiner Zeit in seinem Wahlkreis ist.

 Das Privatleben kommt da oft recht kurz. Er versuche natürlich, den Kontakt zum Freundeskreis zu halten, sagt Edathy. „Wenn man mit 150 Prozent Politik macht, ist es ganz wichtig, sich Zeitfenster zu setzen, um etwas völlig anderes zu machen.“ Schach spielt er gerne, auch Squash, aber nicht im Verein. Außerdem ist Edathy ein großer Kinofan. „Ich habe aber selten Zeit, mir einen Abend freizuschaufeln.“ Sein Lieblingsfilm? „Es gibt einen, der ist in Deutschland sehr schlecht gelaufen: ‚Cloud Atlas‘. Den finde ich sehr ansprechend.“ Der Film ist eine umfangreiche Verfilmung des Romans „Der Wolkenatlas“ von David Mitchell, der über einen Zeitraum von 500 Jahren das Schicksal von sechs Menschen verfolgt, die indirekt miteinander verbunden sind. Außerdem bevorzugt Edathy die Filme von Quentin Tarantino und die deutsche Produktion „Die Wand“. Auf Fernsehen verzichtet der Rehburger dafür komplett, einzelne Sendungen schaut er sich in den Mediatheken der Sender im Internet an. „Das spart sehr viel Zeit.“

 Im CD-Regal stehen Alben von David Bowie, Mark Knopfler, Dire Straits und REM. Auch die Toten Hosen, die vor Kurzem erst in Minden waren, mag Edathy. Sänger Campino hat er mit 19 bei einem Klassenausflug in Rom sogar kennengelernt.

 Ein weiteres Hobby: moderne Kunst. Edathy kauft seit zehn Jahren Werke moderner Künstler wie Günther Uecker – „in einem überschaubaren Preissegment“, wie er betont. Bis vor ein paar Jahren seien Ueckers Lithographien, von denen einige in Edathys Rehburger Wohnung hängen, noch vergleichsweise günstig zu bekommen gewesen. Das scheint jedoch immer schwieriger zu werden.

 Mit Blick auf die Wahl ist Edathy zuversichtlich, dass es die SPD schaffen kann. Dafür brauche es aber eine hohe Wahlbeteiligung. Er selbst kämpft für den Sieg seiner Partei. „In einer Fraktion zu sitzen, die an der Regierung beteiligt ist, macht mehr Spaß.“ aw

Quelle: pr.

Tweet: "Mich wählt, wer Engagement, Kompetenz und Erfahrung will und zudem möchte, dass Schaumburg auch in Zukunft eine Starke Stimme in Berlin hat."

Fünf Fragen an Sebastian Edathy

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Schaumburg?
Der Marktplatz in Stadthagen.
Was ist Ihr Leibgericht?
Salami-Pizza mit Peperoni und extra Käse.
Mit welcher Person der Geschichte hätten Sie sich gerne einmal getroffen, und warum?
Mit Willy Brandt. Ein großer Sozialdemokrat und Staatsmann.
Welches Buch liegt zurzeit bei Ihnen auf dem Nachttisch?
„So läuft das“ von meinem leider viel zu früh gestorbenen Freund Peter Struck.
Theater oder Kino?
Kino.

Zur Person

Geburtstag:
5. September 1969
Geburtsort:
Hannover
Sternzeichen:
Jungfrau
Beruf, Ausbildung:
Sozialwissenschaftler,
Bundestagsabgeordneter
Konfession:
evangelisch