Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Kein Auslaufmodell

Landkreis / Buchhandel Kein Auslaufmodell

Ute Stender ist genervt. Die Diskussion über die Zukunftsfähigkeit des Buchhandels angesichts der Übermacht von Onlineanbietern oder dem Hype um E-Books gehen der Mitarbeiterin der Bückeburger Buchhandlung Frommhold gewaltig gegen den Strich.

Voriger Artikel
Therapeuten auf vier Pfoten
Nächster Artikel
Kräftig kaufen

Sieht die Beratung im Laden als Stärke des Buchhandels: Ute Stender.

Quelle: kcg

Von Katharina Grimpe. Es sei hanebüchen und Panikmache, wenn die Medien den Buchhandel totsagen. Statt permanent über den digitalen Umbruch in der Buchbranche zu spekulieren, sollten sich die Journalisten lieber wieder den Inhalten widmen. „Es ist Buchmesse, aber die Literatur wird vernachlässigt“, ärgert sich Stender. Und sie bringt auf den Punkt, was auch ihre Kollegen in Stadthagen und Bad Nenndorf zur Zukunft des Buchhandels denken: „Das gedruckte Buch ist kein Auslaufmodell, der Buchhandel wird nicht sterben.“

 Dabei steht die Buchbranche in Deutschland vor großen Herausforderungen, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels anlässlich der gestern eröffneten Buchmesse in Frankfurt hervorhob. Das dichte Netz von bundesweit 6000 Buchhandlungen werde angesichts der wachsenden Bedeutung des Internets und der elektronischen Bücher nicht mehr zu halten sein, ist Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins, im Interview mit der Nachrichtenagentur KNA überzeugt. Während der Online-Handel deutlich ansteigt, ist der Anteil des stationären Buchhandels am gesamten Buchmarkt auf 48,3 Prozent oder 4,6 Milliarden Euro gesunken.

 Doch einen Abgesang auf den Buchladen ums Eck will Honnefelder nicht anstimmen. Im Gegenteil, es gebe eine Menge kleiner und größerer Buchhandlungen mit kaufmännisch kompetenten, literarisch gebildeten und technisch gut informierten Buchhändlern, lobt der Verleger. Vor allem das persönliche Beratungsgespräch und die Einschätzung, welche Kunden welche Literatur bevorzugen, seien schwer zu ersetzen.

 Die gute Beratung in Kombination mit einem gut gemischten Angebot sieht auch Ute Stender als Stärke des Buchhandels vor Ort. Auf 150 Quadratmetern des Bückeburger Buchladens finden Kunden Lesestoff vom Taschenbuch bis zum Gedichtband. „Wir sind sehr gut sortiert, das ist auch unser Vorteil gegenüber den großflächigen Händlern, die nur von Bestsellern leben.“ So würden Kunden eben nicht nur „Literatur vom Stapel“ finden, sondern auch Publikationen kleiner Verlage. Das Buchgeschäft als solches sieht Stender nicht wesentlich durchs Internet oder digitale Bücher gefährdet. Vom Siegeszug der E-Books könne ohnehin keine Rede sein, die Nachfrage im Laden sei marginal.

 Martin Schmidt kommt in Sachen E-Books zu einer etwas anderen Einschätzung. „Es ist nicht vorhersehbar, in welchem Umfang E-Books den Markt einnehmen und welches Segment betroffen sein wird“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen Buchhandlung in Stadthagen. Die Frage hänge über der Branche wie ein Damoklesschwert, wobei noch nicht klar sei, ob an einer Stahlkette oder am seidenen Faden. Schmidt rechnet damit, dass elektronische Bücher zukünftig eine große Rolle spielen, das gedruckte Buch als Gesamtkunstwerk könne aber nicht verdrängt werden. Sicherlich seien E-Reader auf Reisen praktisch, aber auf das Gefühl, ein Buch in Händen zu halten, darin zu blättern und dauerhaft ins Regal stellen zu können, würden die Kunden nicht verzichten wollen. Weiterer Nachteil der E-Books: Man könne sie wegen des Kopierschutzes nicht verleihen und verschenken. Außerdem sei eine friedliche Koexistenz von digitalem und gedrucktem Buch möglich. „Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass Kunden beides kaufen“, erklärt Schmidt.

 Der Handel mit Büchern im Internet bereitet dem Stadthäger kein Kopfzerbrechen mehr. So sieht er die Wachstumskurve beim Onlinemarkt „am Endpunkt angekommen“. Mittlerweile würden die Buchhändler die Entwicklungen durch eigene Internet-Seiten und Online-Shops auffangen. Größere Gefahr für den Buchhandel geht für Schmidt vielmehr vom Angriff auf die Buchpreisbindung in Zusammenhang mit dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen EU und den USA sowie von der Entwicklung der Innenstädte als Handelsstandort aus.

 Dennoch: „Der Buchhandel ist gut aufgestellt und zukunftsfähig“, ist sich Schmidt sicher. Schließlich könne sich kaum eine andere Branche auf eine derart starke Logistik berufen. Die Lieferung von bestellten Büchern binnen 24 Stunden könne problemlos mit den Lieferfristen von Amazon und Co mithalten.

 Schnelle Lieferung, gute Beratung und persönliche Ansprache sind auch für Rupert Weber die Vorteile des stationären Buchhandels gegenüber Online-Anbietern. Auf rund 60 Quadratmetern verkauft Weber in Bad Nenndorf Taschenbücher, Bestseller, Kalender und Schreibwaren. E-Reader und E-Books gehören nicht zum Angebot, auch auf einen Online-Shop verzichtet er. „Der Buchhandel als solcher sollte selbstbewusst auftreten und nicht jeder Entwicklung hinterherlaufen.“ Jedes verkaufte elektronische Buch sieht er als „Sargnagel für die Branche“, durch die digitalen Medien würden auch nicht mehr Kunden in die Läden gelockt werden.

 Aus ihm spricht eine große Portion Idealismus, sein Herz schlage einfach für das gedruckte Buch, es sei „formgewordene Kunst des Schriftstellers“ und könne mit einem kalten Elektrogerät nicht verglichen werden. Weber ist sich sicher, dass es auch in Zukunft genug Leser gibt, die zum traditionellen Buch greifen. „Die viele Jahrhunderte des Buchdrucks haben ihre Spuren in den Menschen hinterlassen.“

Neuer Lesestoff für den Herbst

Vom Sachbuch bis zum Gesellschaftsepos: Es gibt zahlreiche Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, die so manchen trüben Herbstabend versüßen können.

Rupert Weber von der Nenndorfer Buchhandlung empfiehlt „Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ von Christopher Clark. In seinem Sachbuch geht der Historiker Clark den Auslösern des ersten Weltkrieges auf den Grund und kommt zu der Einschätzung, dass das deutsche Kaiserreich nicht wie bisher angenommen die Hauptverantwortung am Ausbruch des Krieges trug. „Spannend geschrieben wie ein Krimi“, lautet Webers Fazit. Clark gelinge es, die komplexen politischen Verwicklungen deutlich zu machen.

Ute Stender von der Buchhanldung Frommhold in Bückeburg empfiehlt „Neuland“ von Eshkol Nevo. Dori, Geschichtslehrer, verheiratet, und Vater eines fünfjährigen Sohnes, macht sich auf die Suche seines Vaters, während die angehende Journalistin Inbar in Berlin die Aussprache mit ihrer Mutter sucht. Der Zufall führt Dori und Inbar in Peru zusammen. „Eine faszinierend erzählte Familiengeschichte, die einen in den Bann zieht und in der viel aktuelles Zeitgeschehen steckt“, urteilt Stender.

Martin Schmidt von der Buchhandlung Schmidt in Stadthagen empfiehlt „Tabu“ von Ferdinand von Schirach. Ein Künstler und ein Anwalt versuchen zu begreifen, was Wahrheit ist: Sebastian von Eschburg verliert als Kind durch den Selbstmord seines Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Als Eschburg vorgeworfen wird, eine junge Frau getötet zu haben, übernimmt Konrad Biegler die Verteidigung. Der alte Anwalt versucht dem Künstler zu helfen. Schmidts Urteil: „Von Schirachs Sprache ist schnörkellos und knapp und schafft es, eine ganz bestimmte Stimmung zu erzeugen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr