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Thema des Tages Land unter in Schaumburg
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00:18 30.05.2013
In Probsthagen an der Kirche herrscht am Montagnachmittag Gummistiefel-Pflicht. Quelle: rg
Landkreis

Montagmorgen, kurz vor 7 Uhr. Die Feuerwehr Uchtdorf wird in die Wennenkämper Straße gerufen: Ein Keller ist mit Wasser vollgelaufen. Ein Graben auf einem privaten Nachbargrundstück ist verstopft, das Wasser kann nicht mehr abfließen, staut sich und läuft schließlich in den Keller des Nachbarn. Der Bauhof kommt der Feuerwehr zu Hilfe und befreit den Graben mit einem Greifer von Unrat, sodass das Wasser wieder ablaufen kann. Unterdessen befreit die Feuerwehr mit einer Tauchpumpe den Keller von den Wassermassen.
Um 8.47 Uhr wird auch die Feuerwehr Steinbergen alarmiert. Im Keller von Tanja Koschny an der Hirschkuppe steht das Wasser 1,50 Meter hoch im Heizungskeller – und das, obwohl das Haus nicht einmal eine Kellertür hat. Doch das hält die Wassermengen nicht auf. Durch Lichtschächte und Rohrzuleitungen sucht sich das ungeliebte Nass seinen Weg. Im Kampf gegen die Fluten fahren die Feuerwehrleute schweres Geschütz auf: Mit Sandsäcken und einer Saugpumpe verhindern sie, dass weiteres Wasser ins Haus läuft, während eine weitere Pumpe das Wasser aus dem Keller pumpt.
Doch nicht nur bei Tanja Koschny, auch bei ihrem Nachbarn Bernd Kiesow muss die Feuerwehr Wasser aus dem Keller pumpen. „Das Wasser kommt alles aus dem Wald“, erzählt Kiesow. Dort sei einmal ein Fluss, die Beeke, langgelaufen. Als die Siedlung gebaut wurde, sei der jedoch zugeschüttet und teilweise unterrohrt worden. Im vergangenen Jahr habe er daher Kontakt mit dem Bauamt der Stadt und der Fürstlichen Hofkammer aufgenommen, welche daraufhin auch ein Sickerbecken im Wald eingerichtet habe. „Genützt hat das jedoch nichts“, sagt Kiesow mit Blick auf die Wassermassen, die unaufhörlich den Berg herablaufen.
Gegen zwölf Uhr erreicht die Feuerwehr ein Anruf aus der Neuen Siedlung in Exten. Auch hier ist ein Keller überflutet worden. Die hauseigene Tauchpumpe ist ausgefallen. „Die Exter ist zurzeit randvoll“, sagt Rintelns Stadtbrandmeister Friedel Garbe. Von Sonntag 10 Uhr bis Montag 10 Uhr stieg die Exter von rund 80 Zentimetern auf mehr als 1,50 Meter an. Der kleine Fluss werde der erste sein, der deutlich über seine Ufer tritt.
Je höher der Pegel der Weser, desto weniger Möglichkeiten hat die Exter, gut abzufließen, führt Garbe aus. Aber noch sei die Lage nicht kritisch. Gestern Mittag lag der Weserpegel bei etwa 3,65 Metern.

Grundwasser drückt sich in Lindhorster Keller
Gerald Langhorst ist im Dauereinsatz, bis zum frühen Nachmittag sind in der Lindhorster Westsiedlung schon 24 Wassereinbrüche in Kellern gemeldet worden, er selbst fungiert als Abschnittsleiter vor Ort. „Teilweise stand das Wasser schon 40 bis 60 Zentimeter hoch, als wir eintrafen“, erzählt er. Das Grundwasser drückt sich durch die Kellerböden, teilweise steigt auch das Abwasser aus der Kanalisation in die Räume. Manche der alten Bergbauhäuser haben keine Rückschlagventile, weiß Jens Schwedhelm, der Lindhorster Gemeindirektor, zu berichten. Er steht mit Jörg Böhnke, Lindhorsts Ortsbrandmeister, in der Einsatzleitstelle, im Funkraum der Lindhorster Feuerwehr.
Die Einsatzleitstelle für die Samtgemeinde ist rund eine Stunde nach der ersten Wassereinbruchsmeldung bei der Stadthäger Wehr nach Lindhorst verlegt worden. „Ich rechne mit bis zu 40 Einsätzen heute“, sagt Böhnke, alle Wehren der Samtgemeinde seien zum Einsatz herangezogen worden. Der erste Anruf kam gegen 7.30 Uhr aus der Lindhorster Feldstraße. Und immer wieder kommen neue Anrufe rein, zwischendurch die Meldungen von den Wehrmännern vor Ort, oftmals muss neuer Diesel angeliefert werden, damit die Pumpen nicht ausfallen.
Dort wo Elektrik oder Öl in den Kellern lagert, gehen die Kameraden zuerst ans Werk, Folgeschäden sollen abgewendet werden. 2000 Sandsäcke hat Böhnke schon befüllen lassen, rund 600 sind bis Mittag schon verteilt worden. Glück im Unglück hatte indessen ein Passant auf der Albert-Schweitzer-Straße in Beckedorf. Er wurde von einer großen Eiche verfehlt, die durch den aufgeweichten Boden auf die Straße stürzte. Die Feuerwehrmänner brauchten mit zwei Kettensägen gut eine Stunde, um den Baum von der Straße zu räumen.

Salzbach und Aue bringen das Hochwasser
Wenn es im Schaumburger Land Hochwasserereignisse gibt, ist die Deisterstadt Rodenberg gewöhnlich stark betroffen. So auch am Montag. Dennoch war die Lage diesmal anders als sonst. „Normalerweise läuft das Wasser von Apelern und Soldorf hier zusammen“, erklärte der stellvertretende Ortsbrandmeister, Thomas Böhm. Der Riesbach und der Salzbach seien die Zuflüsse, die den Aue-Pegel, der dann ohnehin schon wegen des Wassers aus Deister und Süntel hoch ist, ansteigen lassen.
Diesmal sei aber der Großteil des zusätzlichen Wassers über den Salzbach aus Groß Hegesdorf und Soldorf gekommen, nicht so sehr aus Apelern. Doch auch dies hat die Feuerwehrleute schwer auf Trab gehalten. Als morgens gegen 5 Uhr die Hochwasserschutzmaßnahmen griffen, war den erfahrenen Feuerwehrleuten klar: Es wird einige Stunden dauern, bis sie die Lage überblicken können. Vier bis sechs Stunden zeitverzögert trifft die Scheitelwelle eines Hochwassers gewöhnlich in Rodenberg ein.
Umfangreiche Schutzmaßnahmen haben die Stadt in den vergangenen Jahren etwas sicherer gemacht. Dass die Keller volllaufen, wenn es lang anhaltend oder sehr stark schüttet, ist allerdings nicht zu vermeiden. Ein weiteres Problem skizzierte Carsten Klein. Würden die Wälle im Bereich der Sportanlage höher aufgeschüttet, hätte man dort wohl weniger Probleme mit dem Hochwasser. Doch dann würde sich mehr Wasser davor anstauen, und die Domäne hätte ein umso größeres Problem. Also konnte eine maximale Höhe beim Bau der Dämme nicht überschritten werden.
In den späten Nachmittagsstunden begann der Hochwasserpegel in der Deisterstadt zu sinken, obwohl es weiterhin leicht regnete. Böhm zufolge ging das Hochwasser aber überraschend langsam zurück, sodass eine endgültige Entwarnung auch zum Abend hin noch nicht gegeben werden konnte.

„Keller steht 1,20 Meter unter Wasser“
Den größten Hochwasser-Einsatz in Bad Nenndorf hat es an der Mooshütte gegeben. Seit 9 Uhr waren die Feuerwehrleute aus Bad Nenndorf, Riepen und Kreuzriehe im Einsatz, um den Keller der Waldgaststätte leerzupumpen und zu verhindern, dass neues Wasser eindringt. „Noch ist keine Ende in Sicht“, sagte Hans-Martin Cronjaeger, Bad Nenndorfs stellvertretender Ortsbrandmeister gegen 18.30 Uhr. Zeitweise hat der Keller bis 1,20 Meter unter Wasser gestanden. Das Wasser ist vom Berg runtergelaufen und hat durch Wände, Schächte und Böden in den Keller gedrückt. Die Feuerwehr hatte sieben Tauchpumpen im Einsatz. Auch der oberhalb der Hütte liegende Bach, der sonst eher einem kleinen Rinnsal gleicht, strömte von oben herab. „Das Wasser dringt fleißig nach“, so Cronjaeger am Abend.

„Jeder hat die Pflicht zur Vorsorge“
Zu wählen ist bei einem Überschwemmungsfall immer die Notrufnummer der Feuerwehr, weist Detlef Schröter, Ortsbeauftragter des THW Stadthagen, hin. Das ist nach Angaben Schröters der schnellstmögliche Weg, um seinen Notfall sofort durchgeben zu können. Entscheidend sind in diesem Fall konkrete Angaben und Eigeninitiative. „Die Feuerwehr kann nicht nur gerufen werden, um Wertgegenstände aus überfluteten Kellern zu retten“, mahnt Schröter. Das spielt auch in puncto Versicherung eine wichtige Rolle. „Versicherungen erwarten, dass bei einer drohenden Überflutung alle Wertgegenstände eigenständig in Sicherheit gebracht werden.“ Kritisch wird es, wenn bereits Grundwasser in den Kellerraum drückt. „Dann können auch die Feuerwehr und Katastrophenschutzdienste nur noch eingeschränkt helfen“, sagt Schröter.
Aus eigener Erfahrung rät Schröter allen Haus- und Wohnungsbesitzern, die in gefährdeten Gebieten wohnen, zur Selbstvorsorge. „Sandsäcke und Sand sind günstig zu haben, lediglich das Füllen und Lagern bereitet etwas Arbeit“, gibt Schröter an. Da die Säcke nicht mehr aus Jute, sondern aus Kunststoffmaterialien bestehen, können diese auch über mehrere Jahre gelagert werden, ohne sich zu zersetzen.
Vorsorglich, so rät Jörg Böhnke, Lindhorst Ortsbrandmeister, sollten sich Bürger in gefährdeten Gebieten eine Tauchpumpe besorgen.
 jaj, pk, on, mak, gus, kil.

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Mehr Niederschlag als im gesamten Mai

Nach Angaben des Meteorologen Ansgar Engel sind in Südniedersachsen von Sonnabendmorgen bis Montagmittag im Durchschnitt 55 bis 90 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Engel: „Es ist an zweieinhalb Tagen mehr Regen gefallen als in einem gesamten durchschnittlichen Mai“, sagt Engel. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind allein in Rinteln in besagtem Zeitraum 72 Liter Niederschlag runtergekommen. Im Vergleich: In der Niederschlagsstation in Petershagen wurden lediglich 39 Liter pro Quadratmeter gemessen. Für Dienstag gibt der Experte kurzzeitig Entwarnung: „Ein Zwischenhoch erreicht uns. Nach morgendlichem Nebel bestimmen Sonne und Wolken das Wetter. Regnen wird es dann aller Voraussicht nach nicht.“. Danach kommt das schlechte Wetter jedoch mit großen Schritten zurück. Tiefdruckgebiete von Osten und Westen treffen sich über Deutschland. „Spätestens Donnerstag sieht es wieder nach viel Regen aus.“ Ob das erneut den Süden Niedersachsens betrifft, sei noch offen.  vin