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Mit Zylinder und Holzgewehr

Schützenfest: Wie die Tradition geboren wurde Mit Zylinder und Holzgewehr

Das Historische Schützenfest der Kreisstadt steht in den Startlöchern. Gefeiert wird zum 622. Mal – doch wie entstand der lieb gewonnene Brauch eigentlich? Ein Rückblick.

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Vor dem Ersten Weltkrieg: Mit Zylinder und – damals noch mit echten – Gewehren präsentieren sich die Mitglieder des Fürstenrotts.

Quelle: Repros: kp

„Horch, die Trompeten blasen schon!“, heißt es erwartungsfroh im Liederbuch. Vom 14. bis 18. Juni wird in Stadthagen das 622. Historische Schützenfest gefeiert. In den Rotts rückt man zusammen, klönt, singt, hört Dönekens und Anekdoten, genießt das Loslassen vom Alltag und die Gemeinschaft. Und dann wird der Zylinder aufgesetzt, das Holzgewehr geschultert: Zum Rundmarsch geht es auf den Marktplatz. So ist es seit Jahrhunderten. Wo aber liegen die Wurzeln der Stadthäger Schützenfesttraditionen und ihre Ausprägungen?

Um 1400 wurden Stadtmauer, Stadttürme und Stadttore gebaut, das Festungs- und Verteidigungswesen neu gebildet. Gefragt hierbei waren die Bürger der Stadt.
Im Mittelalter beruhte die militärische Organisation auf der Zunftverfassung: Jede Gilde hatte ihren Teil der Stadtmauer zu verteidigen. Erst um 1600 werden Rotts genannt: 1602 waren 328 waffenfähige Bürger in 24 Rotts zusammengefasst. 1665 werden erstmals drei Quartierschaften mit je vier Rotts und einem jeweiligen Rottmeister genannt.

Im 18. Jahrhundert ging die militärische Bedeutung der Organisationen verloren, seit Mitte des 18. Jahrhunderts dient die Einteilung nur noch dem Schützenfest. Von Schützenfeierlichkeiten ist erstmals um 1400 in alten Schriften, vornehmlich in Stadtrechnungen die Rede. Schießen können war wichtig zur Stadtverteidigung. So gab es Wettbewerbe. In den Stadtrechnungen ist vom Bau von Schießhütten auf dem Wall die Rede und vom Einholen von „Maiengrün“: Das Schützenfest fand zu Pfingsten statt.

Schwerter und Fahnen für jede Quartierschaft

Im Besitz der Stadt waren die Schlachtschwerter – einst zur Verteidigung gedacht. 1787 werden sie erstmalig mit dem Schützenfest in Verbindung gebracht: Der Rat lieferte die Schlachtschwerter an die Schlachtschwertträger aus. Jede der drei Quartierschaften führte und führt einen solchen in seinen Reihen. Die mit Blumen geschmückten Schwerter wurden und werden dem Ausmarsch vorantragen. „Unvermählte unbescholtene Bürgersöhne“ waren als Schlachtschwertträger vorgesehen. Jede Quartierschaft besaß und besitzt außerdem eine Fahne. Die echten Gewehre, die beim Ausmarsch getragen werden, wichen 1921 Holzgewehren.

Zum Schießwettbewerb: Auf die Bürgerscheibe darf jeder schießen, der am ersten und zweiten Schützenfesttag in einem Rott mit ausmarschiert. Jeder Mann darf drei Schüsse abgeben. In die Wertung gelangt nur der beste Treffer. Es gibt keinen Schützenkönig und kein Königsschießen. Es zählt allein der „Beste Schuss“.

Wer diesen erzielt hat, bekommt die Siegerkette umgehängt. An dieser befindet sich ein silberner Vogel – eine Erinnerung an das Mittelalter, als anstatt mit dem Gewehr auf eine Scheibe mit einer Armbrust auf einen hölzernen Vogel geschossen wurde. Das Alter des Silbervogels an der Kette wird auf über 500 Jahre geschätzt. Da in früheren Jahrhunderten der beste Schütze mit einer einjährigen Steuerbefreiung belohnt wurde, hieß das Schützenfest auch Freischießen.

Wenn die ausmarschierenden Bürger am Podium des Stadtrates auf dem Markt vorbeiziehen, erklingt seit 1874 der feierliche Marsch aus der Oper „Norma“ von Vincenzo Bellini. Das hat Musiklehrer Ernst Sebening, der mit einer Kapelle zum Schützenfest aufspielte, damals eingeführt.

1845 gewann das Historische Schützenfest zwei Rotts hinzu: Die jungen Bürgersöhne der Stadt wollten beim Ausmarsch der Quartierschaften mit dabei sein. Der Rat der Stadt zeigte sich einverstanden. Die jungen Leute – 20 Jahre alt mussten sie sein – sollten sich hinter der dritten Quartierschaft dem Zug anschließen. Die Jungen Bürger erhielten einen Hauptmann und teilten sich in zwei Kolonnen: Junge Bürger Ober- und Unterstadt. Heute gibt es nur noch ein Rott der Jungen Bürger. Voraussetzung zur Teilnahme: Wer mitfeiern will, muss 16 Jahre alt sein. sk

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