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Raus aus der Kinder-Krise

Landkreis / Thema des Tages Raus aus der Kinder-Krise

Stundenlanges Brüllen, Schlaf nur in kleinen Portionen, Wutausbrüche: Das Leben mit einem Säugling oder Kleinkind ist nicht nur von überschäumendem Glück geprägt. Sogenannte Schreibabys können ihre Eltern an den Rand der Verzweiflung treiben. Doch es gibt Hilfe, das Familienleben wieder ins Lot zu bringen.

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Brüllen ohne Ende: Babys und Kleinkinder können ihre Eltern zur Verzweiflug treiben. Hilfe finden Familien in Krisensituationen beim Kinderschutzbund Schaumburg.

Quelle: pr.

Wie eine Lawine, die ihr bisher geregeltes Leben zum Einsturz bringt: So beschreibt Verena Baumbach die plötzlichen Schreianfälle ihres Sohnes Max (Namen geändert), die sie bis an den Rand ihrer Kräfte gebracht hat. Der Junge ist ein knappes Jahr alt, als das Leben der kleinen Familie durcheinander gerät.
Damals, im Sommer, hatte die alleinerziehende Mutter gerade den anstrengenden Umzug vom elterlichen Haus in die eigene Wohnung in Bad Eilsen hinter sich und Max die daraus resultierende Trennung vom bisher gewohnten Umfeld bei den Großeltern. Wie aus heiterem Himmel verwandelte sich das sonst so ausgeglichene Kind und fing an, untröstlich zu weinen – wenn Verena kurz den Raum verließ, ihn von ihren Armen absetzen, ihn ins Bettchen legen wollte. „Er wollte nur bei mir sein, immerzu, ich konnte ihn nicht ablegen, nicht einmal, um auf die Toilette zu gehen. Sofort war er tränenüberströmt und hörte nicht mehr auf, zu weinen“, erzählt die junge Frau.
Noch schlimmer waren die Schlafprobleme. Ob mittags oder abends –{FSPACE}dass Max im eigenen Bettchen über Stunden friedlich schläft, daran sei nicht mehr zu denken gewesen. Nur wenn sich Verena gemeinsam mit ihrem Sohn ins eigene Bett legte, habe es die Chance auf Schlaf gegeben, aber auch das erst nach stundenlangen Versuchen mit Schlafliedern und Gutenachtgeschichten. „Meist ist er erst gegen 23 Uhr völlig erschöpft eingeschlafen und dann nach wenigen Stunden wieder aufgewacht“, erinnert sich die Mutter.
Brüllattacken, die kein Ende nehmen, und Schlafmangel über Wochen zerrten an den Nerven der 28-Jährigen, die irgendwann selbst anfing zu weinen –{FSPACE}vor Erschöpfung, Hilflosigkeit und Angst, dass das Schreien kein Ende mehr nimmt. Wohlmeinende Ratschläge von Bekannten hätten da alles noch schlimmer gemacht. „Ich war einfach total verunsichert, weil ich meinem Sohn nicht helfen konnte, sich in der neuen Wohnung einzugewöhnen.“ Sie habe sich immer schlimmer gefühlt, auch ungeduldig und wütend auf die Situation und auf sich. „Einmal, als Max nicht einschlafen wollte, habe ich tränenüberströmt vor seiner Zimmertür geschrien, dass er endlich schlafen soll.“ Das sei der Zeitpunkt gewesen, als sie wusste: „So kann es nicht weitergehen, ich brauche Hilfe.“
Verena und ihr Sohn sind mit dieser Erfahrung nicht alleine. Immer wieder gibt es in Familien mit Babys und Kleinkindern Situationen, denen Eltern ratlos gegenüberstehen – vom untröstlichen Dauerschreien ganz junger Säuglinge, über Ein- und Durchschlafschwierigkeiten bis zu Gedeih- und Fütterstörungen, erklärt Christel Varelmann vom Kinderschutzbund Schaumburg. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Birgit Schaper-Gerdes berät und betreut die Pädagogin Mütter und Väter in der Kontaktstelle für Eltern mit Kleinkindern (Kekk). „Die Eltern, die sich an uns wenden, fühlen sich meist sehr hilflos, wissen nicht mehr weiter und sind am Rande ihrer Kräfte“, erklärt Varelmann.
Pro Woche führen beide Pädagoginnen etwa zehn Beratungsgespräche, auf Wunsch auch zu Hause. Das soll vor allem Familien mit ganz kleinen Kindern entgegenkommen: Im eigenen Umfeld fühlen sich Eltern und Kinder sicherer und es fällt ihnen leichter, sich zu öffnen und Probleme, Unsicherheiten und Erwartungen konkret anzusprechen.
Im Mittelpunkt der Gespräche steht zunächst, eine Beziehung zu den Müttern und Vätern aufzubauen, ihnen wertschätzend gegenüberzutreten und die Unsicherheit zu nehmen. Varelmann und Schaper-Gerdes wollen den Ratsuchenden vermitteln, dass sie ihrer eigenen Intuition im Umgang mit dem Kind vertrauen dürfen und dass schon kleine Veränderungen im Erziehungsalltag Großes bewirken können.
Auch Verena hat beim Kinderschutzbund ein offenes Ohr für ihre Schwierigkeiten gefunden. Und gelernt, wie sie ihren Alltag neu strukturieren kann, um Max die Eingewöhnung im noch fremden Lebensumfeld zu erleichtern. Vor allem hat die junge Frau erfahren: Es ist keine Schwäche, kein Schuldeingeständnis, in Krisensituationen um Hilfe zu bitten.
„Frau Varelmann war sehr verständnisvoll, schon nach dem ersten Gespräch am Telefon sind mir zehn Steine vom Herzen gefallen“, schildert die Mutter. Allein das Wissen, „mir hört jemand zu, der sich auskennt“, habe ihr enorm geholfen. Einmal das Herz ausschütten, Luft rauslassen – in den Gesprächen geht es zusätzlich zur konkreten Erziehungsberatung auch darum, die Eltern und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu rücken. Sie sollen bestärkt werden, sich selbst etwas Gutes zu tun. „Mütter dürfen eigene Auszeiten nehmen, um sich zu entlasten“, erklärt Varelmann. Sind Eltern ausgeruht und entspannt, komme das auch den Kindern zugute.
Nach wenigen Besuchen von Varelmann ging es Verena und Max besser. Beide haben ihren Rhythmus im neuen Zuhause gefunden und Rituale, mit denen der Alltag strukturiert wird. „Max ist wie verwandelt und schläft die ganze Nacht im eigenen Bett“, erklärt die Mutter. Sie selbst habe gelernt, dass es okay ist, sich Pausen zu gönnen und sich bei der Kinderbetreuung zum Beispiel von einer Tagesmutter unter die Arme greifen zu lassen. „Es ist einfach so schön, aus diesem Tief herausgefunden zu haben.“ kcg

Alle Babys schreien, etwa jedes fünfte Kind schreit in den ersten Lebensmonaten übermäßig.

Quelle: pr.

Schreibabys: Bauchschmerzen meist nicht die Ursache

Alle Säuglinge schreien – Babys können ihre Bedürfnisse nicht anders ausdrücken als durch weinen. Werden ihre Bedürfnisse gestillt, versiegen meist auch die Tränen schnell. Manche Babys schreien allerdings weiter und können auch durch Herumtragen, Kuscheln oder Stillen nicht getröstet werden – zur Verzweiflung ihrer Eltern.
Experten schätzen, dass jeder fünfte Säugling ein sogenanntes „Schreibaby“ ist. Nach der Definition von Fachleuten sind das Babys, die in den ersten Lebensmonaten über einen Zeitraum von drei Wochen an mindestens drei Tagen pro Woche mindestens drei Stunden lang weinen.
Ursache sind meist nicht, wie früher von Medizinern angenommen, Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme der Kinder. Wissenschaftler gehen vielmehr davon aus, dass die kleinen Menschen Probleme haben, sich auf das Leben außerhalb des Mutterleibes einzustellen. Säuglinge mit derartigen Regulationsstörungen reagieren sehr empfindlich auf Reize in ihrer Umgebung und können sich schwer an den Rhythmus von Schlafen und Wachen anpassen. Als Grund für die Anpassungsschwierigkeiten vermuten Experten Probleme in der Schwangerschaft oder eine schwierige Geburtssituation.
Weitere häufige Ursache für untröstliches Schreien kann auch eine Blockade der Wirbelsäule der Babys sein, ebenfalls verursacht durch den Geburtsprozess. Aber, so betont Pädagogin Christel Varelmann vom Kinderschutzbund Schaumburg: Kein Schreibaby gleicht dem anderen. Die Faktoren seien sehr komplex und individuell für die betroffenen Familien.
Erster Anlaufpunkt für Eltern, die sich durch das Schreien ihres Babys stark belastet und zunehmend hilflos fühlen, ist der Kinderarzt. Dort kann untersucht werden, ob das Brüllen eine medizinische Ursache und das Kind beispielsweise Schmerzen hat. Chiropraktiker und Osteopathen können bei Blockaden der Wirbelsäule helfen.
Babys, die mit der bunten, lauten Welt überfordert sind, brauchen viel Ruhe und einen regelmäßigen, ritualisierten Tagesablauf sowie viel körperliche Nähe zu ihren Eltern. Ein Tragetuch oder Tragesystem, mit dem das Kind eng am Körper der Eltern gehalten wird, kann Müttern und Vätern den Alltag erleichtern.
Fühlen sich Eltern zunehmend ausgelaugt und Wut in sich aufsteigen, ist es wichtig, das Baby an einen sicheren Ort abzulegen, kurz den Raum zu verlassen und durchzuatmen, um wieder selbst die Ruhe zu haben, das Baby zu trösten.
Weitere Beratungsstellen für Eltern sind zusätzlich zum Kinderschutzbund Schaumburg beispielsweise die Schreiambulanz des Winnicott Instituts Hannover. Eine Übersicht über Beratungsstellen gibt es im Internet unter www.kinderschutz-niedersachsen.de unter der Rubrik „Schütteltraumasyndrom“.  kcg

Kekk

Die Kontaktstelle für Eltern mit Kleinkindern des Kinderschutzbundes Schaumburg berät und unterstützt Mütter und Väter in Krisensituationen. Ursachen für die Schwierigkeiten sind unter anderem Dauerschreien, Schlafstörungen, aggressives und trotziges Verhalten und Nahrungsverweigerung der Kinder sowie Ängste, Ohnmachtsgefühle und totale Erschöpfung der Eltern.
Die Gespräche sind kostenlos, werden vertraulich behandelt und auf Wunsch zu Hause angeboten. Die Beratung umfasst unter anderem die konkrete Begleitung und Anleitung im Umgang mit dem Kind sowie Infos über schwierige Entwicklungsphasen und zu Erziehungsfragen.
u Kinderschutzbund Schaumburg im Familienzentrum Stadthagen, Bahnhofstraße 27, 31655 Stadthagen, (0 57 21) 7 24 74.
www.kinderschutzbund-schaumburg.de kcg

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