Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Thema des Tages Steil bergab
Thema Specials T Thema des Tages Steil bergab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:27 20.08.2013
Von Kirsten Elschner und Verena Insinger

Die Zahlen gehen steil bergab, wie die Entwicklung und Prognose anhand von vier exemplarischen Städten und Samtgemeinden verdeutlicht (siehe Grafik). Der Schülerrückgang ist kreisweit zu spüren und hat in einigen Orten bereits zu Gerüchten und Diskussionen über Schulschließungen oder -zusammenlegungen geführt. Sei es die Debatte um die Schließung der Grundschul-Außenstelle Beckedorf oder die Standorte Meerbeck und Lauenhagen, denen langsam die Schüler ausgehen. Dies sind nur ein paar Beispiele, die im Landkreis in den vergangenen Jahren für Zündstoff gesorgt haben.

 In der Samtgemeinde Lindhorst ist die Grundschülerzahl von 2007/08 mit 371 Kindern auf nur noch 280 im aktuellen Schuljahr geschrumpft.

 In der Samtgemeinde Niedernwöhren gibt es insgesamt drei Grundschulen. Allein an der Grundschule Niedernwöhren hat sich die Zahl vom Schuljahr 2008/09 mit 157 Kindern bereits auf 134 Schüler im aktuellen Jahrgang reduziert. Prognosen der Verwaltung zufolge sinken die Zahlen bis 2017/18 vermutlich auf 76. Das ist ein Rückgang um mehr als 50 Prozent in zehn Jahren. Nicht besser sieht es in den beiden anderen Grundschulen der Samtgemeinde aus. Eine Schließung ist aber derzeit kein Thema mehr, bestätigt Samtgemeindebürgermeister Marc Busse.

 „Nach der aktuellen Beschlusslage und den derzeitigen Schülerzahlen ist die Schließung einer Grundschule in der Samtgemeinde Niedernwöhren nicht vorgesehen“, sagt Busse. Allerdings werde die demografische Entwicklung mit den zurückgehenden Schülerzahlen aufmerksam verfolgt.

 Was die Zukunftsfähigkeit der weiterführenden Schulen angeht, sei man im Landkreis gut aufgestellt, meint Kreis-Schuldezernentin Katharina Augath. „Der Trend geht ungebrochen zu den Gymnasien“, die fünf Schulen, die es davon im Landkreis gibt, hätten daher auch mit Blick auf die kommenden zehn Jahre Bestand.

 Was die Integrierten Gesamtschulen (IGS) betrifft, könne man dem Bedarf nahezu vollständig gerecht werden. „Wir konnten fast allen Wünschen nachkommen“, sagt sie mit Bezug auf das aktuelle Schuljahr. Nur eine Handvoll Schüler musste bei den Gesamtschulen Schaumburg und Rodenberg abgewiesen werden. Diese hätten aber bei Bedarf zu den Standorten in Helpsen oder Obernkirchen ausweichen können. Insgesamt gibt es vier Gesamtschulen in Schaumburg. Weitere könnten in den nächsten Jahren noch dazukommen. Zusammenlegungen oder Schließungen seien mit Blick auf die Gesamtschulen und Gymnasien in der Region nicht im Gespräch. Problematischer könnte es dagegen auf lange Sicht einmal für die Oberschulen in Stadthagen und Lindhorst werden.

Keine Haupt- und Realschüler ab 2017

Reine Haupt- und Realschulen gibt es nicht mehr. Sie werden in Oberschulen, zum Teil auch in Gesamtschulen umgewandelt. In den Oberschulen in Bückeburg, Lindhorst und Rinteln sind die 7. Klassen aufwärts noch reine Haupt- beziehungsweise Realschulklassen. In der Oberschule in Stadthagen ist das von der 8. Klasse aufwärts an der Fall. Bei den drei neueren Integrierten Gesamtschulen in Helpsen, Obernkirchen und Rodenberg sind noch die zehnten Klassen davon betroffen. Ab August 2017 wird es dann keinerlei Haupt- und Realschulklassen mehr geben.

Gymnasien in Stadthagen rücken näher zusammen

Stadthagen. In Zeiten sinkender Schülerzahlen setzen das Wilhelm-Busch-Gymnasium (WBG) und das Ratsgymnasium verstärkt auf Kooperation. „Wir ergänzen uns in unserer Unterschiedlichkeit“, sagt WBG-Schulleiter Holger Wirtz.

Damit seien beide Schulen interessant für Schüler und Lehrer. In den Französisch-, Kunst und Erdkundekursen der Oberstufe wechseln sich die beiden Gymnasien je nach Bedarf ab. Diese Kooperation habe sich seit Jahrzehnten entwickelt. „Sie ist nicht aus der Not geboren“, betont Wirtz. Dennoch: Solche Kooperationen werden in Zukunft wichtiger. Dadurch hätten Oberstufenschüler eine größere Fächerauswahl – auch ein Faktor bei der Wahl der Schule.
Die räumliche Nähe der beiden Einrichtungen sei in Sachen Kooperation ein großer Vorteil. Obwohl es diese Zusammenarbeit gibt, geht Wirtz nicht davon aus, dass ein Standort in naher Zukunft geschlossen werden muss. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet über Stadthagen hinweg. Außerdem ist die Übergangsquote der Grundschüler auf Gymnasien in Schaumburg über dem Landesdurchschnitt.“
Derzeit werden am WBG etwa 1100 Schüler von 99 Lehrern unterrichtet. Wirtz spricht von einer „guten Schülerzahl“. Derzeit sind die Jahrgänge vier- bis sechszügig. Der Schulleiter richtet sich für die Zukunft auf eine Vier- bis Fünfzügigkeit ein. „Wir müssen beobachten, wie sich die Schülerzahlen weiter entwickeln.“
Dass die Schulverwaltungen, um bei sinkender Schülerzahl Geld einzusparen, zusammengelegt werden könnten, sieht der Schulleiter derzeit nicht. Auch als Konkurrenten sehen sich die beiden Schulleiter nicht.
Wirtz: „Konkurrenten kooperieren nicht.“ Die enge Zusammenarbeit der Gymnasien bei gleichzeitiger Unterscheidbarkeit sei ein Gewinn für die Elternschaft und ein Plus für den Bildungsstandort Stadthagen.
Ob in Zukunft Lehrer versetzt werden müssen, könne er nicht ausschließen. Dennoch gehe er davon aus, dass durch die normale Fluktuation mit Lehrern im Ruhestand und Versetzungsanfragen privater Natur auf sinkende Schülerzahlen reagiert werden kann. „Wir hatten ja schon in den vergangenen Jahren weniger Schüler, dennoch haben wir immer wieder neu eingestellt“, betont er.