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Landkreis / Martinstag Vom Geben und Nehmen

Laternelaufen, Süßigkeiten und Gesang: Der Martinstag am 11. November ist vor allem ein Festtag für Kinder und trotz der Konkurrenz durch Halloween wieder auf dem Vormarsch. Wer wird da eigentlich gefeiert?

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Antonia Krome aus Riepen schlüpft seit Jahren in die Rolle des heiligen Martin.

Quelle: pr.

Von Katharina Grimpe und Jan Peter Wiborg. Bunte Lichter in der Dunkelheit, leuchtende Kinderaugen: Mit Laternen in allen erdenklichen Formen und Farben und mit Gesang feiern die Kinder des Wiedensahler Kindergartens ihr Laternenfest jedes Jahr kurz vor dem Martinstag.

Was im Wilhelm-Busch-Dorf schon am gestrigen Freitag zelebriert wurde, ist in ganz Deutschland Brauch: Der Martinstag am 11. November gilt als Fest der Kinder. Sie stehen im Mittelpunkt bei den Martinsumzügen und Martinsritten, und beim Martinssingen – wenn sie in Gruppen von Haus zu Haus ziehen, Martinslieder singen und dafür Süßigkeiten bekommen.

 In Bad Nenndorf haben sich die evangelische und katholische Kirchengemeinde zusammengeschlossen und organisieren seit mehr als 20 Jahren das ökumenische Martinsfest, bei dem junge Darsteller des Kindergottesdienst-Teams die Martins-Legende auf die Bühne bringen. Beim Laternenumzug im Anschluss darf Sankt Martin auf seinem Pferd nicht fehlen: Antonia Krome reitet seit Jahren vorweg, wenn die bunte Lichterschar durch die Stadt zieht. Für die junge Frau aus Riepen ist das Familientradition: Schon ihre Mutter schlüpfte mehrmals in die Rolle des Heiligen, der nicht mit Martin Luther zu verwechseln ist.

 Mit dem Martinstag wird nämlich ursprünglich nicht an den Reformator, sondern an Martin von Tours erinnert. Der Legende nach teilte er als junger Soldat seinen Mantel mit einem Bettler, der in einer bitterkalten Nacht frierend vor dem Tor der französischen Stadt Amiens saß. In der folgenden Nacht soll Martin im Traum Jesus erschienen sein, der dessen gute Tat als Sinnbild der Nächstenliebe lobte. Bewegt durch diese Begebenheit ließ sich Martin taufen, trat aus der Armee aus und wurde später Bischof von Tours.

 Martin Luther spielt trotzdem eine Rolle. Der Martinstag blieb nach der Reformation auch in protestantischen Gegenden als Feiertag erhalten, indem die Verehrung Martins von Tours auf den am 10. November geborenen Martin Luther übertragen wurde. Luther wurde am 11. November getauft – am Namenstag des heiligen Martins – womit sich der Kreis schließt.

 Die evangelische Ausprägung, am Vorabend des eigentlichen Martinstages Luthers Geburtstag zu feiern, hat allerdings an Bedeutung verloren. Zogen früher Kinder eher nach ostwestfälischer Art am 10. November mit dem bekanntesten Lied von Luther, „Ein feste Burg ist unser Gott“, durch die Straßen und vor die Haustüren, so ist der ökumenische Martinszug am 11. November wieder in den Vordergrund getreten.

 Sankt Martin als Symbol der Nächstenliebe: Was sich hinter dem Brauchtum am 11. November verbrigt, wird Kindern nicht nur während der traditionellen Martinsspiele wie in Bad Nenndorf vermittelt. Die Martinslegende spielt sowohl im Kindergarten als auch im Grundschulunterricht eine Rolle, schließlich sei die Geschichte des Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt, für die Jungen und Mädchen nicht nur leicht nachvollziehbar, sondern auch spannend, betont Julia Matthiesen.

 Für die Religionslehrerin an der Grundschule Nienstädt ist der Bischof von Tours ideales Vorbild für die Schüler. Anhand des Teilens könnten sie nachvollziehen, welchen Stellenwert die Bereitschaft zu helfen für das gesellschaftliche Zusammenleben habe.

 Der geschichtliche und religöse Hintergrund des Martinstages sei in vielen Familien unbekannt, sagt Matthiesen. Auch Gitta Matthes, die den Bad Nenndorfer Martinsumzug organisiert, erlebe immer wieder, dass Kinder auf der Jagd nach Süßem von Haus zu Haus ziehen, ohne genau zu wissen, worauf der Brauch basiert.

 Halloween als weitere Gelegenheit im Jahr, Süßigkeiten zu erbitten, sehen die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche indes nicht als große Konkurrenz zum Martinstag. „Es berührt sich, aber als zusätzliche Aktion“, betont die Sprecherin des Bistums Hildesheim Petra Meschede, „der Martinstag hat eine zu lange Tradition, als dass eine Konkurrenz entstehen kann.“

 Der Sachsenhäger Pastor Josef Kalkusch sieht die Martinsfeiern allerorten sogar wieder auf dem Vormarsch. Auch Diakon Helmut Siebörger aus dem Jugendpfarramt der Schaumburg-Lippischen Landeskirche sieht den Martinstag in seinem Bestand nicht gefährdet, ihn beschäftigt viel mehr ein aktuelles Erlebnis aus Großenheidorn: „Dort sind Jugendliche am Reformationstag in Halloween-Kostümen zum Konfirmandenunterricht gekommen. Denen musste ich erst einmal den Zusammenhang erklären.“

Sankt Martin ein Vorbild für alle

Einen Martinsumzug mit Martinsfeuer hat die Bad Homburger Kita „Leimenkraut“ am vergangenen Donnerstagabend gefeiert – allerdings unter Polizeischutz und argwöhnischer Beobachtung.
Vorab war viel von einer offiziellen Umbenennung die Rede gewesen: „Ein Sonne-Mond-und-Sternefest“ sollte es künftig sein, um politisch korrekter zu handeln und auch muslimische Kinder mit einzubinden. So meldeten es viele Medien und stellten es in den Kontext vieler – in keiner Veröffentlichung fand sich ein Name, der für die Entscheidung stand.

Trotz deutlicher Dementis verselbständigte sich die Botschaft quer durch die Republik noch mehr, als der Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Linken die Änderung des Martinstages in ein konfessionsübergreifendes Fest forderte. Selbst Aiman A. Mazyek vom Zentralrat der Muslime schüttelte mit dem Kopf und argumentierte mit dem vorbildlichen Leben des katholischen Heiligen. Kein Hinderungsgrund also für Muslime, beim St.-Martins-Umzug mitzugehen. Mazyek selbst, so räumte er gegenüber der „Welt“ ein, habe „das in der Grundschulzeit mit meiner Mutter immer gerne gemacht“.

Mit Last-Minute-Laternen zum Martinsumzug

Zum Martinsumzug gehört eine Laterne. Am schönsten sind die bunten Lichter, wenn sie mit viel Phantasie selbst gebastelt werden. Der Kreativität mit Tonpapier, Pappe und Kleber sind dabei keine Grenzen gesetzt, allenfalls mangelnde Zeit und Geduld können dem Vorhaben einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Für Grobmotoriker, Bastelmuffel und Eltern im Alltagsstress gibt es Hilfe: Last-Minute-Laternen aus Material, die in fast jedem Haushalt vorrätig sind.

Laterne aus einer Papiertüte: Außer einer Tragetüte aus Papier, einer Schere und Klebstoff braucht man buntes Transparentpapier und einen elektrischen Laternenstab. Einfach auf beiden Seiten der Papiertüte Motive wie Sonne, Mond und Sterne oder ein lustiges Gesicht aufmalen, ausschneiden und anschließend von innen mit dem Transparentpapier hinterkleben. Mit den Henkeln kann die Tütenlaterne dann am Laternenstab befestigt werden – fertig!

Laterne aus Küchenpapierrollen: Dazu braucht man sieben leere Küchenpapierrollen, Tusche oder Plakafarbe, Transparentpapier, Blumendraht, eine Schere, ein Cuttermesser und einen Tacker. Die Rollen werden längs aufgeschnitten und an den Schnittkanten reihum zusammengetackert (Foto), bis eine geschlossene Blumenform entstanden ist. Anschließend den Korpus bunt bemalen, mit dem Cuttermesser unterschiedlich große Fenster ausschneiden und diese mit Transparentpapier hinterkleben. Zwei gegenüberliegende Löcher in den oberen Rand der Laterne bohren, und an diesen einen Henkel aus Blumenddraht befestigen. Die Laterne kann entweder mit einem elektrischen Laternenstab oder mit einem Teelicht beleuchtet werden. Für Letztgenanntes einfach einen Boden aus Pappe unter den Korpus kleben und das Teelicht in der Mitte mit Wachs oder doppelseitigem Klebeband befestigen.

u Laterne aus einer PET-Flasche: Wenn es schnell gehen muss, kann selbst die leere Plastik-Flasche zur St.-Martins-Laterne werden. Dafür wird die saubere und trockene Flasche (ein oder 1,5 Liter) am oberen Drittel in zwei Hälften geschnitten. Die untere Flaschenhälfte kann nun mit Tapetenkleister bestrichen und mit buntem Transparentpapier beklebt werden. Zur Not erfüllt auch mit Tusche bemaltes Zeitungspapier den Zweck. Ein Henkel aus Blumendraht zurechtbiegen und an drei Löchern am oberen Rand befestigen. Ein elektrischer Laternenstab bringt das Kunstwerk zum Leuchten.

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