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Was machen Landwirte eigentlich im Winter?

Thema des Tages / Landwirtschaft Was machen Landwirte eigentlich im Winter?

Erst im Märzen wieder die Rösslein anspannen und den Winter im gemütlichen Bauernhaus auf der warmen Ofenbank verbringen? Über diese Vorstellung können gestandene Landwirte im Landkreis Schaumburg nur schmunzeln. Aber haben sie im Winter nicht doch weniger zu tun? Nein, sagen Ackerbauer, Viehveredeler und Milchviehhalter aus dem Landkreis Schaumburg. Die Tagesroutine bleibt 365 Tage lang. Nur bekommen manche Aufgaben außerhalb von Aussat- und Erntezeiten eine andere Priorität.

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Für Hinrich Strüve gibt es im Winter zwar nicht weniger Arbeit, aber er findet, dass sie sich besser einteilen lässt.

Quelle: jpw

Hartmut Brunkhorst bewirtschaftet in Schöttlingen einen Hof mit rund 300 Hektar und baut hauptsächlich Rüben, Weizen und Mais sowie Raps an. Er kooperiert mit zwei weiteren Betrieben, sie beschäftigen gemeinsam zwei feste und mehrere Aushilfsmitarbeiter. Zusammen mit seinen Partnern sowie einem weiteren Landwirt und dem Raiffeisen-Landbund betreibt er eine Biogasanlage. „Insofern kann man schon von einer Aufgabenteilung sprechen“, sagt er.
Täglich müsse die Biogasanlage betreut werden, „gefüttert und die Daten analysiert“ – das wird von den Kollegen erledigt. Mit einem der Partner hat Brunkhorst einen Schweinestall in Lüdersfeld gepachtet, der unabhängig von der Jahreszeit, ebenfalls versorgt werden muss.

Hartmut Brunkhorst verbringt im Winter viel Arbeitszeit am Computer.

Quelle: jpw

Frost ist so manches Mal von Vorteil
Witterungsansprüche, nämlich möglichst Frost, haben der Landwirt und Kollegen beim „Senfeinmulchen“, um den Boden vor den Frühjahrskulturen zu verbessern. Kleine Flächen, von denen noch Zuckerrüben abgefahren worden sind, müssen noch mit Weizen bestellt werden. Auch dafür, genau wie für den notwendigen Heckenschnitt sei Frost von Vorteil. Den ökologisch und ökonomisch optimalen Zeitpunkt für das Ausbringen der Gärreste sieht der Schöttlinger bei entsprechenden Frostwetterlagen vom 16. Januar an als gegeben an.
Im Winter bekommen permanente Themen abseits von Arbeitsspitzen im Frühjahr und der Erntezeit „eine andere Aufgabentiefe“, schmunzelt Brunkhorst, wozu er die Wartung und Pflege von Maschinen, Gebäuden und technischen Anlagen zählt.
Brunkhorsts spezieller Part im Büro bildet das Erstellen des Jahresabschlusses. Dazu kommen unter anderem Betriebsvergleiche, Liquiditätsplanung, Gewinnvorschau – mündend in einer Betriebsanalyse.
Abrechnungen „und die vielen Verwaltungsakte“ beschäftigen ihn mehr als ihm lieb ist: Meldungen über den Schweinebestand an diverse Datenbanken, Meldungen über Aufnahme und Abgabe von Gülle und Gärresten. Brunkhorst sitzt an der Dünge- und Humusbilanz und arbeitet an seiner Schlagkartei.
Bodenproben ermöglichen dem Landwirt die Grobplanung von Düngung von Pflanzenschutz. Die Winterzeit dient ihm auch für die Fortbildung. Im Vergleich mit anderen Betrieben versucht er, Zukunftsstrategien für seinen Hof zu entwickeln. Bunkhorst besucht Arbeitskreise und Seminare und absolviert den Sachkundelehrgang Pflanzenschutz.
Achim Pohl führt in Gelldorf mit dem Nachbarbetrieb von Steffen Klindworth-Eggelmann zusammen als GbR einen Schweineveredelungsbetrieb mit 450 Sauen mit Ferkelaufzucht und bewirtschaftet 100 Hektar Ackerland mit Weizen, Mais, Raps und Zuckerrüben. Ein fest angestellter Mitarbeiter komplettiert das Team. „Wir haben immer etwas zu tun“, berichtet Pohl, „dadurch, dass Tiere 365 Tage im Jahr mindestens gefüttert werden wollen.“ Der Arbeitstag beginnt für den Landwirt in der Regel um 7 Uhr mit der computergesteuerten Fütterung der Tiere, anschließend folgt die genaue Tierkontrolle. Die notwendige Büroarbeit erledigt Pohl kontinuierlich über das Jahr.

Landwirt Achim Pohl erledigt im Winter zusammen mit seinem Kollegen auch den Winterdienst.

Quelle: jpw

„Tag besser einteilen“
Mit Blick auf die Arbeitszeiten herrscht auf dem Hof zur Erntezeit und zur Feldbestellung im Herbst Hochsaison. Andere, genauso notwendige Arbeiten haben dafür im Winter Priorität: „Unser Maschinenpark muss gewartet und gepflegt werden.“ Mit zwei Schleppern erledigt die GbR den Streu- und Räumdienst auf den Straßen der Nachbargemeinde und mit einem zweiten Schlepper sind Pohl und die anderen Kollegen der GbR abwechselnd für den Winterdienst auf den Parkplätzen der Stadt Stadthagen unterwegs. „Das kann auch schon mal nachts um zwei Uhr beginnen.“ In einem solchen Fall sei „die 35-Stunden-Woche bereits mittwochs morgens vor dem Frühstück voll“.
Heinrich Steege-Strüve und sein Sohn Hinrich Strüve bewirtschaften in Strüvensiek in der Nähe von Rinteln einen Hof mit 110 Milchkühen und Nachzucht, „insgesamt rund 150 Kopf“.
Der Tag beginnt auf dem Hof zwischen 5.30 und 6 Uhr mit dem Melken. „Um halb 9 gibt es Kaffee“, sagt Hinrich Strüve. „Bis dahin ist gemolken und zu einem großen Teil gefüttert.“ Der Rest wird nach dem Kaffee erledigt. „Im Dezember haben wir die letzten Rinder hereingeholt und eingestallt.“
Mit einem anderen Betrieb zusammen betreiben Vater und Sohn eine Biogasanlage. „Wenn wir die Woche Dienst haben, hat man auch mit der Biogasanlage und den Kühen bis mittags zu tun.“
Nachmittags nehmen sich die Landwirte ihre Maschinen vor und wintern sie ein. „Oder wir machen etwas heil, was über das Jahr liegen geblieben ist“, beschreibt der Junior die Aufgaben: „Eben solche Sachen, von denen man sagt, wir machen sie im Winter.“
„Weil wir einen Milchviehbetrieb haben, muss für uns die Grasernte passen“, sagt Steege-Strüve. „Da hängt der Betriebsgewinn vom ganzen Jahr dran“, ergänzt sein Sohn. Unbedingt also gilt es, die Maschinen im Winter so vorzubereiten, dass sie in der Hochzeit im Frühjahr möglichst nicht ausfallen. „Da muss alles heile sein, alles funktionieren.“ Dieses Jahr hatten die beiden Landwirte „stramm zu tun“ und, wie sie sagen, „erst unter dem Tannenbaum etwas Ruhe bekommen“.

Dokumentation ist ziemlich verzwickt
„Wir haben das Güllefahren von der Biogasanlage übernommen“, berichtet Steege-Strüve über die weiteren Aufgaben. „Das heißt, ab Februar, wenn das Wetter befahrbar ist, geht es los.“
Die Dokumentation sei so verzwickt, die müsse im Tagesgeschäft auch untergebracht werden, sagt Strüve. „Jetzt müssen die ganzen Abrechnungen, zu denen wir nicht gekommen sind, gemacht werden.“
Außer der Melkroutine warten eine Menge anderer Aufgaben auf die Beiden: „Kühe streuen, Kühe umstallen, Kühe kalben“ – der Junior zählt einige auf, dazu muss die verflixte Bürokratie gebändigt werden. „Das ist im Sommer und Winter gleich.“
Fast alle Versammlungen fänden im Winter statt, meint Strüve „Der Besamungsverein, die Molkerei, das Landvolk, die Kammer.“ Er selbst engagiert sich bei der Persönlichkeitsbildung von Landwirten. „Das sind insgesamt zwei Monate mit vielen Abendveranstaltungen.“
Trotzdem bewertet Strüve die Arbeit im Winter als „ein wenig gemütlicher“, weil es auch draußen früher dunkele. Der Vorteil: „Man kann sich den Tag besser einteilen.“ jpw

Bauer oder Landwirt – Wie hätten Sie es gerne?

Der Begriff „Bauer“ etablierte sich aus früheren Sprachwurzeln als die Bezeichnung für den, der weder ritterliche Aufgaben wahrnahm, noch bürgerliches Gewerbe trieb, sondern Land bewirtschaftet. Später wird Bauer zur Standesbezeichnung oder drückt eine Arbeitsweise aus.
„Landwirt“ ist eine neuzeitliche Bezeichnung für einen Lehrberuf. Trotzdem rückt das Landvolk Schaumburg-Weserbergland den Begriff Bauer wieder offensiver in den Namen. Was hören Hartmut Brunkhorst, Achim Pohl und Hinrich Strüve und Heinrich Steege-Strüve lieber?
Hartmut Brunkhorst: „Das ist mir ganz egal. Die Begriffe meinen nach meiner Meinung das Gleiche.“ Dem Schöttlinger sei nicht bekannt, ob Bauer oder Landwirt begrifflich unterschiedlich belegt sind.
Achim Pohl: „Bauer war mein Opa, Landwirt habe ich gelernt. Aber eigentlich sind wir selbstständige Unternehmer in der Lebensmittelbranche mit Betriebszweigen in der Öl- und Energiebranche und im Dienstleistungsgewerbe.“
Hinrich Strüve: „Landwirt, weil es moderner klingt.“ Auf die Frage, was sein Beruf ist, sagt Heinrich Steege-Strüve stets Landwirt: „Bauer wird bei Kindern inzwischen mit Hausbauer verwechselt.“

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