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Thema des Tages Wenn das „Arschgeweih“ weg muss
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00:17 23.04.2016
In den neunziger Jahren Modetrend: Das Tattoo oberhalb des Steißbeins. Heute ist es aus der Mode geraten.  Quelle: Fotolia

Tattoos wurden zum Ende des vergangenen Jahrtausends salonfähig. Waren bis dahin Piercings der letzte Schrei der Rebellion gegen die Spießigkeit, ließen sich vor zwei Jahrzehnten vor allem junge Frauen die Rückenregion oberhalb des Steißbeins mit einem unter die Haut gehenden Kunstwerk für die Ewigkeit verzieren. Doch was ist, wenn der Vorname der Freundin nun der Vorname der Ex-Freundin ist oder das Tattoo auf dem Steißbein einfach nicht mehr zeitgemäß?

Tätowierern werden Höchstleistungen abverlangt, um die meist auffälligen Motive in neue Gesamtkunstwerke einzubetten – covern nennt man das. „Und am Ende kann es noch so gut gemacht worden sein, man sieht die Jugendsünde unter dem gecoverten Tattoo durchscheinen, wenn man in den Spiegel schaut“, sagt Svenja Eisenhauer-Laqua.

Die 31-Jährige ließ sich ihr Tribal kurz vor ihrem 16. Geburtstag und mit der Genehmigung der Eltern stechen, wie sie erzählt. Mittlerweile zieren verschiedene, zum Teil großflächige Tattoos ihren Körper. Für sie sind die Tattoos nicht nur eine Modeerscheinung sondern echter Körperschmuck. Loswerden will sie sie nicht – nur manchmal umgestalten lassen. Doch die ausgebildete Krankenschwester kennt auch die andere Seite: So schnell, wie sich die Menschen für die Tribals begeistern konnten, so schnell waren die Tattoos auch wieder aus der Mode.

Auch Tattoos kommen in die Jahre

In ihrem Beruf als Krankenschwester begegneten ihr immer wieder Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschten, als das Steißbeintribal so schnell ablegen zu können wie beispielsweise ein Piercing. Auch die Aerzenerin hat ihr Steißbein-Tattoo covern lassen und auch bei ihr scheint die ursprüngliche Zeichnung durch das neue Motiv. Diese ganz unterschiedlichen Erfahrungen mit den in die Jahre gekommenen Tattoos und ihre Kenntnisse aus dem medizinischen Bereich haben sie letztendlich dazu bewogen, sich mit einem Laser-Studio selbstständig zu machen. Und hier rückt sie mit dem gebündelten Licht nicht nur ungeliebten Körperkunstwerken zu Leibe, sondern kann auch Haarwuchs, Falten, Couperose, Besenreiser, Akne, Sommersprossen, Pigmentflecken und Dehnungsstreifen entfernen.

Wie die Sache mit dem Laser funktioniert, demonstriert Eisenhauer-Laqua an einer Zeitung. Wie von Geisterhand verschwindet die Farbe aus dem Papier, wenn das Licht darauf trifft. Zurück bleibt ein weißes Blatt. „Bedrucktes Papier verhält sich wie die menschliche Haut. Sie nimmt keinen Schaden, wenn man die Behandlung fachmännisch durchführt“, erklärt die Fachfrau, die lange nach einem geeigneten Laser gesucht hat. Mit einem 08/15-Gerät wollte sie sich nicht zufriedengeben. Mithilfe des Lasers zerplatzen die Farbpigmente in kleinste Teilchen, wodurch der Abtransport für den Körper erst möglich wird, erklärt sie. Allerdings, auch das sagt Svenja Eisenhauer-Laqua deutlich: Das Immunsystem hat Grenzen. Etwa vier Wochen dauert der Abbau der Farbpigmente im Körper. Erst dann kann die nächste Sitzung stattfinden, sodass ein Tattoo, je nach Größe, erst in fünf bis zwölf Monaten komplett verschwunden ist. Schwarze Tattoos lassen sich übrigens am einfachsten entfernen. Schwieriger wird es bei Farben wie Orange, Rot und Gelb oder bei Körperkunstwerken, die nicht nach den strengen deutschen Richtlinien, sondern beispielsweise im Urlaub im Ausland gestochen wurden.

Kuriositäten vor dem Laser

Damit beim Lasern die Haut nicht verbrennt, wird die Oberfläche während der Behandlung vereist. Mittlerweile befreit Svenja Eisenhauer-Laqua seit zwei Jahren Menschen von ungeliebten Tattoos oder macht den Weg frei für neue Gestaltungsmöglichkeiten des Tätowierers. Und dabei sind ihr schon so einige Kuriositäten vor den Laser gekommen.

Besonders beeindruckt habe sie die Dame mit den sechs Augenbrauen, berichtet die Aerzenerin. Zusätzlich zu ihren natürlichen hatte sie sich Augenbrauen tätowieren lassen. Allerdings gefiel ihr die Ausführung nicht und so sie ließ sich kurzerhand noch ein weiteres Paar Permanentbrauen über ihre eigentlichen Brauen stechen, denn sie war der Meinung, die unteren ließen sich überschminken, beschreibt Svenja Eisenhauer-Laqua die Ausgangssituation. Allerdings ließen sich die tätowierten Augenbrauen nicht so einfach überschminken und so landete sie auf dem Behandlungsstuhl in Reher.

Auch Rechtschreibfehler muss die 31-Jährige korrigieren – vor allem dann, wenn sich herausstellt, dass ein kleiner falsch gesetzter Strich den Sinn eines asiatischen Wortes völlig verändert. Und natürlich kommen auch Menschen zu ihr, die sich ihren Ex-Partner vom Leib schaffen lassen wollen, oder besser gesagt: den tätowierten Namen, wie Svenja Eisenhauer-Laqua weiter erzählt. Mittlerweile ist sie mit ihrem Laser-Institut von Reher nach Aerzen umgezogen – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tattoo-Studio, das ihr Schwiegervater Erich Eisenhauer vor 35 Jahren an der Osterstraße eröffnete und das seit 2010 von seinem Nachfolger geführt wird.