Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Weihnachtshilfe „Ich wollte mich für das Leben entscheiden“
Themen Weihnachtshilfe „Ich wollte mich für das Leben entscheiden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 14.12.2012
Sanft legt Ulrike T. ihren herzkranken Sohn in die Karre. Quelle: rg

Die Schicksalsschläge machen die beiden Mittdreißiger im Süden Schaumburgs und deren beide Kinder zu einem „Fall“ für die „Weihnachtshilfe“.

 Dass ihr Baby einen schweren Herzfehler haben würde, teilten die Ärzte den Eltern im sechsten Schwangerschaftsmonat mit. „Mir wurde ein Abbruch angeboten“, erzählt die Mutter, „aber das kam für mich überhaupt nicht in Frage. Ich wollte mich für das Leben entscheiden und es Gott anvertrauen.“

 Die Geburt per Kaiserschnitt Mitte dieses Jahres verlief dramatisch. Nach einem Herzstillstand wurde Ulrike T. mühsam ins Leben zurückgeholt. Das Baby kämpfte sich in sechs Tagen Intensivstation ins Dasein. Drei Wochen später schafften Ärzte in einer achtstündigen OP die Grundlage zum Überleben des Neugeborenen.

 Beim Spielen im Wohnzimmer und beim Kuscheln auf Papas Schoß macht der sechsmonatige Sohn einen munteren Eindruck. „Er ist so stark, hat einen solchen Lebenswillen“, sagt Thomas T. liebevoll. Doch noch steht die Existenz auf unsicheren Füßen. Zwei weitere Operationen, eine im kommenden Frühjahr und eine weitere in vier Jahren sind erforderlich, um dem Kind ein fast normales Leben zu ermöglichen. „Wir haben ganz viel Zuversicht“, bekräftigt Ulrike T. und streichelt ihren Sohn.

 Mit der Geburt einher gegangen ist ein materieller Absturz der Familie. Ulrike T. musste ihre Stelle als Reinigungskraft in einem Hotel dauerhaft aufgeben. „Ich werde mindestens bis zur zweiten OP zu Hause bleiben müssen, denn unser Sohn darf wegen der Gefahr von Ansteckungen nicht in eine Kita“, sagt sie. Wenige Jahre zuvor hatte die gelernte Bürokauffrau wegen Betriebsschließung schon einmal einen Job verloren.

 Thomas T., der als Hilfspfleger in einem privaten Heim arbeitete, ist Mitte des Jahres, wie etlichen Anderen in diesem Betrieb auch, gekündigt worden. „Ich will unbedingt meine Ausbildung zum Altenpfleger abschließen und wieder Arbeit haben“, sagt er, doch Bewerbungen hatten bisher keinen Erfolg.

 Die vierköpfige Familie lebt momentan von ArbeitslosengeldI, HartzIV sowie Kinder- und ein wenig Pflegegeld. Schon seit der Schwangerschaft fallen überwiegend selbst zu tragende Kosten für ungezählte Fahrten zu Spezialärzten und Kliniken an. Nach Abzug davon und aller Fixkosten bleiben etwa 550 Euro für das Alltägliche. Schwierig ist momentan vor allem der Kauf von Kleidung für das Baby und den rasch wachsenden zwölfjährigen Sohn. „Eine Zuweisung durch Spenden aus der ,Weihnachtshilfe‘ könnte die Bedürfgtigkeit lindern“, bestätigt die zuständige Familienbetreuerin der Arbeiterwohlfahrt.