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An der Grenze des Wahrnehmbaren

„SonARTrio“ im Stadthäger Schloss An der Grenze des Wahrnehmbaren

Bernhard Cavanna, Wolfgang Rihm, Il-Ryun Chung, das sind nicht Namen moderner Architekten – jedenfalls nicht der Baukunst, sondern vielmehr der Tonkunst. Werke dieser und weiterer zeitgenössischer Komponisten hat das hannoversche „SonARTrio“ auf Einladung des Vereins Kultur Stadthagen einem neugierigen Publikum im Kaminsaal des Stadthäger Schlosses vorgestellt – in vollendeter Instrumentenbeherrschung, sympathischem Auftreten und mit hilfreichen Erläuterungen.

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Belohnt mit viel Applaus: Simon Kluth (von links), Till Marek und Benedikt Brodbeck.

Quelle: sk

Stadthagen. Für viele Musikfreunde ende die klassische Musik mit der Spätromantik, stellte der Vereinsvorsitzende Bernward Bock zur Begrüßung fest. Spätere Komponisten haben es oft schwer, offene Ohren und Gemüter zu finden. Dabei, zeigte Bock auf, habe sich die Komposition in viele interessante Richtungen entwickelt. Der neueren Musik hat sich das „SonARTrio“ verschrieben: Simon Kluth (Violine), Till Marek (Bajan) und Benedikt Brodbeck (Violoncello).

 Der Klassik des 20. Jahrhunderts gehe der Ruf voraus, kompliziert zu sein und viel Wissen zu verlangen, erläuterte Simon Kluth und lud umso mehr ein, sich auf die vielen Facetten und Tonsprachen der folgenden Werke einzulassen – zunächst bei dem „Trio avec accordéon“ von Bernhard Cavanna, geboren 1951. Einem schnellen, kräftigen Satz, in dem die Akkordeonklänge fast maschinellen Charakter annahmen, stehen in dem Werk langsame, sphärische Passagen gegenüber. Eine gänzlich andere Atmosphäre vermittelte ein Stück des Koreaners Il-Ryun Chung aus dem Jahr 1996. In der Komposition „Hinter dem dunklen Weg“ beschreibt dieser sechs unterschiedliche Waldszenen.

 Ob absolute Stille eine Pause zwischen zwei Sätzen oder das Ende eines Stückes bedeutete, konnte der unbedarfte Zuhörer nur durch genaues Hinsehen feststellen. Wurden noch Notenseiten umgeblättert oder die Instrumente endgültig abgesetzt? Spätestens, als die Musiker aufstanden und sich verbeugten, setzte herzhafter Applaus ein. „Das waren 18 Minuten“, erklärte Benedikt Brodbeck schmunzelnd nach dem Chung-Stück, wohlwissend, dass das Zuhören für viele Konzertgäste ob der ungewohnten Töne und Tonfolgen schlicht anstrengend war. Das folgende Stück dauere nur sechs Minuten, tröstete Brodbeck. Bei der Szene „Am Horizont“ zeigte Till Marek, dass sein Bajan, eine osteuropäische Variante des Knopfakkordeons, Töne fast identisch mit denen der Geige hervorbringen kann. Zarte anhaltende Töne klangen von Bajan und Violine, tatsächlich kaum zu unterscheiden und zum Schluss verschwindend leise. Simon Kluth: „An der Grenze des Wahrnehmbaren.“

 Vor der Pause, in der eine Besucherin scherzhaft so manche Tonlängen und -höhen mit einem Tinnitus verglich, führte das „SonARTrio“ seine aufmerksamen Gäste in bekanntere Regionen: Ein Tango von Astor Piazolla wurde interpretiert: „La muerte del angel“. Später standen Werke von Hans Joachim Hespos, Sofia Gubaidulina, Yuji Takahashi und Tilo Medek auf dem Programm. sk

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