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Aus den Metropolen zurück in der Provinz

Rinteln / Ausstellung Aus den Metropolen zurück in der Provinz

Beim ersten Blick auf die Bilder von Sebastian Denz hat man den Eindruck, da stimmt was nicht. Doch das ändert sich schlagartig, wenn man die für die Betrachtung der Fotos nötige 3D-Brille aufsetzt. Dann tun sich gestochen scharf Welten auf: Der Raum verändert sich, wird tiefer – bis hin zu dem fantastischen Eindruck, man beobachte nicht mehr, sondern werde vom Fotoobjekt beobachtet.

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Sebastian Denz während des Aufbaus der Ausstellung mit zwei seiner lebensgroßen Bilder in der Eulenburg. © tol

Von Philipp Killmann
Davon zeugt die neue Sonderausstellung, „SKATEBOARDING.3D“, des Museums Eulenburg, die heute um 19 Uhr eröffnet wird.

Der 3D-Fotograf Sebastian Denz hat bereits in New York, Tokyo, Berlin und zahlreichen anderen Metropolen ausgestellt. Warum also jetzt in der Provinz, in Rinteln? Ganz einfach: Der Wahl-Hamburger Denz ist gebürtiger Rintelner und fühlt sich seiner Heimatstadt nach wie vor eng verbunden.

„Ich hatte deshalb auch überlegt, die Ausstellung im Untertitel ,Back to the Roots‘ (engl.: Zurück zu den Wurzeln; Anm. d. Red.) zu nennen, habe mich dann aber doch augenzwinkernd für ,New York – Rinteln – Tokyo‘ entschieden – in Anlehnung an den bekannten Song ,New York – Rio – Tokyo‘ aus den 80ern“, erzählt Denz schmunzelnd.

Was den 36-Jährigen immer wieder nach Rinteln zurück ziehe, seien nicht nur seine Familie und Freunde, sondern eben auch Motive. Einige seiner international ausgestellten 3D-Fotografien sind im Möllenbecker Wald entstanden. Zudem arbeitet er zurzeit an der Neugestaltung des Rintelner Skateparks mit, den er bereits vor 13 Jahren initiiert und mit aufgebaut hatte.

Ganz wichtig für Denz ist außerdem der Kontakt zu dem Rintelner Kurt Gilde. Er war es, der Denz die für die 3D-Fotografie nötige Spezialkamera entwickelte, mit der er in ganz Europa Fotos von bekannten Profi-Skatern machte. Erst jüngst schloss er die Arbeiten für zwei weitere Kameras für Denz ab.

Folglich lag es nahe, auch Gildes Arbeiten im Rahmen von Denz’ Ausstellung in der Eulenburg zu exponieren.

Stefan Meyer von der Eulenburg weiß Denz’ Exponate in seinem Museum sehr zu schätzen: „Die Rintelner können stolz sein, dass es noch Rintelner gibt, die zwar nicht mehr in Rinteln leben, aber der Stadt trotzdem nicht einfach den Rücken zugekehrt haben.“ Meyer sah Denz’ Fotos zum ersten Mal bei einer Ausstellung in Berlin und war auf Anhieb begeistert – freilich auch im Hinblick darauf, auf diese Weise mehr junge Menschen ins Museum zu locken.

Doch dazu merkt Denz prompt an: „Mir ist wichtig, festzuhalten, dass meine Fotos nicht nur für Jugendliche gemacht sind. Das Skateboarding ist quasi bloß der Anlass für meine Arbeit.“ Tatsächlich aber seien sowohl Jung als auch Alt begeistert. „Ich stelle“, sagt Denz über seine Kunst, „einen hybriden Raum zur Diskussion, der sich zwischen virtuellem und realem Raum findet, dem postvirtuellen Raum.“

Davon zeugt auch, dass erst am vergangenen Dienstag der Kulturkanal des ZDF einen Beitrag über Denz’ Arbeiten brachte. Und während Denz erzählt, steht er beim Aufbau seiner Rintelner Ausstellung schon wieder vor der Kamera. Ein Filmteam der Willem-de-Kooning-Akademie in Rotterdam filmt Denz für eine Dokumentation über analoge Fotografie – die eben auch in Zeiten der Digi-Cams keineswegs tot sei, so Filmemacher Wilbert Eerland.

Wie recht Eerland hat, davon kann sich der Besucher in der Eulenburg überzeugen. Acht großformatige, lebensgroße Bilder und etwa 20 kleinere Exponate schmücken die Wände des Museums, zu sehen sind mitunter durch die Lüfte fliegende Skater. Ein Dokumentarfilm zeigt, wie die Bilder von Denz europaweit entstanden sind. Ausgestellt werden außerdem Denz’ längst vergriffenes Buch zur Ausstellung sowie zwei Skateboards in limitierter Sebastian-Denz-Edition von Carharrt, gestaltet von Grafiker Stefan Marx.

• Die Ausstellung im Museum läuft bis zum 28. August. Der Eintritt ist heute Abend frei, sonst beträgt dieser dtei Euro (3D-Brille inbegriffen), ermäßigt ein Euro.

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