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Becker: „Als Kind war Busch meine Bibel“

Wiedensahl / Ausstellung Becker: „Als Kind war Busch meine Bibel“

Die Zeiger der Uhr rückten auf 23 Uhr vor, als eine sichtlich erschöpfte Franziska Becker das letzte Buch signiert hatte. Das bedeutet bei der Wilhelm-Busch-Preisträgerin nicht einfach den Namenszug unter eine Widmung zu setzen.

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Franziska Becker (rechts) signiert im Wiedensahler Wilhelm-Busch-Geburtshaus Bücher für ihre Fans. Dazu gehört SAT-1-Richterin Barbara Salesch (Zweite von links).

Quelle: pr.

Wiedensahl. Begonnen hatte die Eröffnung der Ausstellung mit Bildern, Karikaturen und Objekten aus ihrem Privatbesitz im Wiedensahler Wilhelm-Busch-Geburtshaus mit der Uraufführung eines Vier-Minuten-Filmes, mit dem die Künstlerin am i-Pad erstmals in eine neue Produktionsform eingetaucht war.

Das bekannte wuschelhaarige Selbstporträt Beckers sagt da zunächst „Danke für den Wilhelm Busch Preis. Ich freu’ ich sehr“. Und wenig später als Kind bei ersten Malversuchen „Schon als Kind war Busch meine Bibel.“

Die zahlreichen Gäste zollten da erstmals begeistert Beifall. Neben Mitgliedern der Busch-Preis-Jury gab sich auch SAT-1-Richterin Barbara Salesch als glühende Becker-Verehrerin zu erkennen. Maler Klecksel erfuhr in dem Zeitraffer-Streifen Anerkennung. Doch auch die Flasche streichelnde Fromme Helene wurde ins Bild gesetzt.

Lenchen, so ließ Franziska Becker hernach im Dialog mit Dr. Gisela Vetter-Liebenow, der Direktorin im „WilhelmBusch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“ in Hannover erkennen, sei als Kind ihre Lieblingsfigur bei Busch gewesen.

Die beiden Frauen machten im Bühnen-Talk zunächst eine Tour d’horizon durch Beckers Leben von der Geburt in einer Mannheimer Arzt-Familie über das geschmissene Studium der Ägyptologie und die Ausbildung zur MTA hin zum Kunststudium in Karlsruhe. Auf dem Weg dorthin habe sie vor allem von der Mutter Unterstützung erfahren. Eine Parallele zu Leben und Karriere Wilhelm Buschs.

In Heidelberg engagiert sie sich in der Frauenbewegung, lernt 1975 Alice Schwarzer kennen und zeichnet seit 1977 bis heute mit wachsendem Erfolg für das Feminismus-Leitmedium „Emma“. Bald folgen Veröffentlichungen unter anderem in „Annabelle“ , „Psychologie heute“, „Spielen und Lernen“, „Titanic“, „Stern“, „Züricher Tagesanzeiger-Magazin“, „Kölner Stadtanzeiger“. In der Domstadt lebt Becker seit 1985 mit immer häufigeren Stippvisiten in die USA in den vergangenen Jahren.
Vor dem Busch-Preis konnte die Künstlerin schon dem „Max & Moritz“-Preis in Erlangen und den Göttinger Elch als bedeutende Auszeichnung ihres Genres entgegen nehmen. An Busch lobt sie besonders dessen „grandiose Doppelfähigkeit“ als Zeichner und Dichter. „Wo Thomas Mann viele Sätze brauchte, um Stimmungen zu vermitteln, reichen bei Busch ein paar Striche. Das ist seine Meisterschaft“.

Sie selbst arbeite immer „auf den letzten Drücker“, reize ihre Abgabetermine voll aus. Sie schaue „dem Leben aufs Maul“ und komme so zu ihren Karikaturen, Comics und Bildern.

Sie fertige unterwegs keine Skizzen oder gar Fotos an. Sie lebe bei der Umsetzung der Ideen von ihrem „guten visuellen Gedächtnis, das alles speichert bis hin zu den Schnürbändern“.

Auch wenn sie sich weitgehend aus dem Tagesgeschäft heraus halte und sich selten prominenter Köpfe bediene, ist sich Franziska Becker sicher: „Ich mache mit meinen Beiträgen Politik, in denen sich der Alltag spiegelt“.

Mit einem Ausblick auf die mögliche Entwicklung von Comic und Karikatur in den neuen sozialen Medien ging dieses Gespräch zuende. Dann öffnete sich die Tür zur Ausstellung mit den Exponaten aus Beckers Privatbesitz, und die Zeichnerin begann zu zeichnen an dem Pult, an dem schon Busch gewirkt hatte. Am Ende steht nun unter eines Becker-Unikats im Gästebuch des Busch-Geburtshauses: „Wiedensahl, ich liebe dich“. Vier Stunden zuvor war sie dort das erste Mal angekommen. r

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