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Der Bass als Sündenbock

Kultur / „Der Kontrabass“ im Kurtheater Der Bass als Sündenbock

Das tragikomische Porträt eines Orchester-Hinterbänklers hat am Montag das Bad Nenndorfer Theaterpublikum begeistert. „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind ist sicherlich eines der erfolgreichsten zeitgenössischen Stücke des deutschen Sprachraumes. Alexander Netschajew überzeugte in der Rolle des Nörglers, der alles Leid dem größten und tiefsten aller Streichinstrumente zuschiebt.

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Alexander Netschajew (rechts) glänzt in der Rolle des verbitterten Kontrabassisten.

Quelle: han

Bad Nenndorf (han). Der anfangs nüchterne Musiker wird nicht müde, die Großartigkeit seines Klangkörpers zu preisen. Der Kontrabass sei der wichtigste Bestandteil des Orchesters, eine Kraftquelle, aus der der musikalische Samen quillt. Doch mit jeder Flasche Bier, die der Musikus leert, strömt die Wahrheit aus ihm raus. „Der Kontrabass ist eher ein Hindernis als ein Instrument.“ Als Sündenbock für so ziemlich jeden Schicksalsschlag muss die große Bassgeige herhalten. So sei der Bass schuld daran, dass sein Besitzer seit zwei Jahren keine Frau mehr gehabt hat. Ohnehin sei es unmöglich, auf einem solchen Instrument schön zu spielen.
Jürg Schlachters Inszenierung komplettierte Süskinds großartigen Monolog mit einem gelungenen, tragfähigen Regie-Einfall. Nicht etwa Hauptdarsteller Netschajew spielte das Streichinstrument. Stattdessen agierte im Hintergrund das Streichquartett „Bassiona Amorosa“, bestehend aus Artem Chirkov, Ljubinko Lasic, George Makhoshvili und Andrej Shinkevich.
Anfangs hielten sich die preisgekrönten Profimusiker noch zurück. Doch je mehr Netschajew über die vermeintlichen Klang-Defizite des Kontrabasses klagte, desto mehr legte sich das Quartett ins Zeug, um die Schimpftiraden zu widerlegen. Mit Erfolg, es ertönten Stücke von Vivaldi, Prokofiev, Brahms, Mozart und Chatschaturjan. Mit viel Szenebeifall honorierte das Publikum den musikalischen Zauber, den die vier Bässe entfachten.
Es entstand das vergnügliche und einfühlsame Bild eines verbitterten Außenseiters und mittelmäßigen Künstlers. Mit einem zweifelhaften Befreiungsschlag will sich der Kontrabassist aus dem Trott seines Alltags befreien. Ob es ihm gelingt, blieb offen. Die Gäste im Bad Nenndorfer Kurtheater hatten sichtliche Freude an dem kurzweiligen Sozialporträt, dem begeisterten Applaus nach zu urteilen.

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