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Der Thriller vom Hofprediger

„Der Schlüssel der Tredici“ Der Thriller vom Hofprediger

Dass die Schlosskapelle einen großen, verzierten Schlüssel besitzt, dürften die Meisten wissen, die einmal das Fürstendomizil besucht haben. Dass dieser Schlüssel 1954 auf mysteriöse Weise abhanden kam und noch mysteriöser wieder zurück ins Schloss fand, wo er seitdem in einem Schaukasten zu besichtigen ist, wissen vermutlich weniger.

Bückeburg. Bückeburg. Dieser Diebstahl dürfte für Thomas G. Krage die Inspiration zu „Der Schlüssel der Tredici“ gebildet haben. Der Roman des Pastors der evangelisch-reformierten Kirche Bückeburg und Stadthagen erscheint jetzt im Verlag CW Niemeyer.

Wer glaubt, „Der Schlüssel der Tredici“ sei ein auf 367 Seiten ausgeweiteter Predigttext, nur weil der Autor Seelsorger ist, liegt falsch. Krage ist nicht nur ein profunder Kenner von Kirchen-, Religions- und Wissenschaftsgeschichte, sondern auch ein leidenschaftlicher Liebhaber von Verschwörungstheorien. Selbstverständlich muss man nicht alles glauben, was über das Kennedy-Attentat, die Mondlandungslüge oder den Mord an Lady Di publiziert wird, um diese Ideen zu mögen. Und Krage muss sie außerordentlich mögen, so sehr brennt sein Roman-Erstling ein ganzes Feuerwerk literarischer Verschwörungstheorien ab. Seine titelgebenden „Tredici“ sind es, die seit Jahrtausenden im Hintergrund an den Fäden des Weltgeschehens zupfen und zur Durchsetzung ihrer finsteren Ziele bedenkenlos über Leichen, versenkte Ozeandampfer und sabotierte Weltraumraketen gehen. Was natürlich kein Normalsterblicher ahnt.

Auch, wenn der Roman im kleinstädtischen Bückeburg beginnt und den Bogen nach einem Parcours irrwitziger Abenteuer im Kampf gegen die organisierten Geheimbündler dort auch wieder zum rasanten Finale einmündet, Beschaulichkeit ist seine Sache wirklich nicht.
Eine blutig zugerichtete Leiche im Schlosshof macht den Anfang des Weltverschwörungstreibens, in das Christian Sonnthag, Mitarbeiter eines Kölner Optik- und Raumfahrt-Unternehmens, Hals über Kopf hineintrudelt, als er in den Besitz einer geheimnisvollen Karte des Ermordeten gerät. 13 Stiche weist der offenkundig rituell hingerichtete Tote auf. Ebenso wie der mysteriöse Schlüssel in der Tür der Bückeburger Schlosskapelle 13 Zacken besitzt. Überhaupt ist es die finstere Mystik der Zahl 13, die den Roman wie ein nachtschwarzer Faden durchzieht. Und eben jener Schlüssel ist just mit dem Zeitpunkt des Mords verschwunden.

Klotzen, nicht kleckern, lautet die Devise für den Autor, der in „Der Schlüssel der Tredici“ auffährt, was als Idee oder Story in der Welt der Verschwörungstheorien Rang und Namen hat. Von König Salomo bis zur gescheiterten Mondmission Apollo 13 reicht das Kaleidoskop der finsteren Abgründe, in die der Leser blicken darf, wobei so dick aufgetragen wird, dass selbst ein Georg Brand alias „Hacker T-Rex“ Schnappatmung bekommen würde.jp

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