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Die Kunst besteht im Weglassen

Rolf Henn alias „Luff“ über einen Karikaturisten Die Kunst besteht im Weglassen

Das Gesicht von Claus Weselsky, dem Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), auf einem riesigen Prellbock: Mit diesem Bild hat Rolf Henn alias „Luff“ den letzten Bahnstreik geprägt.

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Wer wird das? Klar – Rolf Henn zeichnet Angela Merkel.

Quelle: mig

Bückeburg. In der Stadtkirche tat Luff jetzt das, was er am besten kann: Zeichnen.

 Für das Gesicht von Angela Merkel braucht Henn nur wenige Sekunden. Ein bisschen Haar hier, drei Zacken, die das Haar abschließen. Und natürlich die Mundwinkel, die nach unten gezogen werden. Fertig. Ähnlich schnell gelingt Henn der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. „Wer könnte das sein?“, fragt der Zeichner. Und gibt dann gnädig eine kleine Ratehilfe. „Benutzte seinen Charme als Köder – Ex-Bundeskanzler … Gerhard Schröder.“ Das Publikum ist begeistert, lacht und applaudiert. Und auch Henn hat sichtlich Freude an dieser kleinen Spielerei. Der bekannte Karikaturist, unter anderem tätig für die „Stuttgarter Zeitung“, zeigt, wie’s gemacht wird. Verknappen, verdichten, auf den Punkt bringen. „Es geht nicht um eine realistische Abbildung des Gesichtes“, sagte „Luff“, der seinen Vortrag auf Einladung der „Schaumburger Landschaft“ im Rahmen einer Fachtagung hielt. Es gelte, einen bestimmten Ausdruck zu finden – und einzufangen.

 Die Gesichter sind nur ein kleiner Teilaspekt des Ganzen. Eine gute Karikatur zu zeichnen, dahinter steckt mehr, viel mehr. Oder, wie es „Luff“ in seinem Vortrag zum Thema „Der Blick durch die satirische Lupe. Von der Arbeit eines politischen Karikaturisten“ ausdrückte: „Man muss eine Geschichte erzählen und das mit einem Bild, es muss Bewegung im Bild sein.“ Wobei es aber keineswegs darum geht, möglichst viele Details im Panel unterzubringen, im Gegenteil: „Man muss das Thema runterbrechen und verknappen. Sie glauben aber gar nicht, wie schwierig es sein kann, etwas ganz einfach zu gestalten.“

 Und wie wird aus einem politischen oder gesellschaftlichen Thema eine Karikatur? „Luff“ erklärt das so: „Ich beginne erst einmal damit, dass ich mit den Worten spiele. Bei Bremen fallen mir sofort die Bremer Stadtmusikanten ein, beim Kalten Krieg ein Schneemann.“ Der Karikaturist schöpfe aus dem Bilderfundus der Sprache, weiß „Luff“ als Gast der Fachtagung „Visuelle Satire – Deutschland im Spiegel politisch-satirischer Karikaturen und Bildergeschichten“ zu berichten. „Wir bedienen uns dieser Konventionen und reinszenieren sie.“

 Anhand von Beispielen erläuterte Henn dann, wie eine Karikatur wirkt, woher sie ihren „Witz“ nimmt. Da sei beispielsweise der Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wie beim Bild, das Verkehrsminister Alexaner Dobrindt zeigt, wie er ein Riesenloch in einer Straße mit einer kleinen Schubkarre schließen will. Oder man arbeite mit der schieren Zuspitzung: „Man muss auch mal maßlos übertreiben, um den Finger in die Wunde zu legen.“ Und so werden Menschen als Tiere gezeichnet, Dinge beginnen zu leben. „In der Karikatur ist alles erlaubt, es darf keine Schranken geben“, sagt „Luff“.

 Entsprechend wütend war Henn nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“, auf den er mit gleich mehreren Zeichnungen reagierte. „Es ist schwer, in so einer Situation zu zeichnen“, erinnert sich Henn an diese Zeit. „Ich hatte Angst und habe schon gedacht, ich müsste mir eine Knarre zulegen.“ mig

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