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Diese Geige kriegt der Teufel nicht

Konzert im Stadthäger Schloss Diese Geige kriegt der Teufel nicht

Musikalische Perfektion haben im voll besetzten Kaminsaal 110 Konzertgäste genossen. Zu erleben gab es Werke von Igor Strawinski und Béla Bartók, Robert Schumann und eine moderne Komposition für Klavier von Jörg Widmann, die Oliver Triendl in Anwesenheit des Komponisten am Flügel interpretierte.

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Das Werk ist vollbracht: Caroline Widmann genießt die Begeisterung und die Anerkennung des Publikums.

Quelle: sk

Von Vera Skamira

Stadthagen. Im hochklassigen kammermusikalischen Trio spielte Widmann Klarinette, Schwester Carolin Widmann Violine – eine Guadagnini aus dem Jahr 1782.

Zum Auftakt marschierten „Soldaten“ über das Parkettmosaik des Kaminsaals. Diese Assoziation zumindest entstand beim Erklingen der „Geschichte vom Soldaten“ von Igor Strawinski (1882 – 1971). Der russische Komponist hatte das Ballett für eine Wanderbühne geschrieben, bestehend aus Vorleser und Musikern, Schauspielern und Tänzerin. Später entstand daraus als Extrakt die Kleine Suite für Violine, Klarinette und Klavier. Dem Marsch des Soldaten folgte als musikalisches Bild dessen Geige. Diese überlässt der Soldat im Märchen dem Teufel – im Tausch gegen ein Buch, das Reichtum verspricht.

Die Geige von Carolin Widmann blieb freilich im Spiel, eins mit ihrer virtuosen Spielerin. Frau und Instrument bildeten eine Linie, einen Bogen, leicht und elastisch, einen scheinbar mühelosen strömenden warmen Klang erzeugend.

Ebenso wie seine Schwester stellte Klarinettist Jörg Widmann alle Fasern seines Körpers in den Dienst seiner enormen musikalischen Gestaltungskraft. Diese, lernte der Zuschauer, hat nicht nur etwas mit dem Kopf und der Fingerfertigkeit zu tun, fordert vielmehr – zumal über eine volle Konzertdistanz – gleichermaßen Konzentration und Kondition. Dazu gab es ein Lächeln. Dieses hatte Widmann im perfekten Zusammenspiel mit Schwester und Pianist oft parat, auch wenn der Schweiß von der Stirn rann. Die innere Freude am Spiel blitzte nach außen.

Konzentration forderte der Abend auch den Zuhörern ab. Keinen leicht-genialen Mozart gab es zu konsumieren. Bernward Bock, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Kultur Stadthagen, freute sich umso mehr über die „Aufgeschlossenheit“ des Schaumburger Publikums „gegenüber der modernen Musik.“ Mit Robert Schumann (Fantasiestücke für Klarinette und Klavier a-Moll und die Sonate für Violine und Klavier a-Moll) stand zumindest ein Musiker der Romantik auf dem Programm, mit Béla Bartók, gestorben 1945 in New York, hingegen einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne. Seine „Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111“, schrieb Bartók 1938 unter anderem für Benny Goodmann. Dessen Part füllte im Kaminsaal souverän Jörg Widmann aus.

Pause hatte der Klarinettist als dessen eigene Komposition erklang. Oliver Triendl interpretierte grandios Widmanns „Intermezzi für Klavier“ – ein sperriges Stück für Harmonie gewöhnte Ohren und eine Herausforderung an das Instrument, dem Triendl plötzlich einschlagende und wuchtige Klänge abverlangte. Für Widmanns „Intermezzi“ war Kenntnis der Klassik gefragt und die Entwicklung deren moderner Richtung. Erläuterungen zum Werk – denn: „Man hört nur, was man weiß“ – gab es leider nicht.

Das Konzert der drei weltweit gefeierten Künstler endete mit Bravorufen, mit Blumenübergabe und einer leisen Hoffnung, als die Drei nochmals im Saal erschienen. Jedoch: „Ohne Instrumente“, konsternierte bedauernd ein Gast in der ersten Reihe. Eine Zugabe war nicht drin, die Leistung der Musiker vollkommen, abgerundet und ausgeschöpft.

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