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Eine vergangene Zeit wird lebendig

Möllenbeck / Konzert im Kloster Eine vergangene Zeit wird lebendig

Ein Musikzug schreitet voran durch den uralten Kreuzgang des Klosters Möllenbeck. Vorne weg Schalmeienspieler und der Trommler im typischen Rhythmus der Renaissance, dahinter die vielen Sänger, die für eine musikalische Zeitreise ins Kloster kamen.

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Das Ensemble Capella de la Torre ist mit den Teilnehmern des Mitmach-Konzerts musizierend im Kloster Möllenbeck unterwegs, vorne rechts Ensemble-Leiterin Katharina Bäuml.

Quelle: cok

Von Cornelia Kurth

Möllenbeck. Im hohen Altarraum der Klosterkirche sangen alle gemeinsam ein so ungewöhnliches kleines Konzert, ins Leben gerufen vom Ensemble Capella de la Torre.

 Die Gruppe spielt an vielen historischen Orten auf und bezieht dabei seine Zuhörer ins Musikgeschehen ein. So auch in Möllenbeck, wo über 50 Gäste kamen, um mit den Musikern unter der Leitung von Katharina Bäuml einige alte Lieder einzustudieren.

 Man traf sich in lockerer Runde im Winter-Refektorium des Klosters, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, der auch ein Konzertsaal hätte sein können, so schön kamen die Klänge von Renaissance-Blasinstrumenten, Laute, Trommel, Tamburin und der bewegend klaren Stimme von Sängerin Cécile Kempenaers zur Geltung.

 Damit sich alle Besucher auf die besondere Musik aus dem frühen 16. Jahrhundert einstimmen konnten, spielte Capella de la Torre einige spanische Stücke, alle geprägt von Liebessehnsucht und einem forttreibenden einfachen Grundrhythmus, der wie ein Herzschlag des Lebens wirkt.

 Schnell entstand eine Art Mittelalter-Gefühl, um den Gefühlsausdruck ging es auch Bäuml, als sie erklärte, warum sie und ihr deutschlandweit hochgelobtes Ensemble sich mit Leidenschaft der alten Musik widmen. „Eine vergangene Zeit wird lebendig, wenn wir diese Kompositionen spielen“, sagt sie. „Es ist so lange her, dass die Lieder geschrieben wurden, und doch sind wir den Menschen von damals sehr nahe, wenn wir uns auf ihre Klangwelt einlassen.“

 Die spanische Musik der Renaissance, auch geprägt von arabischen Einflüssen, war eine der Vorreiter darin, den Menschen und seine individuelle Persönlichkeit in den Blick zu nehmen. Das spanische Volkslied „Pase el agoa“, das Profis und Gäste gemeinsam sangen, ist ein gefühlvolles Liebeslied, gerichtet an eine sehnsuchtsvoll erwartete Geliebte, die vielleicht niemals kommen kann. Im ganzen großen Refektorium mit seinen hohen Steinwänden und den dicken Deckenbalken verteilt standen und saßen die Musizierenden. Drei der Besucher hatten Trompeten mitgebracht, einige besaßen sehr gute Stimmen, andere summten nur mit. Alle hatten, so schien es, das Gefühl, durch die Musik miteinander verbunden zu sein.

 Auch zwei Choräle brachte Bäuml den Gästen dieses Mitmach-Konzertes nahe, die anschließend mit den Musikern aufbrachen, um durch den Kreuzgang zum Singen in die Kirche hinüber zu wandern. Außenstehende Zuhörer gab es dabei nicht, und doch wuchs die Musik in der Klosterkirche über sich selbst hinaus. Das Ensemble Capella de la Torre beendete mit dem Möllenbecker Ereignis eine Veranstaltungsreihe, die sie an verschiedene historische Stätten an Weser und Elbe geführt hatte, um die Renaissance-Musik zu einem Teil der Musik der Gegenwart zu machen.

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