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Engel schweben durch die Nacht

Rehren Engel schweben durch die Nacht

Bärbel Wilkening kann als Schatzmeisterin des Kulturvereins die Zahl der nicht verkauften Eintrittskarten an einer Hand abzählen: Es sind noch fünf, der Rest ist weg.

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 Isabel Moritón erweist sich zwischen den Stücken als charmante Plauderin.

Quelle: rnk

Rehren. Schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn ist die spätgotische Kapelle gut gefüllt. An diesem Nachmittag ist die Kapelle beim Harfenkonzert von Isabel Moritón so gut besucht wie sonst nur zum Weihnachtsfest oder bei Taufen mit mehreren Kindern.

 Die erste Hälfte des Konzertes war noch den Zeiten gewidmet, als die Harfe an den Höfen den Takt vorgab. Mitte des 18. Jahrhunderts bescherte die neu erfundene Pedalharfe – ausgelöst durch die harfespielende Königin Marie Antoinette – dem Instrument eine große Popularität.

 Moritón spielt spanische Meister des 16. und 17. Jahrhunderts, ebenso Werke von Giovanni Battista Pescetti aus dem 18. Jahrhundert. Mit dessen Werk entlässt Isabel Moritón die Zuhörer in die Pause, nicht ohne noch ein paar Erklärungen zu ihrem Instrument zu geben.

 Nach der Pause reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. John Thomas wurde 1872 erster offizieller Harfenist der Königin Victoria. Sein „Watching the Wheat“ umspielt ein altes walisisches Volkslied mit einem Melodienreichtum. „Oriental“ von Enrique Granados führt schon in das 20. Jahrhundert und zeigt das arabische Erbe in spanischen Liedern auf, „Apunte betico“ von Gombau Guerra verweist auf das andalusische Erbe, Samuel-Rousseaus „Variationen“ interpretiert Moretón leicht und elegant und wie hingetupft, ehe sie Carlos Salzedo anstimmt. Sein „Lied in der Nacht“ gibt Moretón ihr die Gelegenheit, eine ganze Reihe technischer Kabinettstückchen vorzuführen. Sie brennt ein Feuerwerk ab und holt alles aus ihrer Harfe heraus, was an originellen Klangtechniken machbar ist, vom Akkord, der in wirbelndem Arpeggio gebrochen wird, über perlend-gleitende Glissandi und überraschende Flageolett-Töne bis hin zum flüsternd-tremolierenden Bisbigliando und zu Klopf-Effekten – man hört Wellen, man hört Feuer, man hört Fanfaren und Tanz.

 Stehende Ovationen können dennoch keine weitere Zugabe herbeiklatschen. Was bleibt, nachdem der letzte Ton erklungen ist, das ist die Faszination über die Vielseitigkeit der Klangfarben, die die international gefeierte Künstlerin ihrem Instrument zu entlocken verstand.rnk

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