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Ensemble sucht die Provokation in der Musik

Stadthagen / Oberon-Trio Ensemble sucht die Provokation in der Musik

Kammermusik auf höchstem Niveau ist am Freitag im Kaminsaal des Stadthäger Schlosses erklungen. Es musizierte das großartige „Oberon Trio“, bestehend aus Henja Semmler (Violine), Rouven Schirmer (Cello) und Jonathan Aner (Klavier). Eingeladen zu dem gut besuchten Konzert hatte der Verein „Kultur Stadthagen“.

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Dem musikalischen Ungehorsam auf der Spur: Henja Semmler (v. links), Jonathan Aner und Rouven Schirmer.

Quelle: han

Stadthagen (han). „Vorauseilender Ungehorsam“ lautete der Titel des Konzertprogramms. Der frenetische Applaus des Publikum galt sicherlich nicht nur der beseelten, perfekten Darbietung. Ebenso begeisterte die lockere, leicht verständliche Art, mit der die Drei Musik und Motto erläuterten.

Niemals konnte Arnold Schönberg verstehen, was er seinen Kritikern angetan hatte, „sie so boshaft, so wütend, so fluchend, so aggressiv zu machen.“ Beim Hören von Strawinskys „Sacre du Printemps“ kann man auch heute noch nachvollziehen, warum die Pariser Uraufführung zum Skandal wurde.

Doch wie sieht es aus mit den Meistern der Klassik und Romantik? Sie stehen nicht unbedingt im Verdacht, ihr Publikum vor den Kopf zu stoßen. Dennoch: Der ach so liebliche, brave Mozart überforderte ständig sein Publikum. „Man muss mit Eisen gefütterte Ohren haben, um diese Dissonanzen zu ertragen“, schimpfte ein Zeitgenosse. Beethoven erging es nicht besser, sein Spätwerk galt als „das Werk eines Verrückten“.

Auf faszinierende Weise entschlüsselte das Oberon Trio die ungehorsame Subversion und Provokation in klassischen Werken. Kühne harmonische Wendungen, ungewöhnliche Dynamik und unscharfe Rhythmik entdeckten die Musiker in Klaviertrios von Beethoven und Carl Philipp Emanuel Bach. In seinem Trio c-moll op. 1/3 brachte es das Genie aus Bonn sogar fertig, einen Melodiebogen im Zweivierteltakt so zu gestalten, dass sich der Eindruck eines Fünfvierteltaktes ergab. Plötzliche, ins Nichts mündende Crescendi dürften die damaligen Hörer ebenfalls irritiert haben. Bach hingegen beginnt mit einem Andante in F-Dur, um sofort nach zwei Takten in ein Allegro assai in As-Dur zu wechseln. Es folgen wechselnden Rhythmen und ungewöhnliche tonale Beziehungen.

Der zeitgenössische Tonsetzer Wolfgang Rihm sei kein Avantgardist, sagte Semmler. „Vielleicht passt er deswegen ins Programm.“ Heutzutage sei es ungehorsam, ab und zu schöne Passagen zu komponieren. Robert Schumanns Aufsässigkeit sei vor allem in dessen Introversion und Widersprüchlichkeit zu finden, erläuterte Schirmer. Der Komponist habe tief in sich hineingeblickt und in seiner reichen Persönlichkeit diverse Empfindungen entdeckt, „von Kindlichkeit bis zum Wahnsinn.“

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