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Feine-Mozart Fäden in der Kirche

Ausflug in die Wiener Klassik Feine-Mozart Fäden in der Kirche

Mit insgesamt sechs Streichquartetten hat Mozart – wenn man so möchte – dem von ihm verehrten Joseph Haydn ein musikalisches Denkmal gesetzt. Das d-Moll-Quartett KV 421 wurde von Mozart im Sommer 1783 komponiert, während seine Frau mit dem ersten Sohn in den Wehen lag, doch die äußerlich glücklichen Begleitumstände blendete er radikal aus.

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Ein Deutscher, eine Holländerin, ein Südafrikaner und ein Italiener bilden das Daphnis-Streichquartett.

Quelle: rnk

Das d-Moll-Quartett schlägt einen dramatischen, bisweilen geradezu tragischen Ton an. Ein fast mürrisches Pathos im ersten Moll-Satz, drängende Ruhelosigkeit im Andante, eine melancholische Stimmung im Kopfsatz und eine dunkle Wolke über dem „Menuetto“, dämonisch wirkende Energien im Schlusssatz – es ist ein Stück ohne oberflächlichen Glanz, das beinahe schüchtern wirkt.

 Doch wer dem Daphnis-Streichquartett in der Hattendorfer Kirche genauer zuhört, der merkt schnell, wie fein die Mozart-Fäden von den vier Solisten gesponnen werden, wie differenziert und gleichsam in jede Note hineingehört ihr Spiel ist, und wie daraus letztlich jene Atmosphäre entsteht, die dieses Quartett in den Stand von Meisterwerken erhebt. Kurzum: Es ist ein geistreicher Diskurs, den die vier Musiker da vorne führen.

 Man konnte vor dem Konzert durchaus Bedenken hegen: Würden vier Solisten auch ein Quartett, also eine Gemeinschaft ergeben? Denn die Musiker müssen einander zuhören; sie müssen miteinander und nicht einfach nebeneinander herspielen. Wohlüberlegt, jede Note auf die Goldwaage legend, spielt das Ensemble (Moritz Ter-Nedden, Violine; Frédérique Guilikers, Violine; Petrus Coetzee, Viola und Cosimo Garovani am Violoncello) überaus homogen, dabei nie sich in den Vordergrund drängend: vorsichtig, zart und lyrisch.

 Das d-moll-Quartett erscheint beim Daphnis-Quartett nicht als sanft-elegante Nacht-Ode, sondern als eine raue, unsichere Nacht-Novelle. Die Vier zeigen, ein Stück brüchige Musik, einen Aufbruch in ein vermeintliches Nichts.

 Anschließend folgt Beethoven. Nur 15 Jahre liegen zwischen den Streichquartetten von Mozart und Beethoven, doch es ist eine andere Welt, eine Welt, in der die Streichquartette den Weg aus den heimischen Zimmern in die Konzertsäle geschafft haben. Die Autonomie des Musikers ist für Beethoven nicht nur ein unerreichbarer Wunschtraum, sie ist täglich gelebte Realität. Streichquartette sind für ihn jedoch eine Premiere: Noch nie zuvor hatte er sich an diese Gattung gewagt.

 Aber der Erfolg gibt Selbstvertrauen, wie im Streichquartett Op. 18, Nr. 3 zu hören ist. „Auf zu neuen Ufern“, formuliert Moderator Peter Apel den Beethovenschen Ansatz: Ständige Tonartwechsel, große Effekte und einem zweiten Satz mit scheinbar unendlichen Variationen, der beim Daphnis-Streichquartett niemals rätselhaft klingt, aber noch in den verschatteten Momenten von einer Präzision ist, die die Struktur der Musik wie ein scharfes Relief hervortreten lässt. Das Presto realisieren die Vier mit einer Attitüde, als würden sie jeden Morgen erst einmal gemeinsam Paganini beten: Die Artikulation ist atemberaubend genau, dazu kommt eine brillante Bogenführung. So wird das Finale zu einer hochspannenden und gar nicht gemütlichen Angelegenheit. Als Rausschmeißer gibt es noch einen Presto-Satz von Luigi Boccherini. rnk

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