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Irrungen der Kommunikation

Carsten Höfer beim Kulturring zu Gast Irrungen der Kommunikation

Alljährlich in der Winterzeit bittet der Kulturring Rinteln zu seiner Kleinkunstreihe „Kultur zur Teezeit“ in den urgemütlichen Veranstaltungssaal im Prinzenhof.

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Carsten Höfer

Von Karl-Heinz Thenhrart

Fürs Jahr 2015 hat man sich mit dem überregional bekannten und mehrfach preisgekrönten Kabarettisten und Komödianten Carsten Höfer gleich zum Start einen Hochkaräter gegönnt. Der Münsteraner „Gentleman“ (Höfer über Höfer) präsentierte sein zweistündiges Soloprogramm „Der Frauenversteher“ – ein humoristischer Parforceritt durch die Irrungen und Wirrungen der Kommunikation zwischen Mann und Frau, der kein Auge trocken ließ. So mancher aus dem Publikum dürfte nach dem Auftritt vor Lachen Krämpfe in der Gesichtsmuskulatur davongetragen haben.

 Worin unterscheiden sich Mann und Frau in ihrem Kommunikationsverhalten? Höfer griff sich als markantes Beispiel einen Kneipenbesuch heraus – erst fünf Männer, dann fünf Frauen. Die Männergruppe sei klar strukturiert. Ursache hierfür: das Vorhandensein der Bier-Nebenhöhle, die zur Bier-Anhangdrüse im Männergehirn führe. Sobald besagte Drüse sich füllt, ist der Mann gesprächsbereit, das Kommunikationszentrum aktiviert. Die fünf Kerle reden schön der Reihe nach, es bleibt bei einem Thema. Die Bestellung der Getränke fällt ebenso klar aus: Ein Mann nuschelt „Bier“, die anderen vier nicken – die Bedienung weiß Bescheid, bringt fünf Biere. Der Mann betreibt also eindeutiges „Monotasking“.

 Anders verhält es sich bei fünf Frauen. Diesen fehle die Bier-Nebenhöhle, so Höfer. Weibliche Kommunikation funktioniere dadurch in einem „sich selbst aktivierenden System“, was die Frau zum „Multitasking“ befähige. Die erste Frau schneidet ein Gesprächsthema an, die vier anderen gehen einerseits darauf ein, bringen aber ihrerseits weitere Themen und Abweichungen ein. Es entsteht die „weibliche Sprachschaukel“.

 Treffen nun Mann und Frau aufeinander, muss das zwangsläufig zu Missverständnissen führen. Als angemessenes Beispiel präsentierte Höfer den sitzenden Mann. Für einen Kerl seien das pure Sitzen und das schiere „Wohnen“ vollwertige Tätigkeiten. Es gelte: „Wenn der Mann wohnt, dann macht er das richtig!“ Die Frau also „initiiert einen Sprechakt“ in Richtung des sitzenden Mannes. Dieser ist hiermit bereits überfordert, denn er „sitzt“ ja. Da er nicht zum Multitasking imstande ist, kann er nicht neben dem Sitzen auch noch sprechen, geschweige denn verstehen, was die Frau will. Höfer hat indessen zwei Tipps parat. Erstens solle die Frau ein paar Bierchen zur Anregung der Bier-Nebenhöhle bereitstellen und zweitens das beabsichtigte Gespräch formell beim Manne anmelden.

 Was können Männer und Frauen tun, um sich besser zu verstehen? Höfer weiß Rat: Sie müssen duschen, wie das andere Geschlecht duscht! Mit Lachsalven förderndem Grimassieren und mittels slapstickreifen Posen karikiert der „Gentleman“ die geschlechtstypischen Verquastheiten der um Reinlichkeit Bemühten.

 Der Vater zweier Kinder schilderte die Fährnisse im Umgang mit dem Nachwuchs im Säuglingsalter („Pflegestufe 3: Muss gefüttert werden, kann nicht laufen und kann sich nicht selbst reinigen.“) und rechnete mit feistem Grinsen die finanziellen Aufwendungen für Kinder nach. „Cash-burn“ – das Geld brennt unwiderruflich auf Nimmerwiedersehen weg.

 Die Vorstellung war frühzeitig ausverkauft. Das Rintelner Publikum hat wohl einen guten Riecher für Qualität und eine Neigung fürs geistreiche Amüsement. Einhellige Meinung im Prinzenhof: Der Mann kann wiederkommen.

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