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Isabel Varell im SN-Interview

„Ich habe auch Ängste“ Isabel Varell im SN-Interview

Isabel Varell hat ihre Biografie veröffentlicht - Aus dieser liest sie am Sonnabend, 4. Juni, um 19.30 Uhr, im Palais im Park in Bad Eilsen. Vorab sprach Varell mit den SN über das Kind in ihr, über die deutsche Pleite beim Eurovision Song Contest – und darüber, warum sie den Gang ins „Dschungelcamp“ nie bereut hat.

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Isabel Varell empfindet das Schreiben ihrer Biografie als ein erfüllendes Erlebnis.

Quelle: pr.

Frau Varell, Sie werden im Bad Eilser Palais im Park aus Ihrer Autobiografie „Mittlere Reife“ vorlesen. Was erwartet die Zuhörer?
Eine musikalische Lesung, das ist ganz wichtig. Eine Gitarristin wird mit dabei sein. Ich schlage nicht die Buchdeckel auf und lese dann, bis alle eingeschlafen sind.

Sie sind selbst Musikerin, haben auch moderiert und als Schauspielerin gearbeitet. Jetzt schreiben Sie. In welchem Bereich fühlen Sie sich am wohlsten?
Ich habe angefangen mit der Musik, und die ist mir das Wichtigste im Leben. Allerdings bin ich auch froh, mich nicht entscheiden zu müssen und einfach zusagen zu können, wenn ich einen Film oder ein Theaterstück angeboten bekomme. Für mich ist das alles ein großes Geschenk. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal ein Buch schreiben würde. Es ist einfach spannend, was man noch so alles machen kann im Leben.

Wie unterscheidet sich das Schreiben von den Dingen, die Sie bisher gemacht haben?
Man sitzt am Laptop. Es war für mich erst mal eine echte Überwindung, das stundenlang zu machen. Ich habe aber Phasen gehabt beim Schreiben, in denen ich gar nicht aufhören konnte. Wenn man über sein Leben schreibt, merkt man auch, dass man sich da viel intensiver mit auseinandersetzt, als wenn man es einem Freund erzählt. Natürlich war das dann auch sehr aufwühlend. Aber es war toll, ein erfüllendes Erlebnis.

Gab es Kapitel, die Sie lieber übersprungen hätten?
Beim Schreiben nicht, das war wie eine Therapie. Aber ich habe gedacht: So veröffentliche ich das nicht. Ich habe mir gesagt, du schreibst dir einfach alles von der Seele und später filterst du es eben. Und dann habe ich doch alles gelassen, wie es war.

Warum?
Weil ich dachte, wenn du dich öffnest, wird es gut, und so können auch andere Menschen für sich da etwas rausziehen. Deshalb habe ich mich sehr geöffnet, habe sehr persönliche Dinge aufgeschrieben. Und habe es nicht bereut.

Auf der Verlagsseite heißt es über das Buch, es lohne sich, niemals ganz erwachsen zu werden. Was heißt das?
Wenn Sie sich daran erinnern, wie Sie als Kind auf einen Spielplatz gegangen sind, ohne Angst auf andere Kinder zu, das ist etwas, das wir mit dem Älterwerden verlieren. Das Kind in uns ist wie eine Art innerer Muskel, der mit dem Älterwerden auch erschlaffen kann. An seine Stelle tritt Vorsicht, immer mehr Vorsicht, bis hin zu Ängsten. Der Beruf oder eine Beziehung, das sind alles Spielplätze, und wenn man sich daran erinnert, dass wir alle mal Kinder waren, geht man mutiger darauf zu. Ich habe auch Ängste, auch wenn viele Leute denken, wenn jemand auf der Bühne steht, dann hat der keine Angst. Den inneren Muskel kann man trainieren wie Bauch, Beine und Po im Fitnessstudio, und deshalb sage ich, es lohnt sich, nicht ganz erwachsen zuwerden. Wir verlieren sonst, vielleicht auch nachvollziehbar durch Erlebnisse, diese Spiritualität des Kindes. Dagegen wehre ich mich. Darum trainiere ich diesen Muskel.

Wie macht man das?
Zuerst muss man sich bewusst werden, dass es ihn gibt. Und dann, indem man immer wieder seine Ängste und seine Vorsicht überwindet und auf Menschen zugeht. Wer das macht, wird feststellen, dass er nicht abgelehnt wird. Letzten Endes geht es ja immer um die Angst vor Ablehnung. Oder sagen wir, vielleicht wird man dann zweimal hintereinander abgelehnt, aber jeder wird feststellen, dass die Quote insgesamt eher positiv ausfällt.

Haben Ihnen diese kindliche Stärke und dieser Mut auch geholfen, sich ehrenamtlich in einem Hospiz zu engagieren?
Auf jeden Fall. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir nicht gut, ich habe um meine Mutter getrauert. Wenn man Schicksalsschläge erlebt, ist es schwer, sich zu überwinden und rauszugehen. In mir gab es dieses Alarmsignal, dass man sich genau dann eben nicht dauerhaft zurückziehen sollte. Wenn man sich bewegt, wenn es einen Ruck gibt, dann gibt es automatisch eine Gegenreaktion.

Sie haben gesagt, Musik sei Ihnen das Wichtigste. Haben Sie den Eurovision Song Contest angesehen?
Ja.

Fanden Sie es fair?
Ich fand den Wettbewerb überragend gut. Es gab kaum einen Song, der mir überhaupt nicht gefallen hat. Es tut mir sehr leid für Jamie-Lee, die einen super Auftritt hingelegt hat. Den letzten Platz hat sie nicht verdient, das tut mir in der Seele weh. Es ist ein Song Contest, es geht um das Lied, und auch das Lied hat es nicht verdient. Ich kann Jamie-Lee nur wünschen, dass sie ganz schnell wieder aufsteht und weitermacht, und dass dieses Erlebnis sie nicht einschüchtert, sondern stärker macht.

Hat der ESC mit Politik zu tun?
Das sehe ich nicht so krass. Bei manchen Ländern hat man bei der Punkteverteilung schon das Gefühl. Das ist auch irgendwie menschlich, man würde ja auch seine Familie unterstützen. Aber ich glaube nicht, dass wir aus politischen Gründen auf dem letzten Platz gelandet sind.

Die Frage muss sein: Sie waren 2004 im RTL-„Dschungelcamp“. Haben Sie es bereut?
Nein. Das werden die Gäste in Bad Eilsen übrigens auch erfahren. Über den Dschungel habe ich ein ganzes Kapitel geschrieben. Ich finde immer, man sollte nur bereuen, was man nicht gemacht hat.

Schreiben Sie weiter?
Das würde ich sehr gern, aber derzeit schreibe ich vor allem Texte für neue Songs. Im Sommer spiele ich dann in einem Musical mit, in Berlin. Die Musik hat jetzt erst mal wieder Vorrang.

Interview: Jan-Christoph Prüfer

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