Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Jenseits aller Worte

Maskentheater in Hameln Jenseits aller Worte

Die drei Mädchen in der zweiten Reihe sind verunsichert. „Die bewegen sich doch, oder nicht?“ Nein, sie bewegen sich nicht, nur in der Vorstellung der Zuschauer werden die Masken, die die Schauspieler der „Familie Flöz“ tragen, lebendig. Die fehlende Mimik wird ebenso wie die Wortlosigkeit des Geschehens durch eine exzellente Körpersprache ersetzt.

Voriger Artikel
Herz im Hals
Nächster Artikel
Großartiges Konzerterlebnis

In Hajo Schülers Maskentheater „Familie Flöz: Garage d’Or“ werden lebendige Gesichter durch starre Masken verdeckt.

Quelle: eaw

Hameln. Es ist paradox: Lebendige Gesichter werden durch starre Masken verdeckt, womit aber wieder sehr lebendige Figuren geschaffen werden. „Der Zuschauer selbst wird damit kraft seiner Imagination zum Schöpfer. Er erst lässt alles lebendig werden“, sagt der künstlerische Leiter der „Familie Flöz“, Hajo Schüler.

 Schon mehrfach hat das in vielen Ländern auftretende Maskentheater im Hamelner Theater Station gemacht. Diesmal mit der Produktion „Garage d’Or“, in der es um Männersehnsüchte geht. „Alles dreht sich um Ferne, Beherrschung und Eroberung, Männerwünsche eben“, sagt Hajo Schüler. Um die Frage also, was Männern von heute zwischen Haushalt, Ehefrau, Beruf und Kindern noch an männlichen Freiheiten und Träumen bleibt. Da wird der Blick in den Himmel durchs Hobby-Teleskop zur unliebsamen Konkurrenz für die liebesbedürftige Ehefrau, der Traum vom Ritt zu den Sternen als Astronaut gewinnt eine Qualität, die an die Tagträume von James Thurber’s Walter Mitty erinnert. Zwischendurch landet einer der drei Männer auf der Couch des Psychologen, alles fein garniert mit bestens austariertem Situationswitz und durchdrungen von zauberhafter Poesie.

 90 Minuten lang lassen die Maskenmänner, -frauen und -kinder der „Familie Flöz“ ihre Zuschauer im fast vollen großen Haus träumen. So manche Ehefrau im Publikum erfährt dabei mit einem Augenzwinkern, was die eigentlichen Befindlichkeiten ihres Ehemanns sind, denn die „Familie Flöz“ trifft mit der „Garage d’Or“ die männliche Psyche punktgenau.

 Nicht nur die vielen begeisterten Jugendlichen, die an diesem Abend vielleicht zum ersten Mal erfahren haben, was wortloses Theater zu leisten vermag, applaudieren dem donnernden Raketenstart und dem als goldfarbene Astronauten in Heldenpose über die Bühne marschierenden Männertrio. eaw

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben