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Kabarettistin Christine Prayon fegt durch die Alte Polizei

Stürmisch, quirlig und laut Kabarettistin Christine Prayon fegt durch die Alte Polizei

Wer vorgehabt hat, sich an der Abendkasse spontan ein Ticket für Christine Prayon als „Diplom-Animatöse“ zu sichern, hatte das Nachsehen.

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Stadthagen. Die aus der ZDF-„heute show“ bekannte Kabarettistin trat in der Alten Polizei in einem restlos ausverkauften Saal auf. Auf der Bühne zeigte sie sich in Bestform – vor allem in Sachen Stimmlage, Mimik und Gestik.
„Vollgas geben von Anfang an“ ist sicherlich ein Motto des Abends gewesen. Um kurz nach 20 Uhr stürmt eine quirlige, aufgedrehte Frau mit dunkelhaariger Perücke, komplett in Schwarz gekleidet auf die Bühne. Sie wolle ein „Willkommenslied“ anstimmen: Schiefer Gesang trifft dabei auf Heavy-Metal-Gegrunze. Noch bevor sich das Publikum sicher ist, was für ein Schauspiel sich ihm da eigentlich bietet, verschwindet die Perücke auch schon vom Kopf Prayons.
Nun ist sie da, die „Echte“, wie sie sagt und bedankt sich mit dunkler Sonnenbrille im Gesicht bei ihrer „Vorband“. Was nun folgt, ist ein ulkiges Spektakel, das die Lachmuskeln des Publikums das erste Mal so richtig zu strapazieren scheint. „Mit meiner Band ,Sandmännchen und die Boxenluder‘ singe ich nun meinen Song ,Spannenlanger Hansel‘“, kündigt sie an – der Name ist Programm. Während das Kinderlied in dröhnender Lautstärke aus den Boxen schallt, führt Prayon eine Choreografie auf, die auch aus einem amerikanischen Rapmusik-Video stammen könnte.
Es kommt das Gefühl auf, sie legt jetzt erst so richtig los, als sie plötzlich einwirft: „Ich brech’ das jetzt mal ab. Oder soll ich wirklich den Rest des Abends auf der Bühne rumstapfen und behaupten, ich sei jemand anderes?“ Dass sie genau dieses Vorhaben noch bis ins Extrem umsetzen wird, zeigt der weitere Verlauf des Abends.
Ihre Charaktere machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt: Da werden aus Groß Hegesdorfern im Publikum auf einmal Darmstädter, Rodenberger kommen aus Amerika, nur um eine passende Geschichte mit ihnen erzählen zu können. Die Prayon überträgt das Konzept ihres schizophren anmutenden Selbst auf diese Weise direkt auf das Publikum.
Und als ob sie es geahnt hätte, zückt sie während ihres Auftritts einen Lottoschein: „Für den, der am wenigsten Spaß hat heute Abend.“ Schnell findet sich ein Besitzer. Der Auftritt der aufgedrehten Christine Prayon ist eben nicht mit der eher ruhigen und gelassenen Art eines Dieter Nuhr zu vergleichen. Für die Fans der impulsiven Kabarettistin ist das mit Sicherheit auch gut so. mak

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