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Kulturerbe in Schlesien bewahrt

Landkreis Kulturerbe in Schlesien bewahrt

Seit 20 Jahren besteht die Erika-Simon-Stiftung in Todenmann, und zum Jubiläum wird sie besonders geehrt. Am Sonnabend, 13. September, bekommt sie den 38. Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen in der Aula der Leopoldina-Universität von Breslau.

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Waltraut Simon zeigt das Jubiläumsbuch und Plakate vom Jubiläumskonzert mit Ludwig Güttler. 

Quelle: dil

Landkreis. Waltraut Simon (77), Geschäftsführerin der Stiftung, wird dort mit zwei weiteren Preisträgern ausgezeichnet. Zum Jubiläum hatte die Stiftung selbst am 14. Juni im schlesischen Jauer (heute Jawor) zu einem Festkonzerzt mit dem weltbekannten Trompeter Prof. Ludwig Güttler aus Dresden und Friedrich Kircheisen an der Orgel eingeladen. Den Preis bekommt sie nun für die jahrelange Unterstützung des Erhalts von Kulturdenkmälern im ehemaligen Schlesien, das heute zu Polen gehört.

 Eigentlich war das Jubiläum schon 2013. Die Stiftung geht zurück auf den aus Schlesien stammenden Fabrikanten Gerhard Simon, der in Rinteln im Emerten eine Glasfabrik betrieb (am heutigen Marktkauf-Gelände). Diese zog später nach Bückeburg um. Simon, der 2008 starb, hat Kapital in die Stiftung eingebracht und als Stiftungszweck die Bewahrung des Kulturerbes in Schlesien sowie die Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen verfolgt. So heißt es im Vorwort des Jubiläumsbüchleins „Segensreiches Wirken in Schlesien“. Die Stiftung benannte Simon nach seiner bereits 1990 gestorbenen ersten Frau.

 Einen guten Berater fand Simon in dem Oppelner Erzbischof Alfons Nossol, der bei der Beerdigung des Stifters 2008 die Trauerrede hielt. Viele Schlesier nahmen an der Beisetzung teil, auf Wunsch des Verstorbenen sang damals der Eichendorff-Chor aus Ratibor.

 Noch zu Lebzeiten hatte Simon verfügt, dass seine zweite (2006 geheiratete) Ehefrau Waltraut die Stiftungsführung übernimmt. Ihr zur Seite stehen heute Prof. Dr. Arno Herzig und Prof. Dr. Wilhelm Ahrens, beide aus Hamburg. Das Trio trifft sich mehrmals im Jahr zur Vorstandssitzung in Todenmann und reist gemeinsam zur Preisverleihung nach Breslau.

 Die Liste der geförderten Projekte ist lang, die Fördersumme ist beachtlich. „Aber wir dürfen nur die Zinsen auf das Stiftungskapital ausgeben“, sagt Waltraut Simon. „Und die niedrigen Zinsen machen uns jetzt Sorgen. Ein Viertel der Wünsche, die an uns herangetragen werden, müssen wir bereits ablehnen.“

 Und was wurde gefördert? In alphabetischer Reihenfolge: die Sanierung von Kirchen in Bad Warmbrunn, Kynast, Hirschberg, Jauer (Weltkulturerbe der UNESCO), Luban, Liegnitz, Neisse, Trebnbitz (Kloster), der Eichendorff-Mühle in Lubowitz und des fränkischen Viereckshofs „Gottwaldhof“ in Winkeldorf. Unterstützt wurden Ausstellungen, eine Filmdokumentation der Eichendorff-Mühle, sowie die Finanzierung des Glockenstuhls und eines Steinway-Flügels aus dem Haus von Gerhart Hauptmann für das Haus Schlesien in Königswinter. Bezahlt wurden auch zwei Kopien von zwei Gerhart-Hauptmann-Büsten von Arno Breker in Bronze und Marmor für Hauptmanns einstiges Wohnhaus in Agnetendorf und das Museum in Jauer.

 Vergangenes Jahr hatte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius die Preisverleihung im Bückeburger Schloss vorgenommen. Daran hatte Waltraut Simon auch schon teilgenommen. Pistorius hält in Breslau nun wieder die erste Festansprache, danach Radoslaw Molon, Vizemarschall der Wojwodschaft Niederschlesien, die zweite. Die Laudatoren sind Dr. Maciej Lagiewski, Historisches Museum Breslau, Horst Milde, früherer niedersächsischer Landtagspräsident, und Prof. Dr. Michael Pietsch von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Weitere Preisträger sind Beata Maciejewska (Autorin und Journalistin) sowie Prof. Dr. Norbert Heisig, Präsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Universität Breslau.

 Die 1937 in Jauer geborene Waltraut Simon lebte nach der Vertreibung ab 1946 in Rothenburg bei Görlitz (damals DDR), lernte 2005 Gerhard Simon kennen. In Todenmann wohnt sie in dessen Villa seit 2005 – mit Panoramablick übers Wesertal. Waltraut Simon geht in der Stiftungsarbeit auf und sagt: „Ich hatte immer Heimweh nach Jauer, wo ich herstamme, und nach Schlesien, andererseits ist die europäische Vereinigung ein Traum für mich.“ dil

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